Als Deutscher in den USA

3. März 2015 @

Heute: Zombiefinger

Soll mal keiner sagen, die Regierenden hier in Tennessee seien nicht flexibel. Noch vor ein paar Jahren wäre es undenkbar gewesen, dass irgendwer hier in der Lage gewesen wäre, sich im Kiosk an der Ecke ein Lotterieticket zu kaufen. Die Begründung dafür war puritanisch-religiös: Die Lotterie sei ein Werk des Bösen, verführe die Rechtschaffenen und deformiere die Seele, blabla blabla. Dann aber trat ein unbekannter Herr auf, der in der Lage war, einen Rechenschieber zu bedienen. Er schob ihn also hierhin und dorthin und verkündete, dass man, so wörtlich, „einen Schweinebatzen Asche abgreifen könnte“, wenn das Parlament endlich den Verkauf von Losen erlauben würde.

Als Deutscher in den USA

Neues aus den USA von Andreas Kraatz – Foto: Gerd Altmann/Pixelio.de

Bei dem Wort „Geld“ klingelten in den Büros der politischen Entscheidungsträger natürlich sofort alle Ohren und, schwupps, war das Verbot aufgehoben. Die Begründung dafür war puritanisch-religiös: Man könne mit den Einnahmen aus dem Losverkauf ja so viele gute Werke im Namen des Herren tun, also, das wäre ja was ganz Dolles und überhaupt. Sie wissen schon: Blabla blabla. Seitdem wird überall für Rubbellose geworben und ich fühle mich schon ganz schuldig, weil ich nie eins kaufe.

Die Werbung orientiert sich im Übrigen an den neuesten Trends im Fernsehen. Kürzlich war also ein Mädchen zu sehen, das vor den Zombies aus der Serie „The Walking Dead“ davonlief und sich in einer Hütte versteckte. Dort fand sie thematisch passend logischerweise ein paar Rubbellose, die sie dann mit einem Zombiefinger benutzte, den sie zuvor einem Untoten abgehackt hatte – naja, ziemlich graphisch das Ganze. Man gönnt sich ja sonst nichts.

A propos Zombies – in Hollywood haben sie ja kürzlich wieder mal die Oscars verliehen. Experten waren allerdings fast einhellig der Meinung, es sei diesmal eine ziemliche Schnarchsack-Veranstaltung gewesen und man hätte auch einen Parteitag der CDU unter Leitung von Angela Merkel besuchen können. Einige Schauspieler hatten ja auch in der Tat kräftige Statements parat, Patricia Arquette forderte gleichen Lohn für gleiche Arbeit, oder irgend sowas mit Männern und Frauen.

Jemand völlig Unbekanntes, der launige Liedchen für Filme komponiert, fand, dass alle Polizisten totale Rassisten sind und dass sowieso die Sklaverei bald wiederkommt. Tja, wenn Drogen und Alkohol zum Problem werden, sollte man aufpassen. Die Polizei hatte ja in der letzten Zeit ziemlichen Ärger mit den Medien, weil es bei der Verhaftung von Verdächtigen zu Übergriffen und sogar Todesfällen gekommen war.

Den Beitrag von Andreas Kraatz gibt es auch als Podcast.  - Foto: AK

Den Beitrag von Andreas Kraatz gibt es auch als Podcast. – Foto: AK

Diese Verdächtigen, oder Opfer von Polizeigewalt – je nachdem wo Sie gerade stehen – wurden in Film, Funk und Fernsehen ja immer als zwölfjährige Internatsschüler und Kirchenchormitglieder dargestellt, denen die Unschuld aus jedem Knopfloch träufelte. Das einer der umtriebigen Herren mittlerweile zweimal so alt war und bei einer Größe von rund 2 Metern 350 Pfund auf die Waage brachte, unterschlugen sie dabei. Dieser Riese war laut brüllend wie ein Wikinger mit Verstopfung und einer Dampflok gleich auf den vor Schock gelähmten Polizisten zugerannt. Dabei hatte er noch irgendwas geschwungen, was ein Säbel, eine Keule oder genauso gut ein abgerissenes Bein hätte sein können.

Fazit: Der schlotternde Polizist gab einen Schuss ab und stoppte den Berserker „dead in his track“, wie das hier so schön heißt. Waren Drogen im Spiel? Selbstverständlich. Und auf wunderbare Weise tauchten überall plötzlich Leute auf, die das Ende der weißen Vorherrschaft und der Sklaverei forderten oder sich zumindest für einen schnellen Rassenkrieg aussprachen. Ich glaube, meine Gastgeber müssen da doch noch ein bisschen Selbstfindung betreiben. Oder weniger Crack rauchen.

Tja, was noch? Der Schnee, der noch gestern die gesamten USA bedeckt hat, ist weggeschmolzen. Die Lastwagen meiner Firma, die also eben noch in Schneewehen von Alaska bis Florida steckten, verteilen nun wieder ihre Pakete. Und wer darf sie in 10-Stundenschichten verladen? Ich. Sollten Sie also in den nächsten Tagen so ein Päckchen bekommen, denken Sie doch mal wohlwollend an mich. Also, bis zum nächsten Mal und – „Immer schön fröhlich bleiben!“, wie das Schweinchen Dick hier immer auf dem Cartoon Channel fordert. Bin dabei!

Diese und weitere Geschichten gibt es wie immer auf dem Blog “Rock Bottom” von Andreas Kraatz direkt zum Anhören.

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