Ein Monolog mit vielen Zuhörern und einem Instrument

27. Oktober 2016 @

SEHNDE-NEWS.DE. Es gehört schon Mut dazu, sich als Lehrer an der eigenen Schule als Schauspieler zu präsentieren – und dann noch mit einem Stück, das nur auf einer Person basiert. Und das mit dem Einakter von Patrick Süskind „Der Kontrabass“. Das hat am Sonnabendabend der Musik- und Mathelehrer der KGS, Thiemo Fröhlich, an eben dieser Schule sehr gut gelöst, so dass sich das Publikum sogar gefragt haben dürfte, wieso er den Beruf des Lehrers und nicht des Schauspielers ergriffen hat. Doch manchmal ist es wohl das gleiche – und besonders auch die Situation des Monologs.

Mit Begleitung von Bettina Griesbach spielte Thiemo Fröhlich auf dem Kontrabass - Foto: JPH

Mit Begleitung von Bettina Griesbach spielte Thiemo Fröhlich auf dem Kontrabass – Foto: JPH

Das Stück handelt von einem Musiker, der Kontrabassist ist, und dessen Weltschmerz und Unzufriedenheit er auf sein Instrument zurückführt und alles eben dann darauf projiziert. Dabei geht es in einem „Rundumschlag“ vom Beruf über die Mitarbeiter, Chefs und Komponisten zur persönlichen Situation – und alle außer dem Musiker sind schließlich Verursacher oder Problemmacher. Dabei blieb am Ende alles an der unerfüllten Liebe zu Sarah, einer jungen Sopranistin, hängen, die er –vielleicht- mit lautem Ruf „Sarah“ bei der folgenden Aufführung auf sich aufmerksam machen will – oder auch nicht, denn vorher endet das Stück, als der Musiker zur Arbeit auf die Bühne muss. Der Zuschauer? Er wird es nie erfahren, aber vielleicht macht das ja den Reiz des Stückes aus, denn der Kontrabassist lässt den Besucher mit vielen Fragen allein zurück. Eine besondere Einlage gab es noch, als Fröhlich mit seiner Kollegin Bettina Griesbach am Klavier eine musikalische Darbietung einflocht – Szenenapplaus zu Recht.

Weltschmerz, Lebensunfähigkeit oder mangelnde Selbstreflexion des Kontrabassisten - das musste der Zuschuer beantworten - Foto: JPH

Weltschmerz, Lebensunfähigkeit oder mangelnde Selbstreflexion des Kontrabassisten – das musste der Zuschauer für sich beantworten – Foto: JPH

Mit dem Angebot der Kontrabass ging der Kulturverein Sehnde erneut ein Risiko eines Flops ein, doch rund 120 Personen, darunter auch Kollegen und Schüler von Fröhlich, wollten sich mit den Monologen des Musikers auseinandersetzen und haben das sicher nicht bereut. Das Stück von Süskind, von ihm1981 geschrieben, ist teilweise unterhaltsam und reizte, nicht zuletzt wegen des gelungenen Vortrages von Fröhlich,  zu einigen heiteren Lachern,  doch der fast theatralische Rundumschlag des Blickes auf das eigene Leben ist stellenweise auch schwerverdaulich oder reflektiert gar eigene Erlebnisse und Daseinsfragen.

Und genau das soll es eigentlich auch,  steht doch der Kontrabass in diesem Dialog oft für das Individuum im Publikum.  Und das sprach Fröhlich ausgezeichnet an und trat gut in den imaginären Dialog mit den Besuchern ein.

Ein reizvoller Abend,  der mehr Besucher verdient gehabt hätte, aber trotzdem als Erfolg für die Planungen des Kulturvereins Sehnde zu werten ist.  Die Leistung von „Lehrer“ Thiemo Fröhlich hat natürlich maßgeblich dazu beigetragen, wie der Applaus am Ende zeigte. Nun folgt als nächstes Angebot des Kulturvereins die Laienspielerschar der „Unverzagten“ mit ihrem Stück „Alles Paletti“ am 5. November um 19.30 Uhr, wieder im Forum der KGS.

Kommentare gesperrt.

© 2019 Sehnde-News.