Als Deutscher in den USA

7. August 2015 @

Heute: Zu heiß

Auf der Straße vor unserem Haus versinkt ein kleines Haustier im leise blubbernden Asphalt. „Den finden sie in 50 Millionen Jahren wieder und wundern sich dann, was es war“, schnauft mein Nachbar und lacht verschwitzt. Dann gießt er sich Bier auf die Brust, weil das angeblich den Bräunungsprozess „fördern“ soll. So hat er das jedenfalls mal bei Hunter S. Thompson in seinem Buch „Angst & Schrecken in Las Vegas“ gelesen.

Hier in Nashville allerdings färbt der Gerstensaft einfach nur seine Shorts gelb, was auch nicht so toll aussieht, zumindest nicht bei Herren gesetzteren Alters. Inzwischen ist die Besitzerin des versunkenen Kleintieres kreischend aus ihrem Appartement gestürzt und kriegt gerade noch den Schwanz des angehenden Fossils zu packen. „Ihr könntet mal helfen, ihr faulen Säcke!“ ruft sie uns zu.

Als Deutscher in den USA

Neues aus den USA von Andreas Kraatz – Foto: Gerd Altmann/Pixelio.de

Dann bemerkt sie die gelb gefleckten Unterhosen meines Nachbarn und winkt ab. Mit einem Ruck gelingt es ihr kurz darauf, den geteerten Chihuahua zu befreien. Der Kleine sieht aus wie eine schwarz lackierte Kanalratte. Wir applaudieren, bis wir vor Erschöpfung nicht mehr können. Nachbarin und Hund verschwinden in ihrer Wohnung.

„Ist wirklich ganz schön heiß heute“, sage ich und sauge an der mir freundlicherweise dargebotenen Kräuterzigarette. Die Bimmelbahn rauscht auf einem Schwall pupswarmer Luft heran und verpufft. „Ist nicht so schlimm wie bei uns zuhause“, doziert mein Nachbar. „Da sind im Sommer die Vögel gebraten durch die Luft geflogen“. Aha, denke ich so bei mir, Herr Graf belieben mich zu verarschen. Na warte, das kann ich auch.

„In dem Dorf, in dem meine Eltern wohnen, sind die Schweine immer gegrillt über die Felder gerannt“, halte ich dagegen. „Mit Messer und Gabel im Rücken“. „Wenn wir Bratäpfel wollten, haben wir sie einfach in die Luft geworfen“, kontert mein Nachbar. Das würde nicht einfach werden. „Ich habe mal ein Vier-Gänge-Menü in einem Schuhkarton auf der Terrasse gekocht“, zische ich so kalt, das die Temperatur um uns um drei Grad fällt.

„Das ist doch noch gar nichts“, grinst mein Nachbar. „Als ich bei der Armee war, haben wir abends in unseren Stiefeln immer lecker Schmorbraten gemacht.“ „Das ist ja widerlich“, sagt meine Frau und drückt mir eine Hundeleine in die Hand. „Hör’ auf mit dem Quatsch und mach’ Dich lieber nützlich.“

Den Beitrag von Andreas Kraatz gibt es auch als Podcast.  Auf's Foto klicken - Foto: AK

Den Beitrag von Andreas Kraatz gibt es auch als Podcast. Aufs Foto klicken – Foto: AK

Am anderen Ende der Leine hängt Snoopy, unser derzeitiger Hausgast. Er ist ein Pudelmix mit dichtem Fell und schwitzt, als wenn er dafür bezahlt wird. Sobald meine Frau wieder verschwunden ist, setzt sich der Hund zu uns auf die Treppe und knöpft sein Fell auf. Er deutet auf die Kräuterzigarette. „Kann ich mal ziehen?“ fragt er. Ohne ein Wort zu sagen reicht ihm mein Nachbar die Kippe. Snoopy saugt sich die Augen rund und inhaliert. „Kommt jemand mit zum Pool?“ fragt er. „Ja, ich“, antwortet ihm meine Frau gut gelaunt und wirft mir die Autoschlüssel zu. „Und Du fährst. Bei der Bullenhitze rege ich keinen Finger.“ Verwöhnte Blage, denke ich, wir sind bei so einem Wetter meilenweit und barfuß über staubige Landstraßen zur Schule gelaufen.

Kaum sitzen wir in unserem Buick sinkt der Wasseranteil in unseren Körpern auf null. Die Flüssigkeit verdampft einfach. Wir werden von unserem Nachbarn gerettet, der uns blitzschnell mehrere Bier über die Köpfe kippt. „Danke, Mann“, krächze ich vertrocknet und meine Frau winkt ihm mit astdürren Fingerchen zu. „Keine Ursache, Pendejo“, grinst mein Nachbar. Ich muss wirklich mal nachsehen, was das bedeutet.

Wir machen uns auf den Weg zum Swimming Pool unserer Wohnsiedlung. Dort bleiben wir allerdings nicht sehr lange, als wir sehen, dass ein paar Leute das Wasser im Schwimmbecken bereits zum Tee kochen benutzen. Wir kehren also in die Wohnung zurück und drehen die Klimaanlage bis zum Anschlag auf. Schon bald überzieht eine dünne Eisschicht die Wände. Kurz und gut: Es ist paradiesisch! Mein Sonnenstich geht schnell weg….

Diese und weitere Geschichten gibt es wie immer auf dem Blog “Rock Bottom” von Andreas Kraatz direkt zum Anhören.

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