Test: Ist die Macht stark in „Star Wars Battlefront“?

24. November 2015 @

Der Start unserer neuen Gaming-Textreihe könnte glamouröser kaum sein: Wir werfen heute einen Blick auf „Star Wars Battlefront“ in der Playstation-4-Version aus dem Hause Electronic Arts. Ende vergangener Woche erschien das Spiel, die Erwartungen waren und sind riesig. Entpuppt sich „Battlefront“, das von Entwickler Dice programmiert wurde, als aufgehübschte „Battlefield“-Variante oder kann es wirklich auf kompletter Linie überzeugen?

In der Schlacht um den Schneeplaneten Hoth treten 40 Spieler gegeneinander an - Screenshot: Electronic Arts

In der Schlacht um den Schneeplaneten Hoth treten 40 Spieler gegeneinander an – Screenshot: Electronic Arts

Gleich zu Anfang gibt es einen kleinen Spaß, den sich die Entwickler erlauben. Während PS4-User bei der Installation von zum Beispiel „GTA V“ nahezu dazu verdammt sind, mindestens 30 Minuten stumpf auf einen Ladebalken und GTA-typische Zeichnungen zu starren, geht „Battlefront“ andere Wege. Als Darth Vader dürfen wir uns die Zeit verkürzen und mit Laserschwert gemeinsam mit vier Sturmtrupplern auf Rebellenjagd gehen – natürlich im altbekannten Setting der Rebellenbasis auf dem Eisplaneten Hoth. Das gibt schon eine kleine Einstimmung auf das, was uns später im eigentlichen Spiel erwartet und immer wieder ins Staunen versetzt: die unglaubliche Detailverliebtheit, die die Programmierer an den Tag gelegt haben, um das „Star Wars“-Universum zum Leben zu erwecken. Der Look, der Sound: Alles ist definitiv „Star Wars“. Wenn Vaders Laserschwert surrt oder die Tie-Fighter vorbeisausen, ist Gänsehaut garantiert. „Battlefront“ sammelt allein durch die enorme Authentizität viele Pluspunkte. Wenn wir etwa mit den Speeder Bikes durch die Wälder Endors jagen, wird einem noch schwummriger als ohnehin schon beim Zugucken in „Die Rückkehr der Jedi-Ritter“. Darüber hinaus konnte EA die Originalstimmen für die deutsche Synchronisation gewinnen, die schon in den Filmen die Charaktere vertont haben.

Nach der Installation kommt das obligatische Startmenü. Und hier wird gleich auf den ersten Blick klar: „Battlefront“ versteht sich so gut wie ausschließlich als riesiges Multiplayer-Game. PS4-Gamer sollten also auf jeden Fall Plus-Mitglied sein, um das volle Spielgefühl genießen zu können – je nach Aboart immerhin zusätzliche 4,17 bis sieben Euro im Monat zum nicht gerade günstigen Spiel (um die 60 Euro). Darüber sollte sich jeder vor dem Kauf im Klaren sein. Denn: Eine Solokampagne suchen wir vergebens, der Großteil von „Battlefront“ findet online im Multiplayer-Modus statt. Ohne Plus-Mitgliedschaft gibt es nur eine Handvoll Schlachten – die allerdings als Single, im Online-Koop-Modus oder als Splitscreen am hoffentlich ausreichend großen Fernseher. Es lässt sich jetzt darüber spekulieren, ob EA keine Solomissionen haben wollte oder aber Disney einen Monat vor Release des siebten Teils „Das Erwachen der Macht“ des Weltraum-Epos‘ keinen Inhalt der bis dato sehr gut geheim gehaltenen Handlung verraten wollte. Allerdings hätten die alten sechs Filmteile genug Stoff für allein spielbare Handlungsstränge geboten. Aber wer weiß, was noch in den nächsten Monaten und Jahren auf den Markt kommt.

Denn: „Star Wars“ ist und bleibt ein Milliardenmarkt, wenn es ans Merchandising geht. Da werden sich EA, Dice und Disney sicher noch einiges aufsparen. Ohne Frage: 2015 ist für eingefleischte „Star Wars“-Fans ein Jubeljahr. Mit „Das Erwachen der Macht“ fiebern Millionen dem Kinoereignis ab dem 17. Dezember entgegen. Leia, Luke, Han Solo und Chewbacca kehren auf die große Leinwand zurück. Klar, dass da auch die Spiele-Industrie auf den einnahmeträchtigen Zug aufspringen will. EA hatte vergangenen Monat schon als kleinen Vorgeschmack für wenige Tage die Beta von „Star Wars Battlefront“ auf den Markt gebracht, mehr als 9,5 Millionen Gamer auf PC, XBox One und PS4 nutzten die Gelegenheit – Beta-Rekord bei EA. Ferner seien in den bloß sechs Tagen insgesamt 1,6 Millarden Minuten in den Schlachten auf den Planeten Hoth, Sullust und Tatooine geführt worden. Die Testversion lief damals schon recht flüssig, offenbarte aber noch die eine oder andere Schwäche – allen voran in der Balance. Gerade im Gefecht auf Hoth beschwerten sich viele Nutzer über die schlechte Ausgewogenheit zwischen Imperium und Rebellen. Letztere hatten so gut wie keine Chance, gegen die Übermacht aus Sturmtrupplern, AT-ATs und AT-ST zu bestehen. Okay, jetzt kann man natürlich sagen: exakt wie im Originalfilm „Das Imperium schlägt zurück“. Allerdings sollte selbst dann das Multiplayer-Game ausgewogener daherkommen. Hier hat EA nun deutlich nachgebessert, die dicken Kampfläufer lassen sich mittlerweile einfacher erledigen.

Im Multiplayer-Modus "Jägerstaffel" kann man unter anderem im Cockpit eines Tie-Fighters Platz nehmen - Screenshot: Electronic Arts

Im Multiplayer-Modus „Jägerstaffel“ kann man unter anderem im Cockpit eines Tie-Fighters Platz nehmen – Screenshot: Electronic Arts

Das bringt uns auch schon zum Multiplayer-Part, dem Herzstück des aktuellen „Battlefront“. Ein kleiner Blick auf die Zugriffsstatistiken verrät: Die meisten „Battlefront“-Fans zocken auf der PS4. Hier sind es um die 180 000, auf der XBox etwa 110 000 und am PC sogar nur etwas um die 50 000 Gamer. Warum die Computerzahlen so deutlich unter den anderen liegen, darüber kann nur spekuliert werden: eventuell aufgrund der anfänglichen Probleme beim Release. Doch das sind nur Fakten am Rande. Wesentlich wichtiger ist das Spielerlebnis. Die epischen Schlachten wirken auch im Multiplayer gerade durch die anfangs beschriebene Detailtreue bei Aussehen und Sound der Welten und Waffen. Die Gefechte finden mit bis zu 40 Mitspielern statt, Zeit zum Durchatmen bleibt kaum. Wer rastet, wird schnell erwischt – entweder aus dem Hinterhalt oder ungeniert von vorne. Insofern sollte niemand zu viel träumen und schwärmen, wenn er sich die perfekten Welten aus „Krieg der Sterne“ ansieht – aber das wird unweigerlich passieren. Auf der anderen Seite: Blenden wir den Faktor aus, wird schnell klar, dass „Battlefront“ letztlich doch nur ein glattgezogener Multiplayer-Shooter ist. Das bewährte „Battlefield“-Konzept hat Dice genommen und statt brennende Landschaften im Mittleren Osten eben brennende Landschaften auf Sullust eingefügt.

Möge die Macht mit Dir sein: Luke schleudert ein paar Sturmtruppler weg - Screenshot: Electronic Arts

Möge die Macht mit Dir sein: Luke schleudert ein paar Sturmtruppler weg – Screenshot: Electronic Arts

Doch was auf der einen Seite erwartbar rüberkommt, sorgt doch auch für das sehr gute Spielgefühl. Altbewährtes ist eben nicht immer schlecht. Insgesamt gibt es über zehn Mehrspielermodi, mit denen wir uns die Zeit vertreiben können – darunter zum Beispiel die Klassiker Team Deathmatch und Capture the Flag. Hinzu kommen echte „Star Wars“-Highlights wie Kämpfe unter den geliebten Superhelden wie Luke und seinem Vater Darth Vader (Modus „Helden vs. Schurken“) oder größere Luftschlachten zwischen X-Wings und Tie-Fightern (Modus „Jägerstaffel“). Durch die Mischung von realen Online-Mitspielern und KI-Varianten als Flügelmänner entfaltet sich bald das wahre „Star Wars“-Gefühl. Und mit sogenannten Power Ups können wir uns sogar ins Cockpit vom Millennium Falcon oder Boba Fetts „Slave One“ hieven. Aber bei aller Liebe: Kein Kampf findet im Weltall statt, was beim Namen „Krieg der Sterne“ mehr als schade ist und eine große vertane Chance darstellt. In „Vorherrschaft“ wiederum müssen Kontrollpunkte erobert und gehalten werden. Die 40 Mitspieler – 20 gegen 20 – werden bei „Kampfläufer-Angriff“ voll ausgeschöpft. Hier entfalten sich die richtig großen Schlachten. Je erfolgreicher wir in den Modi abschneiden, umso mehr können wir unsere Ausrüstung upgraden mit stärkeren Blastern, Thermaldetonatoren oder ähnlichem. Fairerweise muss aber gesagt werden: Bei der riesigen Community hätte EA durchaus auf richtig große „Star Wars“-Schlachten setzen sollen. 40 Gamer sind heutzutage geradezu übersichtlich, große Onlinespiele wie etwa „Planetside 2“ kommen auf mehrere Hundert gleichzeitig – so würde der Kampf um den Schneeplaneten Hoth garantiert noch imposanter wirken als jetzt schon.

"Star Wars Battlefront" ist ab sofort für PS4, XBox One und PC erhältlich - Screenshot: Electronic Arts

„Star Wars Battlefront“ ist ab sofort für PS4, XBox One und PC erhältlich – Screenshot: Electronic Arts

„Star Wars Battlefront“ ist ein klassischer Mutliplayer-Shooter, der jedoch in vielen Punkten besonders ist. Eingefleischte „Krieg der Sterne“-Fans werden zugreifen, allein wegen der Atmosphäre. Der Spielspaß ist auch enorm, weil eben jeder in das Setting der epischen „Star Wars“-Schlachten eintauchen kann. Allerdings könnte „Battlefront“ genau dadurch Gefahr laufen, schnell langweilig zu werden. Wird der Sturmtruppler-Helm abgenommen, verbirgt sich dahinter eben bloß ein weiteres, normales Ballerspiel. Das Game ist ein wunderbarer Zeitvertreib, um abzuschalten und seine Lieblinge aus der weit, weit entfernten Galaxis wiederzusehen. Allerdings fesselt es nicht für viele Stunden am Stück – unter anderem auch wegen der fehlenden Kampagne. Das ist für so ein teures Spiel einfach schade. Hoffentlich steuern EA und Dice in der nächsten Zeit mit Download Content gegen, damit die Macht weiterhin mit ihnen ist.

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