Sehnder Weltfrauentag mit Empfang und Vortrag

10. März 2016 @

Zu dem schon üblichen Empfang hatten der Arbeitskreis Frauen in der Stadt Sehnde und die Gleichstellungsbeauftragte Sarah Peters am Dienstag die Frauen und Interessierten aus Sehnde in den Ratssaal der Stadt eingeladen. Der Weltfrauentag, nach dem Ende des zweiten Weltkrieges in Deutschland fast vergessen, ist ein Tag, der die Frauen in den Mittelpunkt stellt. Ein Tag der heute noch immer Relevanz besitzt, denn sind Männer und Frauen zwar formal, nach dem Grundgesetz, gleichgestellt, bestehen noch immer Unterschiede in Bezahlung und Anerkennung im Beruf aber auch in Bezug auf die Sicherheit.

Sarah Peters (vo.) konnte rund 65 Gäste begrüßen - Foto: JPH

Sarah Peters (vo.) konnte rund 65 Gäste begrüßen – Foto: JPH

Nach dem Sektempfang, an dem rund 65 Frauen teilnahmen, hatte der Kreis dann einen Vortrag von Reyyan aus Hannover, einer Frau mit dem Studium der islamischen Theologie, und einer anschließenden Diskussion mit ihr, ihrer Kollegin und Peters eingeladen. Das aktuelle Thema „Muslimische Frauen und Feminismus?“ ging die Referentin unter der Fragestellung „Was bedeutet Feminismus allegemein“ und „Was bedeutet er im Islam und welchen Diskurs gibt es dort?“. Dabei stellte Reyyan zunächst fest, dass der Koran in seinem eigentlichen Sinn die Unterdrückung der Frau nicht propagiert, sondern sogar, anders als die Bibel in der Schöpfungsgeschichte, Mann und Frau in ihrer „Erschaffung“ gleich waren. So könne man den Koran sogar antipatriarchisch lesen und man solle die Deutungshoheit nicht den Männern überlassen. Es handele sich vielmehr um eine Interpretationsfrage, die schon längerer bestand, die aber erst um 1990 sichtbar wurde. Dieser Disput wird nach Angaben von Reyyan heute weltweit ausgetragen, überall dort, wo es muslimische Gemeinden gibt.

Über die muslimische Feministin Asma Barlas sprach Reyyan - Foto: JPH

Über die muslimische Feministin Asma Barlas sprach Reyyan – Foto: JPH

Dabei ist ihre These, dass es „Frauen im Islam“ oder „Islamische Frauen“ so eingeschränkt in eine westliche Sichtweise nicht gibt, sondern die Frauen so seien, wie in jeder anderen Religon auch. Dabei widerspricht sie auch dem Urgestein der deutschen Feministinnen, Alice Schwarzer. „Es gibt auch zahllose Frauen, die sich für das Kopftuch aus religiösen Gründen selbst entscheiden haben“, stellt sie dazu fest. „Schwarzer entmündigt moslemische Frauen, wenn sie das Kopftuch als ‚Unterdrückungssymbol‘ bezeichnet. Es ist eine religiöse Entscheidung als Selbstbestimmung, was sie vollkommen missachtet.“

Nach dem Vortrag diskutierten die Besucher das Thema rege - Foto: JPH

Nach dem Vortrag diskutierten die Besucher das Thema rege – Foto: JPH

Reyyan schlug einen Bogen von der feministischen Geschichte der Weimarer Republik über das III. Reich in die Neuzeit und stellte fest, dass das Frauenbild Deutschlands der Neuzeit weitgehend geprägt war vom Frauenbild der Nationalsozialistischen Zeit. Kein Wahlrecht, auf Genehmigung des Mannes zur Arbeitsaufnahme angewiesen und als Heimgestalterin angesehen – so startete die junge Bundesrepublik. Daraus sind die inzwischen die Werte „Gleichberechtigung, Menschenwürde und Selbstverwirklichung“ geworden, die heute den deutschen Feminismus prägten. Auf die muslimischen Feministinnen Asma Barlas, Amina Wadud und die in Deutschland lebenden Kübra Gümüsay und Emine Aslan.

Der Koran, so Reyyan zum Abschluss des Vortrages, bejaht die Gleichberechtigung aller Menschen, alles andere ist hineininterpretiert. Falsch sei es zudem, dass Kulturelles als Dogma des Korans gesehen wird.

Die anschließende Diskussion drehte sich um moslemische Feministinnen, Zwangsheirat und Koranschulen. Erst als alle Fragen beantwortet und diskutiert worden waren, gingen die Besucherinnen nach Hause.

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