Ich bin klein, die Luft ist rein – das Problem der Mittelwerte

21. Oktober 2015 @

„Der Sommer war im Jahresmittel wie immer“, sagen die Meteorologen. Der Landwirt sagt, er war zu trocken, zu nass, der März zu sonnig, der Mai zu kühl. Im Mittel aber eben richtig. Ganze Lobbyverbände kämpfen für die richtigen Mittelwerte: Flottenmittelwert, Durchschnittsverbrauch (auf dem Prüfstand, wie wir jetzt wissen), Feinstaub oder geruchsintensive Stoffe (TA Luft) – Hunderte gibt es.

Was bedeutet der Mittelwert für den Stauffenbergring, fragt sich unser Redakteur Peter Hellerling - Foto: Red

Was bedeutet der Mittelwert für den Stauffenbergring, fragt sich unser Redakteur Peter Hellerling – Foto: Red

Auch der Seniorenbeirat in Sehnde kämpft mit dem Mittelwert. Er will den dringend benötigten Augenarzt nach Sehnde holen – und scheitet am Verband. Die Versorgung der Region ist sichergestellt, tönt es von da, denn wir sind richtig versorgt. Dabei könnten mittelwertig jedoch alle Augenärzte der Region am Kröpke in einem Gebäude wohnen – wir wären im Mittel immer noch gut versorgt. Deshalb sorgt dieser Mittelwert immer mal wieder für Freude – oder Frust. So dieses Mal am Stauffenbergring. Denn daneben hat K+S ihre Halde, die derzeit mit Bauschutt abgedeckt und begrünt wird. Was wir ja auch möchten langfristig. Aber dabei staubt es erwartungsgemäß.

Der Mittelwert der Staubbelastung übersteigt zu keinem Zeitpunkt den zulässigen Mittelwert. Das ist absolut korrekt und steht außer Zweifel, als es dem Stadtrat vorgetragen wird. Aber die Anwohner sehen das durchaus anders. Ihnen hilft vor Ort dieser erlaubte Mittelwert nicht, wie Volker Bresgott, Anlieger am Stauffenbergring, in einem Leserbrief (siehe SN) nach der Vorstellung der Messungen im Stadtrat schreibt. Klar, die Belastung ist korrekt ermittelt, überschreitet die Grenzwerte nicht und stellt damit logischer Weise keine Gefährdung für irgendetwas oder irgendjemanden dar. Das ist erst einmal das wichtigste überhaupt.

In letzter Zeit verdecken dichte Staubwolken die Bergspitze - Foto: V. Bresgott

In letzter Zeit verdeckten oft dichte Staubwolken die Bergspitze – Foto: V. Bresgott

Aber wenn an nur einem Tag im Monat das Fensterbrett voll Staub liegt, der Wagen in der Garage verdreckt und das Glas auf der Terrasse abgedeckt werden muss, sieht das der Betroffene anders. Die Tage, an denen das nicht erforderlich ist oder passiert, werden als normal eingestuft – auch klar. Aber genau deshalb wird es immer wieder Ärger auf der einen oder anderen Seite geben. Nur an den Mittelwert, da wagt sich niemand ran. Allerdings wäre es in diesem konkreten Fall wohl relativ leicht, sich zu einigen. Vorgesehen ist das Sprengen mit Wasser bei staubigen Arbeiten auf dem Berg ja nach Angaben von K+S im Stadtrat ohnehin. Wagen und Personal sind da. Also könnte man mit den Anwohnern doch einfach mal sprechen und eine Lösung finden, wann und wie der Wagen nach Ansicht der Anwohner bereits präventiv zum Einsatz käme, bevor sich die Staubfahnen Richtung Stauffenbergring bewegen können. Dann fühlt sich der Anwohner ernst genommen und die Firma wäre Dauernörgler los. Eine Win-Win-Situation, auf Neudeutsch. Und dann interessiert der Mittelwert am Stauffenberring keinen mehr.

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