Als Deutscher in den USA

12. August 2015 @

Heute: Gesetzestreue

Hier geht mal wieder voll die Post ab. Ich sage nur: Regionalwahlen. Neben unzähligen Scheriffs, Richtern und was weiß ich noch, wird der neue Bürgermeister von Nashville gewählt. Vielleicht finden sie ja auch mal wieder einen neuen County Clerk. Das ist hier der Boss von all den Beamten, die Autosteuern, Gebühren und anderen unbeliebten Firlefanz eintreiben.

Den alten County Clerk hatte es ja schon kurz nach der Amtseinführung zerlegt, weil er seine Visitenkarten und palettenweise Bier aus dem Stadtsäckl bezahlt hat. Er hatte zwar vor dem flugs einberufenen Untersuchungsausschuss noch versucht, seinen Kopf aus der Schlinge zu ziehen („Sachzwänge, äh, ja, nicht war, oder?“), dann aber doch mehr das Lied der Fische gesungen, und selbst sein Hinweis auf 9/11 und den weltweiten Kampf gegen den Terrorismus half nicht. „Weg er plötzlich war“, würde Yoda aus „Star Wars“ sagen. Das geht hier fixer, als bei uns zuhause.

Als Deutscher in den USA

Neues aus den USA von Andreas Kraatz – Foto: Gerd Altmann/Pixelio.de

Nur beim amtierenden Bürgermeister, Carl Dean heißt er übrigens, scheint das alles abzutropfen wie von Teflon. Es gibt da eine Geschichte von ihm und dem Rummelplatz, in der der Bürgermeister Carl so verzweifelt versucht, den Veranstaltungsort der State Fair (sowas Ähnliches wie der Niedersachsentag) an Investoren zu verkaufen, dass es schon fast peinlich ist. Und: Die Leute lieben die Veranstaltung und auch den Ort – ein forcierter Verkauf wäre also sowieso kompletter Humbug gewesen. Ich habe Carl Dean mal vor ein paar Jahren getroffen. Er ist ein jovialer Herr, dem man besser nicht den Rücken zudreht.

Naja, sollte er die Wahl verlieren, wird er vermutlich von einem anderen jovialen, leicht übergewichtigen Herren ersetzt, und der Unterschied wird kaum auffallen. Die Werbespots verstopfen jetzt schon die Fernsehkanäle und sind meist so gelungen wie eine Folge von „GZSZ“, wenn es die Show noch gibt. In einem finden die „Mitbürger“ allesamt und unisono, dass der neue dicke Mann viel besser ist, als der alte. Mein persönlicher Favorit ist der Spot eines Mannes, der bisher sein Geld als Polizist verdient hat und der jetzt offenbar politische Ambitionen hat.

Dummerweise starrt er in die Kamera wie ein gelähmter Hamster und stammelt in einem fort Sachen, die keiner versteht und die sowieso keiner hören will. Grundsätzlich sind die Leute in Nashville nämlich Optimisten, die nicht allzuviel mit Horrorszenarien aus „The Walking Dead“ am Hut haben. Der Zombie da im Fernsehen hilft einem auch nicht unbedingt weiter. Zu meiner und unserer Erheiterung hat er außerdem auch noch sein Zehn-Punkte Programm auf dem Schirm aufgelistet. Beim zehnten Schreibfehler habe ich aufgehört zu zählen.

Den Beitrag von Andreas Kraatz gibt es auch als Podcast.  Aufs Foto klicken - Foto: AK

Den Beitrag von Andreas Kraatz gibt es auch als Podcast. Aufs Foto klicken – Foto: AK

Die Cops hier haben es aber auch wirklich nicht leicht. All die Gesetze, an die sie sich erinnern müssen! Wussten Sie zum Beispiel, dass es hier illegal ist, gefälschte Wetterberichte zu verbreiten? Wo kämen wir da hin, nicht wahr? Regen ansagen und dann kommt keiner? Tss, tss, tss. Oder wenn ich in Riverside, Kalifornien, meine Frau auf die Lippen küssen wollte, müssten wir uns erst einmal vorher den Mund mit kohlensäurehaltigem Rosenwasser abwischen.

Bevor Sie nach Zion, Illinois, reisen, sollten sie ihre Freundin darauf vorbereiten, dass sie sie mit „Herr und Meister“ anzureden hat, wenn Sie zusammen im Restaurant sitzen. Und keine Sorge, wenn ihre Begleiterin in New York plötzlich „Oben ohne“ in der Gegend herumläuft – dort ist das legal. Sie darf nur kein Geld damit verdienen. In Oxford, Ohio, sollte sie zudem immer gut rasiert sein, besonders im Gesicht und an den Beinen. Nun aber genug davon, ich muss nochmal rüber zu meinem Nachbarn. Wir wollten ja noch ein paar Wetterberichte fälschen. Vielleicht ist ja auch noch Zeit für ein Kräuterzigarettchen.

Zum Schluss vielleicht noch dies: „Man kann eine Menge beobachten, wenn man nur hinsieht und vergessen Sie nicht, zur Beerdigung ihrer Freunde und Kollegen zu gehen. Sonst kommen die auch nicht zu ihrer.“ Gesagt hat das der berühmte amerikanische Baseball-Coach Yogi Berra. Und wo er Recht hat, hat er recht. Bis zum nächsten Mal!

Diese und weitere Geschichten gibt es wie immer auf dem Blog “Rock Bottom” von Andreas Kraatz direkt zum Anhören. Einfach auf das Bild klicken.

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