Als Deutscher in den USA

15. September 2015 @

Heute: Sammelsurium

Die schwäbische Band „Schwoißfuas“ hat vor Jahren mal in einem ihrer Songs verkündet, das „gar net so viel passiere könnt‘, dass man immer was zu verzähle hätt'“. Zuhörende Schwaben bitte ich hier und jetzt schon mal präventiv um Verzeihung für meinen ja doch eher beklagenswerten Dialektversuch.

Hoffentlich dreht mir jetzt keiner auf Facebook durch. Aber darum geht’s ja hier mal wieder gar nicht, sonst hieße meine Kolumne ja „Als Deutscher in Schwaben“ oder „Kehrwoche Extrem“ oder so. Nö, manchmal gibt’s so viel Kleinkram, dass das auch mal für eine Bestandsaufnahme reicht.

„Colorado musst Du unbedingt erwähnen“, sagt mein Nachbar und reicht mir eine Kräuterzigarette. Nach ein paar Zügen Gesundheit und nachdem die Bimmelbahn wieder weg ist, sage ich: „Den Kifferstaat? Warum? Gehen denen langsam die Bonbonmischungen aus?“

Im Schaukelstuhl auf der Veranda - und Colorado beobachten - Foto: AK

Im Schaukelstuhl auf der Veranda – und Colorado beobachten – Foto: AK

Meine Frage ist natürlich nur rhetorisch, momentan würde ich auch die Preise für Wollunterhosen in Alaska mit einem Lächeln kolportieren. „Die Herrscher von Colorado haben eine Statistik zum Thema Marihuana veröffentlicht“, sagt mein Nachbar. Er macht eine Kunstpause, die so lang ausfällt, dass ich bereits einen Schlaganfall vermute, setzt dann aber fort: „34 Millionen Dollar für Schulen und die staatliche Verbrechensrate ist 15 Prozent runter gegangen.“

Klar, denke ich, wer permanent stoned ist, überfällt eben keine Banken. Die in Colorado haben schon gewusst, was sie machen. Und kiffen für die Bildung? Das gibt’s auch nur hier. Tja, was noch? Der Vorwahlkampf tobt und ein Mann namens Donald Trump tritt hier mächtig aus der Sonne – mit Parolen, die wir Deutschen sonst nur aus Rostock oder Hoyerswerder kennen.

Er findet klügere Worte, ja doch, der Mann schließlich einen Schulabschluss, und was nicht ganz passt, deckt praktischerweise die Meinungsfreiheit ab. Ausländer raus, Steuern runter, Amerika muss Stärke zeigen etc. pp. Immerhin 30 Prozent der Amerikaner springen bereits darauf an. Sie können sich diesen nervenden Milliardär durchaus als konservativen Präsidenten vorstellen.

Die anderen Kandidaten machen bisher irgendwie auf Angela Merkel und schweigen. In der nächsten Woche beginnen die Fernsehdebatten. Mal sehen, was dann passiert. Vielleicht hauen sie sich ja. Dann gucken wenigstens auch mal die Wrestling-Fans zu. Trump hat übrigens für die Politik seine Promi Reality Show sausen lassen, in der Schauspieler, Sportler und andere Showgrößen für einen guten Zweck bei Trump „Lehrling“ spielten.

Den Beitrag von Andreas Kraatz gibt es auch als Podcast, einfach auf's Bild klicken - Foto: AK

Den Beitrag von Andreas Kraatz gibt es auch als Podcast – Foto: AK

Das Programm wird jetzt von Arnold Schwarzenegger weiter gemacht, was ja schon fast wieder cool ist. Wer die Politik hinter sich hat, kriegt eben eine eigene Fernsehshow. Und weil wir gerade bei der Politik sind: Es gibt nach knapp acht Jahren Obama-Präsidentschaft noch immer Amerikaner, die glauben, dass der Mann gar kein geborener Amerikaner ist. Das „geborener“ ist dabei wichtig, denn Arnold Schwarzenegger ist zwar eingebürgert, aber in Österreich geboren und kann deshalb nicht Präsident werden. Zu schade aber auch. Die Pressekonferenzen oder Telefonate mit Verbündeten und Gegnern wären bestimmt klasse geworden.

Aber wir waren ja bei Obama. Der ist auf Hawaii geboren, das damals aber schon zu den USA gehört hat. Seine Mutter ist Amerikanerin, also ist er auch … aber, verstehen Sie, worauf ich hinaus will? Der Chef des mächtigsten Landes der Welt muss sich mit sowas rumärgern, nur weil Leute mit dem IQ sächsischer Neonazis es nicht kapieren. Außerdem gibt’s ein Department, das prüft, ob der gewählte Präsident nicht aus Versehen aus Taka-Tuka-Land stammt.

Obama wird sich wahrscheinlich auch sagen: „Gut, dass der Quatsch bald rum ist. Dann kann ich endlich in Ruhe Golfen gehen. Oder eine Fernsehshow machen.“ Wahrscheinlich muss er aber für Michelle dann dauernd den Müll raustragen und erzgesundes Zeug essen und kommt zu gar nix.

Well, irgendwas ist ja immer. Notfalls wandert er eben nach Hawaii aus, der Obama. Ich würde das so machen, denn merke: Der nächste Winter kommt bestimmt.

Diese und weitere Geschichten gibt es wie immer auf dem Blog “Rock Bottom” von Andreas Kraatz direkt zum Anhören.

Kommentare gesperrt.

© 2019 Sehnde-News.