Eine kurze Geschichte sportlicher Zeit

1. September 2015 @

Die Zeit ist eine Variable, nicht nur, wenn man sie mit Einsteins Augen betrachtet – bei ihm verläuft Zeit langsamer oder schneller, je nach „System“ (um es mal schnell zu verallgemeinern). Auf jeden Fall fordert 96-Cheftrainer Michael Frontzeck „Zeit“. Von wem oder in welchem System bleibt dabei offen. Meint er das „4-4-2-System“ oder das „System 96“ oder gar das System „Fußballbundesliga“?

Tatsache ist jedoch, dass das System „Fan“ und das System „Bundesliga“ ihm die Zeit nicht zu geben bereit sind. Die anderen Bundesliga-Teams sagen eher, es ist „Zeit“, Punkte zu sammeln. Hatte man als Fan in diesem Zeit-System allerdings nach dem Spiel gegen Darmstadt noch gesagt, es ist „Zeit“, dass sich nach der Vorbereitung etwas bessert, und angenommen, mit der „Zeit“ würde sich das Team steigern, kam man über das Spiel gegen Leverkusen bis nach Mainz zu der Auffassung, es ist nicht die „Zeit“, die Besserung bringen wird. Denn die Spiel-Zeit endete immer nach 90 Minuten, aber das immer unbefriedigender: 2:2, 0:1 und 0:3 aus 96 Sicht.

Was bedeutet "Zeit" im Fußball? - Foto: JPH

Was bedeutet „Zeit“ im Fußball? – Foto: JPH

Kommt „Zeit“ kommt „Rat“. Und „Zeit“ ist „Geld“ – zwei Weisheiten, die sich im Fußball nicht ergänzen. Bezogen auf die erstere müsste man im Moment sagen: „Kommt Zeit kommt Ernüchterung“. Denn was die Roten in Mainz boten, war schlicht ratlos – für den Trainer wie auch für die rund 600 mitgereisten Fans, von denen am TV ganz zu schweigen. Dass „Zeit“ allerdings „Geld“ ist, wird im Fußball niemand bestreiten. Denn lässt man die „Zeit“ zum Punktesammeln verstreichen, fehlt am Ende das „Geld“ durch Abstieg.

Oder möchte der Trainer die „Zeit“, um die „junge Mannschaft mit sieben neuen Spielern“ in Tritt und zum Siegen zu bringen? Die ist sicherlich noch eher endlich. Denn dann können Spieler wie Ron-Robert Zieler, mit einer guten Geduld gesegnet, sagen, es sei „Zeit“ aus Hannover wegzugehen – in der Weihnachts-Zeit beispielsweise. Oder meint der Trainer mit „Zeit“ eher „Geduld“ – auch die dauert ja bekanntlich. Bis dann der besagte Faden reißt oder wie Präsident Martin Kind es ausdrückte: „Er bekommt Zeit, aber die Zeit ist natürlich nicht unendlich.“

Aber unabhängig von Geduld, Zeit oder Ewigkeit – wieder eine andere Form von „Zeit“: Einstein hat festgestellt „Zeit“ ist systemimmanent, nicht aber wie sich „Zeit“ zu „Punkten“ und „Geduld“ verhält. Das aber kann fast jeder, der sich mit Fußball auskennt, ableiten. Wenn man nämlich zu Saisonanfang zu viel „Zeit“ verplempert, könnte es sein, dass die „Zeit“ zum Saisonende nicht nur knapp, sondern absolut endlich wird. Selbst Aufholjagden brauchen „Zeit „, denn auch eine „Zeitenwende“ lässt sich nicht an einem einzigen Spieltag herbeiführen – dafür braucht man, Sie ahnen es: ZEIT.

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