Anonym und bar jeden Wahrheitsgehalts

2. Dezember 2015 @

Ein Kommentar unseres Redakteurs Peter Hellerling

Die Stadtverwaltung Sehnde hat für Donnerstag, 3. Dezember, zu einer Bürgerversammlung ins Schützenhaus Höver eingeladen, um dort über die Unterbringung von etwa 150 Flüchtlingen und Asylbewerbern im Hotel Zur Linde zu informieren. Dass dabei auch nicht immer nur Befürworter der Unterbringung teilnehmen, ist spätestens seit dem Auftritt der AfD in Evern bekannt. Doch während dort die Gegner ihre Ablehnung wenigstens offen und per Flugblatt artikulierten – und darauf die richtige Antwort durch die Bürger von Evern bekamen – ist jetzt im Vorfeld der Versammlung eine neue „Qualität“ (hier sträubt sich die Tastatur) der Meinungsäußerung erreicht: Ein anonymes Flugblatt wurde in Höver verteilt.

Wieviel Falschinformationen passen auf DIN A 4, fragt sich unser Redakteur Peter Hellerling - Foto: Red

Wieviel Falschinformation passt auf DIN A 4, fragt sich unser Redakteur Peter Hellerling – Foto: Red

Während die Bürger noch nicht wissen, was die Stadt Sehnde in ihrem Ortsteil plant und wie alles organisiert werden soll, weiß der mutige „Anonymus“ schon, wie gefährlich es in Höver nun werden wird. Er weiß, dass sich am 1.1.2016 im Hotel Zur Linde 150 Flüchtlinge einfinden werden, keine Familien, sondern vorwiegend junge Männer – womit sich besser eine Gefährdungsstimmung aufbauen lässt. Dabei weiß die Stadtverwaltung Sehnde selbst noch nicht, wer wann kommen wird, denn die Vorlaufzeit beträgt sieben Tage – mehr nicht!

Keiner hat uns Bürger informiert, alles soll mal wieder geheim gehalten werden; es geht nur um Geld, ätzt der große „Anonyme“ weiter. Auch das die nächste gezielte Fehlinformation: Denn am 3. Dezember werden alle Bürger informiert und können danach fragen. Dass natürlich die Anmietung von Wohnraum Geld kostet, ist ja nicht neu, denn Wenige verfügen über ein Eigenheim, wie vielleicht der „Schreiberling“. Es ärgert ihn aber, dass der Hotelbesitzer damit ein „Millionengeschäft“ macht, wie er „weiß“. Dabei wird tatsächlich nur die ortsübliche Vergleichsmiete gezahlt, sagt die Stadtverwaltung, und der kann man unanonym in die Bücher schauen – Millionen sehen anders aus.

So sieht das Elaborat aus Höver aus - Handzettel: Anonym

So sieht das Elaborat aus Höver aus – Handzettel: Anonym

„Wir alle kennen die Meldungen in den Medien von Ausschreitungen in Flüchtlingsheimen mit Polizeieinsätzen“, puscht er die Angst weiter. Tut mir leid, ich kenne sie nicht, arbeite aber im Medienbereich in und um Sehnde. „Wer garantiert für die Sicherheit unserer kleinen Kinder, jungen Mütter mit Babys [alter Journalismus-Trick: Kinder und Tiere gehen immer!], wo Männer und Väter die ganze Woche weg sind?“ Nun, das wäre ja wohl die Polizei – und nicht eine Bürgerwehr, wie sie der Schreiberling vielleicht anstrebt. Und die Polizei hat bislang weder in Sehnde noch Lehrte mit den Asylbewerbern Probleme gemeldet (Sorry, vergaß: Ich bin ja von der Lügenpresse).

Der Elaborat-Verfasser schließt mit den Worten: „Wenn Ihnen was an unserem Dorf liegen sollte, kommen Sie jetzt am Donnerstag um 18.30 Uhr in das Schützenhaus.“ Darin kann ich ihn allerdings nur unterstützen, ist das doch der einzige Satz in der Schmuddelschrift, der korrekt ist: Kommen Sie ins Schützenhaus, informieren Sie sich und geben sie dann dem Schreiber dort die richtige Antwort! Persönlich, offen und ehrlich – durchaus auch kontrovers, aber niemals anonym – denn dafür haben wir Meinungsfreiheit, ein sehr hohes Gut. Niemand braucht sich zu verstecken, es sei denn, er führt Böses im Schilde. Oder trifft das etwa auf diesen besorgten Bürger, der auch noch von sich als Gruppe spricht, zu?

Wir sehen uns – Wir diskutieren – Wir zündeln nicht – Ihr „Lügenpresse-Schreiber“ Peter Hellerling

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