Lebende Urlaubsmitbringsel: Vorsicht geht vor Tierliebe

12. Juli 2017 @

Streunende Straßenhunde, süße Hotelkatzen, der Papagei aus der Zoohandlung im Urlaubsort – immer wieder bringen Urlauber Tiere aus ihren Feriendomizilen im Flieger mit nach Deutschland. Die vermeintlich tierliebe und gut gemeinte Aktion kann allerdings gegen Gesetze verstoßen und vor allem gefährlich für Mensch und Tier werden. Deshalb appellieren die Amtstierärzte der Region Hannover an alle Reisenden, ungeplant keine Tiere aus dem Urlaub mitzubringen.

Der Labradorwelpe Findik wird die nächsten Wochen auf der Quarantänestation des Flughafens Langenhagen bleiben müssen – Foto: Pförtner/Region Hannover

Freudig schwanzwedelnd springt Findik auf, als die Tür aufgeht und Dr. Sigrid Hofmeister das Gittergehege der Quarantänestation am Flughafen Langenhagen betritt. Acht Wochen alt soll der Labradorwelpe laut Pass sein. Seine neuen Besitzer hatten ihn aus ihrem Türkei-Urlaub mitgebracht, als Geburtstagsgeschenk für ihren Sohn. Dass das nun ein sehr teures Geschenk wird, damit hatte das Paar nicht gerechnet. Bis zu 3000 Euro kann ein dreimonatiger Aufenthalt in der Quarantäne-Station kosten. Diese Kosten stehen allerdings in keinem Verhältnis zum Schaden, den Menschen und Tiere  durch eingeschleppte Krankheiten nehmen können.

„Tollwut ist das größte Problem“, sagt Hofmeister, Amtstierärztin im Team Verbraucherschutz der Region Hannover. Die wenigsten Tiere aus dem Ausland sind geimpft. „Nach einer Impfung dauert es drei Wochen, bis diese vor einer Tollwutinfektion schützt“, erklärt sie. Eine nachfolgende Blutuntersuchung zeigt, ob sich Antikörper im Blut gebildet haben. „Bis dahin allerdings könnte sich der Hund oder die Katze anstecken oder eine Tollwutinfektion an andere Tiere und Menschen weitergeben. Daher müssen wir die Tiere, deren Impfstatus unbekannt oder zu frisch ist, in Quarantäne stecken. Zum Schutz für Tiere, aber auch für Menschen“, so die Tierärztin.

Ein ISO-Norm-Mikrochip unter der Haut des Tieres dient dann der eindeutigen Identifikation des Tieres. Werden die regelmäßigen Tollwutimpfungen im blauen Heimtierausweis eingetragen, reicht dieses Dokument für Reisen innerhalb der EU völlig aus. Wenn ein Tier aus einem Nicht-EU-Land einreisen möchte, reicht der Nachweis einer Tollwut-Impfung jedoch nicht aus. „Die Wirksamkeit dieser bestehenden Impfung muss durch eine zusätzliche Blutuntersuchung nachgewiesen werden“, erläutert Dr. Hofmeister. Je nach Einreiseland – beispielsweise Türkei, Afrika oder Kasachstan – kann sich zusätzlich noch eine Sicherheitsspanne von drei Monaten ergeben, die gewährleisten soll, dass keine unerkannt infizierten Hunde und Katzen als wirksam geimpft eingestuft werden. Die Ein- und Ausreise von Vögeln über den Flughafen in Langenhagen ist dabei grundsätzlich nicht gestattet. Bei Einreisen von Tieren kontrolliert am Flughafen der Zoll die Begleitpapiere. Die Amtstierärzte der Region werden hinzugezogen, wenn die Dokumente nicht in Ordnung sind, oder die Tiere einer Einfuhruntersuchung unterzogen werden müssen.

„Lassen Sie sich kein Tier spontan aus Mitleid aufquatschen, weder von einer Tierschutzorganisation noch von einer Privatperson. Lassen Sie sich auf einen solchen Deal nicht ein, wenn Sie sich nicht sicher sind, dass die Tierschutzorganisation alles Wichtige geregelt hat. Im Zweifel haften die Flugpaten für die Tiere und müssen für die Quarantänekosten aufkommen“, warnt Dr. Hofmeister.

Alle Infos zum Thema gibt es auch im Internet, Stichwort: Reisen Tiere.

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