Als Deutscher in den USA

27. Februar 2015 @

Heute: Hot Dogs

Ich habe gerade einen Fehler gemacht. Erkältungsbedingt lag ich auf meinem Sofa und zappte durch die 300 Kanäle, die mir mein Kabelanbieter zur Verfügung stellt. Dabei blieb ich beim Travel Channel hängen, auf dem um diese Zeit eigentlich immer ein Mann namens Andrew Zimmer gebratene Käfer aus Borneo oder frisch geklippte und sautierte Fussnägel aus Südengland verzehrt. Seinen Slogan „Wenn es gut aussieht, kannst Du es auch essen“ habe ich bei den Fußnägeln zwar nicht ganz verstanden, aber egal.

Als Deutscher in den USA

Neues aus den USA von Andreas Kraatz – Foto: Gerd Altmann/Pixelio.de

Diesmal jedenfalls war Herr Zimmer nicht da, sondern sie zeigten einen Beitrag zum Thema „Hot Dogs und wie sie gemacht werden“. Das hätten sie mal lieber sein lassen sollen, denn jetzt habe ich Dinge gesehen, die Bob Seger in seinem Song „Against the Wind“ sehr klug mit „I wish I didn’t know now what I didn‘t know then“ beschreibt oder etwas, das der Horror-Autor Howard Phillips Lovecraft als „namen- und gesichtslosen Wahnsinn von jenseits des Universums“ bezeichnen würde.

Hot Dogs gibt es ja schon ewig und bei den Zutaten, die sie um 1875 in Därme gefüllt haben, ist es eigentlich ein Wunder, dass es noch Amerikaner gibt. Der Schafsdarm wurde später durch eine Zellulosehülle ersetzt, die man aus Schafwolle klöppelte und die total untoll schmeckte. Warum? Immer mehr Leute wollten Hot Dogs und da war echter Darm zu teuer und zu kompliziert zu verarbeiten. Der Pamps im Darm blieb allerdings gleich, aber da die Geschmacksnerven der Konsumenten bereits abgestorben waren, spielte das keine Rolle mehr.

Ein Abkömmling bayerischer Einwanderer namens Oscar Mayer tat sich in der Verbreitung der Gummiwürstchen besonders hervor. Als deutschstämmiger Metzger hätte er eigentlich vor Entsetzen laut aufschreien müssen, hat er aber nicht. War wohl schlecht für die Brieftasche. Und mir wird immer klarer, warum Amerikaner vom Europabesuch völlig verwirrt wieder zurückkehren: Es schmeckt alles nach was und zwar nach dem, was drin ist. Das kann einen schon ganz schön schaffen, wenn man sonst nur an Legosteinen lutscht.

Hier kippen sie einem ja sogar Haselnussextrakt oder anderen Sums in den Kaffee, damit’s bloß nicht nach echt schmeckt. Oh, als kleines Schmankerl am Rande erwähnte der Fernsehbericht übrigens noch, dass die Arbeiter mit bloßen Händen zwischen den laufenden Hackmessern nach der Wurstmasse fingern mussten. „Vier Bier für die Männer aus der Wurstfabrik!“, möchte man da glatt ausrufen und dabei mit zwei Fingern wedeln. Schlimm nur, dass es vermutlich stimmt. Andrew Zimmer hätte das vermutlich gefreut, hätte er doch mal wieder sautierte Fingernägel … äh, ja.

Den Beitrag von Andreas Kraatz gibt es auch als Podcast.  - Foto: AK

Den Beitrag von Andreas Kraatz gibt es auch als Podcast. Einfach auf das Bild klicken – Foto: AK

Also, für mich steht jedenfalls fest, dass ich in der nächsten Zeit erstmal ein wenig auf hiesiges Traditionsessen verzichten werde. Gibt ja schließlich auch noch Pizza und McDonald’s. Und wenn Sie in Deutschland mal einen verwirrten Amerikaner oder eine desorientierte Amerikanerin treffen sollten, nehmen Sie sie bei der Hand und helfen sie. Die beiden hatten bestimmt eine Stulle mit Hausmacherleberwurst und dazu echtes deutsches Bier.

Sowas wirft meine Gastgeber nämlich ganz heftig aus der Bahn. Kein Wunder, dass auf dem Oktoberfest so viele Besoffene aus den USA unterwegs sind. Während wir uns im Bierzelt also noch so „a Mass“ reinrauchen und nicht mal zucken, streichen Jack und Jill bereits nach einem Pott Oktoberfestbräu die Toilettenwände neu. Tja, gut essen und trinken ist eben Glückssache.

So, was noch? Letzte Woche war ich ja wie gesagt mal wieder erkältungsbedingt voll platt und konnte Ihnen meine Gedanken zum Valentinstag nicht mitteilen. Vielleicht nur soviel: Meinem Nachbarn ist die Flucht nach Sumatra nur knapp gelungen, nachdem er seiner neuen Freundin erklärt hatte, er würde „diesen Kommerzkack zum Valentinstag“ nicht mitmachen. Seit er verschwunden ist, patrouilliert sie liebevoll die Gegend mit einer abgesägten Schrotflinte ab und wartet auf seine Rückkehr.

Ich war ja brav, und hier sind alle happy: Frau, Tochter und Enkelin. Was will man mehr. Gut, dass es die schokoladenverarbeitende Industrie gibt. In diesem Sinne: Bis zum nächsten Mal.

Diese und weitere Geschichten gibt es wie immer auf dem Blog “Rock Bottom” von Andreas Kraatz direkt zum Anhören.

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