Seenotretter ließen Kindheitstraum wahr werden

1. September 2015 @

Kaum zehn Minuten an Bord, schon durfte er zum Einsatz mitfahren: „Mein Kindheitstraum ist wahr geworden: Ich habe für einen Tag bei den Seenotrettern angeheuert!“ Der Rheinländer Thomas Stasch ist überglücklich: Er erlebte am Wochenende 29. und 30. August 2015 in Laboe den Alltag auf dem Seenotrettungskreuzer „Berlin“. Für 24 Stunden war er mit den Menschen zusammen, deren selbstlosen Einsatz für das Leben anderer er seit mehr als drei Jahrzehnten bewundert. Der Siegburger ist der Gewinner des Online-Wettbewerbs „Werde Seenotretter für einen Tag“ der Deutschen Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger (DGzRS).

Überleben-auf-See-Training im modernen Ausbildungszentrum der Firma OffTEC in Enge-Sanda: Wettbewerbsgewinner Thomas Stasch im Kreis von Seenotrettern verschiedener Station an Nord- und Ostsee - Foto: DGzRS/Die Seenotretter

Überleben-auf-See-Training im modernen Ausbildungszentrum der Firma OffTEC in Enge-Sanda: Wettbewerbsgewinner Thomas Stasch im Kreis von Seenotrettern verschiedener Station an Nord- und Ostsee – Foto: DGzRS/Die Seenotretter

Als Freizeitskipper hatte Stasch bislang lediglich eine Ahnung davon, was es bedeuten kann, rauszufahren, wenn andere reinkommen. Wenige Stunden bevor er an Bord der „Berlin“ gehen durfte, bekam er nun am eigenen Leib zu spüren, was die Seenotretter im Extremfall leisten müssen.

Um bestmöglich auf seine Aufgabe vorbereitet zu werden, absolvierte der 43-Jährige zunächst ein anspruchsvolles Überleben-auf-See-Training. Dafür stellte die Firma OffTEC den Seenotrettern ihr modernes Ausbildungszentrum in Enge-Sande zur Verfügung. Bei mehr als zwei Metern Seegang, Sturm und Dunkelheit trieb er im Überlebensanzug gemeinsam mit erfahrenen Seenotrettern im Wasser, lernte den Umgang mit der Rettungsweste und musste eine Rettungsinsel besteigen. „Mein Respekt vor den Seenotrettern ist dadurch noch gewachsen“, sagte Stasch nach dem Training.

Wenige Stunden später heuerte er auf der DGzRS-Station Laboe an. Bereits wenige Minuten nach seiner Ankunft fuhr er am Sonnabendabend den ersten Einsatz mit: Eine mit fünf Seglern besetzte Yacht mit Motorschaden benötigte die Hilfe der Seenotretter. Auf der Fahrt zur Position nahe Kiel Leuchtturm erläuterte Seenotretter Henry Hildebrandt dem Gewinner die richtige Technik zur Übergabe der Wurfleine. Vor Ort genügte Thomas Stasch ein einziger Wurf: Die Segler holten die Schlepptrosse nach, und innerhalb kürzester Zeit war die Schleppverbindung hergestellt.

Im Einsatz auf der "Berlin": Vormann Michael Müller erläutert Wettbewerbsgewinner Thomas Stasch auf der Fahrt zum Havaristen den Kurs des Seenotrettungskreuzers - Foto: DGzRS/Die Seenotretter

Im Einsatz auf der „Berlin“: Vormann Michael Müller erläutert Wettbewerbsgewinner Thomas Stasch auf der Fahrt zum Havaristen den Kurs des Seenotrettungskreuzers – Foto: DGzRS/Die Seenotretter

Auch die Nacht verbrachte Stasch an Bord der Berlin. Wie bei Seenotrettern üblich, liefen auch in seiner Kammer die Funkempfänger die ganze Nacht lang mit. „In dem viel befahrenen Revier der Kieler Förde ist es auf dem international Not- und Anrufkanal 16 nie lange ganz still. Das war schon gewöhnungsbedürftig“, berichtet der technikaffine IT-Spezialist.

Am nächsten Morgen forderte ihn die Männer-WG auf See turnusgemäß um 7 Uhr für die Bordroutine: Frühstück machen und „Rein Schiff“ standen an, bevor es mit der Berlin zur Kontrollfahrt auf die Ostsee hinausging. „Das Gefühl, bei voller Fahrt neben dem Vormann auf dem oberen Fahrstand zu stehen, war unbeschreiblich“, sagte Stasch mit leuchtenden Augen.

Die DGzRS ist zuständig für den maritimen Such- und Rettungsdienst in den deutschen Gebieten von Nord- und Ostsee. Zur Erfüllung ihrer Aufgaben hält sie rund 60 Seenotrettungskreuzer und -boote auf 54 Stationen zwischen Borkum im Westen und Usedom im Osten einsatzbereit – rund um die Uhr, bei jedem Wetter. 180 fest angestellte und rund 800 freiwillige Seenotretter fahren Jahr für Jahr mehr als 2000 Einsätze. Die gesamte unabhängige und eigenverantwortliche Arbeit der Seenotretter wird ausschließlich durch freiwillige Zuwendungen finanziert, ohne Steuergelder. Seit Gründung der DGzRS 1865, vor 150 Jahren, haben ihre Besatzungen rund 82 000 Menschen aus Seenot gerettet oder drohenden Gefahren befreit. Schirmherr des Rettungswerkes ist der Bundespräsident.

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