Im Winter Rücksicht auf Wildtiere nehmen

23. Januar 2016 @

Spaziergänger in Feld und Flur sollten gerade im Winter bei ihren Ausflügen Rücksicht auf wildlebende Tiere und deren Lebensräume nehmen, auf den Wegen bleiben und ihre Hunde nicht frei laufen lassen, bittet Oliver Brandt, Presseobmann der Jägerschaft Burgdorf. „Wildtiere haben es bei Eis und Schnee schwer. Teilweise kommen sie schlecht an die Nahrung. Wird das Wild auch noch durch Laufen, Radfahren und Reiten oder hetzende Hunde abseits der Wege gestört, kann das Überleben stark gefährdet sein.“

Auch Rehe im Winter brauchen ihre Ruhe – Foto: piclease

Auch Rehe im Winter brauchen ihre Ruhe – Foto: piclease

Wildtiere lebten im Winter von ihren Reserven, erklärt Brandt. Sie müssen deshalb sparsam mit diesen Reserven umgehen, da das minimale Nahrungsangebot sonst nicht zum Überleben ausreicht. Wiederholte Flucht führt zur Schwächung des Wildes bis hin zum Tod durch Erschöpfung oder Erfrieren. Auf der Flucht durch tiefen Schnee benötigt zum Beispiel die Schalenwildart Reh ein Vielfaches dessen an Energie, was es vergleichsweise in anderen Jahreszeiten verbraucht. Dazu kommt, dass fast das ganze weibliche Rehwild tragend ist, die Eiruhe der Anfang August beschlagenen Stücke vorbei sei und der Fötus heranreift.

Jede Tierart habe ihre eigene Strategie möglichst gut durch den Winter zu kommen, ergänzt er Jäger. Wildschweine werden beispielsweise ihre „Unterwäsche“, eine schützende Wollschicht unter den Borsten, gewärmt. Rehe haben im Winter eine „Dauerwelle“, nämlich hohle, gewellte Haare, die für eine wärmende Luftschicht sorgen. In der Winterzeit kann vermehrt beobachtet werden, dass Rehe still und starr und teilweise in kleinen Ansammlungen, sogenannten „Sprüngen“, auf den Feldern stehen. Was für den Menschen nicht ratsam ist, ist für das Reh eine raffinierte Überlebensstrategie: Es senkt seine Körpertemperatur und den Herzschlag, bewegt sich möglichst wenig und verbraucht so kaum Kalorien. Menschen würden dagegen erfrieren.

Manchmal bringen Tierfreunde Brot und Küchenreste an die Stadt- oder Waldränder, um den Tieren zu helfen. Brandt bittet allerdings alle Tierfreunde, genau dies nicht zu tun. Es sei bestimmt gut gemeint, so Brandt, schade aber den Tieren und helfe ihnen nicht. Die Tiere können daran sogar sterben. Pflanzenfresser, wie Reh- und Rotwild, können durch gewürzte Speisereste schwere Koliken bekommen. „Allesfresser, wie Wildschwein, Fuchs oder Waschbär, werden dagegen durch Essensreste in die Nähe von Menschen und in Wohnviertel gelockt und verlieren durch das Füttern ihre angeborene Scheu vor dem Menschen“, so Brandt. Bei langanhaltenden extremen Wintern werde vom Kreisjägermeister allerdings die Notzeit ausgerufen. Erst dann dürfen und müssen die Jäger das Wild füttern. Von einer Notzeit könne man aber nach einer Woche Winter nicht sprechen, beruhigt Oliver Brandt alle Tierfreunde.

Die Jägerschaft bittet alle verantwortungsbewussten Naturliebhaber und Hundehalter, bei ihren Ausflügen immer an die Wildtiere zu denken, ihre Lebensräume zu respektieren und das Wild nicht zu füttern.

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