Mit muttersprachlicher Beratung Integration unterstützen

10. Oktober 2015 @

Behördenpost entschlüsseln, sich an einer Schule anmelden oder eine Bewerbung schreiben: Ohne deutsche Sprachkenntnisse sind die Hemmschwellen oft hoch und die Zugänge zu Bildung und Ausbildung schwierig. Zugewanderte Familien und Flüchtlinge haben es daher oft schwer, sich – gerade in den ersten Wochen und Monaten nach ihrer Ankunft in Deutschland – zurechtzufinden und den Einstieg in das gesellschaftliche und berufliche Leben zu finden. Hier setzt das Projekt „Miteinander in Toleranz“ (MIT) an: Mit muttersprachlichen Einzelbetreuungen und interkulturellen Sprechstunden unterstützen ausgebildete Mentorinnen und Mentoren junge Menschen mit Migrationshintergrund vor allem bei der Berufsorientierung. Aufgrund des Projekterfolgs hat die Region Hannover bereits im vergangenen Jahr die Zahl der Standorte erhöht und die Laufzeit des Projekts um drei Jahre bis Ende 2017 verlängert. Nun soll das Projekt flächendeckend für die Region Hannover ausgeweitet werden.

Sprachliche Unterstützung wid nun von der Region gefördert - Foto: JPH

Sprachliche Unterstützung wird nun von der Region gefördert – Foto: JPH

„Basis für eine erfolgreiche Integration ist die sprachliche Verständigung – bereits seit acht Jahren begleitet Miteinander in Toleranz junge Menschen daher mit muttersprachlicher Beratung in ihrem persönlichen und beruflichen Alltag“, so Erwin Jordan, Dezernent für soziale Infrastruktur der Region Hannover. „Die Mentorinnen und Mentoren sind dabei wichtige Beistände für die Jugendlichen und junge Erwachsene, die sich in einer wichtigen Orientierungsphase befinden. Da hilft es sehr, in der vertrauten Sprache kommunizieren zu können. Mit der flächendeckenden Ausweitung des Projekts wollen wir sicherstellen, dass wir wirklich alle junge Menschen mit Unterstützungsbedarf in der Region Hannover erreichen.“

Miteinander in Toleranz richtet sich an junge Migrantinnen und Migranten aller Nationalitäten im Alter zwischen 14 und 27 Jahren. Derzeit gibt es MIT in den Kommunen Garbsen, Laatzen, Neustadt, Ronnenberg und Wunstorf, Burgdorf, Wedemark und Seelze. Dazukommen sollen nun Angebote in Barsinghausen, Gehrden, Wennigsen, Springe, Hemmingen, Pattensen, Lehrte, Sehnde und Uetze. Derzeit laufen Gespräche mit den Volkshochschulen Hannover-Ostkreis und Calenberger Land zur Projektbeteiligung.

Die MIT-Beratungen finden entweder in den regelmäßigen wöchentlichen Sprechstunden an den Projektstandorten oder als individuelle Begleitung in den Familien statt. „Überwiegend arbeiten wir mit jungen Menschen daran, sie sozial und schulisch zu stabilisieren und sie dabei zu unterstützen, ihren eigenen Weg in die Gesellschaft zu finden“, sagt Petra Langelotz, Koordinatorin des Projekts bei der Region Hannover. „Und dann geht es natürlich auch immer darum, sprachliche Barrieren zu überwinden: Das fängt schon mit einem Behördenbrief an.“ Die am häufigsten nachgefragten Beratungssprachen sind derzeit kurdisch, türkisch und russisch – in den vergangenen Monaten haben sich zunehmend junge Menschen syrischer Herkunft im Rahmen der interkulturellen Sprechstunde an die Mentorinnen und Mentoren gewandt. Das Sprachenspektrum reicht von Albanisch oder Arabisch über Griechisch bis hin zu Persisch oder Ukrainisch. Für ihre ehrenamtliche Tätigkeit erhalten die Mentorinnen und Mentoren aktuell eine Aufwandsentschädigung von 12 Euro in der Stunde.

Die Region Hannover setzt das Projekt Miteinander in Toleranz seit Januar 2007 um. Seit diesem Jahr beträgt die jährliche Fördersumme der Region Hannover 192 000 Euro. Für die Ausweitung des Projekts werden für die nächsten zwei Laufzeitjahre jeweils 118 000 Euro zusätzlich zur Verfügung gestellt. Über die entsprechende Vorlage entscheidet die Regionsversammlung am 10. November.

Kommentare gesperrt.

© 2019 Sehnde-News.