Streit bei Hannover 96 beschäftigt Landgericht

8. November 2017 @

Der Streit in, vor und hinter den Kulissen bei Hannover 96 um die „50+1-Regel“ beschäftigt nun auch das Landgericht Hannover. Dort nämlich hat ein Mitglied des Aufsichtsrates vom Hannoverschen Sport-Verein von 1896 Ende vergangener Woche den Erlass einer einstweiligen Verfügung beantragt, mit der verhindert werden soll, dass Club-Chef Martin Kind die Übernahme des Vereins weiter betreibt.

Hannover 96

Nun ist das Landgericht eingeschaltet – Foto: JPH

Die beantragte Verfügung „soll den Verein verpflichten, einen bei der Deutschen Fußball-Liga (DFL) gestellten Antrag auf Erteilung einer Ausnahmeregelung von der sogenannten ’50+1-Regel‘ zurückzunehmen. Diese Regelung in den Statuten der DFL soll verhindern, dass Kapitalanleger die Stimmenmehrheit bei Fußballvereinen übernehmen“, so teilt das Landgericht Hannover mit. Außerdem will der Antragsteller es demzufolge dem Verein gerichtlich untersagen lassen, seine Anteile an der Hannover 96 Management GmbH zu einem Kaufpreis von knapp 13 000 Euro zu veräußern.

Der Antragsteller meint in seinem Antrag, der Beschluss des Vereinsvorstandes zum Verkauf für diesen Preis sei „treuwidrig“, weil der Wert der Beteiligung beträchtlich höher sei. Er selbst bezieht sich auf ein von ihm eingeholtes Sachverständigengutachten, nach dem 51 Prozent der Anteile mindestens einen Wert von 10 Millionen Euro haben sollen. Auch die Leistungen, die der Verein für die Veräußerung erhalten solle, genügten nicht zur Kompensation. Die 1. Zivilkammer des Landgerichts wird eigenen Angaben zufolge im Laufe der Woche über den weiteren Verfahrensgang diesbezüglich entscheiden.

Zu dem Gutachten und den darin aufgestellten finanziellen Bewertungen hat der Verein eine Pressemeldung am 5. November veröffentlicht, in der es unter anderem heißt:

„Das von Herrn Ralf Nestler in Auftrag gegebene Gutachten der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Baker Tilly liegt uns nicht vor. Wir kennen also weder die Formulierung des Auftraggebers, noch die Grundlagen, auf denen ein Gutachten erarbeitet worden ist. Deshalb ist eine seriöse Bewertung nicht möglich.
Der Wirtschaftsbetrieb des Profifußballunternehmens liegt bei der Hannover 96 GmbH & Co. KGaA. Nur in dieser Gesellschaft gibt es werthaltige Kapitalanteile. Nur über die Werthaltigkeit dieser Anteile kann man betriebswirtschaftliche Diskussionen führen, nur sie können Gegenstand der Bewertung sein.
Das Eigentum der Hannover 96 GmbH & Co. KGaA, dem Herzstück des Wirtschaftsunternehmens, liegt seit dem Jahr 2014 zu 100 Prozent bei der Hannover 96 Sales & Service GmbH & Co. KG, also den vier hannoverschen Gesellschaftern. Für die restlichen zirka 15 Prozent der Anteile wurden 2014 3,5 Millionen Euro gezahlt. Es liegen seriöse Gutachten vor, die einheitlich und durchgehend festhalten, dass der dem e.V. zugeflossene Geldbetrag weit über dem tatsächlichen Wert liegt. Das geschah aus strategischer Sicht, um Hannover 96 e.V. die Umsetzung und Durchführung struktureller Maßnahmen wie beispielsweise den Bau des Vereinssportzentrums an der Stadionbrücke zu ermöglichen.
Die Komplementär GmbH hat ausschließlich die Funktion der Haftungseinschränkung und Geschäftsführung. Sie hat keine Substanz- und auch keine Ertragswerte. Der Erwerbspreis des 51-prozentigen Anteils an dieser Komplementär GmbH in Höhe von 12 750 Euro ist deshalb begründet. 49 Prozent bleiben Eigentum des Hannover 96 e.V..“

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