Staatsanwaltschaft stellt Verfahren gegen Zoo ein

22. August 2017 @

Die Staatsanwaltschaft Hannover hat das von Peta initiierte Verfahren gegen den Zoo Hannover eingestellt. Wie die Behörde heute mitteilte, konnte nach Sichtung sämtlicher Unterlagen und des vollständigen Videomaterials kein Tatbestand der Tierquälerei festgestellt werden. Der Zoo hatte die Vorwürfe von Anfang an bestritten. „Wir sind sehr froh, dass wir uns jetzt zu den Vorwürfen äußern und vieles richtigstellen können“, erklärte Zoo-Geschäftsführer Andreas M. Casdorff in der heute einberufenen Pressekonferenz. „Im Rahmen der durchgeführten Untersuchungen wurden diesbezüglich bei unseren Elefanten weder Verletzungen noch Verstörungen oder ein Vermeidungsverhalten gegenüber den Pflegern festgestellt. Im Gegenteil, es wurde ein intensives Vertrauensverhältnis bestätigt“, so Casdorff.

Die Elefanten können duschen – und werden nicht gequält, stellte die Staatsanwaltschaft fest – Foto: Erlebniszoo Hannover

Im April 2017 hatte Peta Strafanzeige gestellt. Ihre Behauptung stützte die Organisation auf einzelne, aus dem Zusammenhang gerissene Videosequenzen, die sie nach eigener Aussage im September/Oktober 2016 gemacht hatte. Die sechs Monate alten Aufnahmen hatte Peta desweiteren dem Magazin „Report Mainz“ zukommen lassen. Am 4. April strahlte Report Mainz die zusammengeschnittenen Szenen aus. Zeitgleich startete Peta eine umfangreiche Kampagne gegen den Zoo.

Behauptet wurde, in Hannover würden Elefantenbabys mit spitzen Elefantenhaken malträtiert und geschlagen, um Zirkus-Kunststücke vor dem Publikum aufzuführen und es damit „bei Laune zu halten“. Als Erlebnis-Zoo werbe der Zoo mit Elefantenshows, um mehr Besucher anzulocken. Die Vorwürfe und Bilder lösten große Empörung aus, gegen Zoo-Mitarbeiter wurden Morddrohungen ausgesprochen.

Von der Wirkung der zusammengeschnittenen Sequenzen sei auch der Zoo emotional betroffen gewesen, räumte Casdorff ein. Da die wenige Sekunden langen Sequenzen nur ein unvollständiges Bild zeigten, hatte der Zoo unverzüglich das vollständige, ungeschnittene Videomaterial bei Peta und Report Mainz erbeten. Darüber hinaus hatte der Zoo der Staatsanwaltschaft volle Kooperation bei den Ermittlungen zugesagt und auch, mit Hilfe externer Experten, noch einmal das gesamte Elefantenmanagement überprüft.

Der Zoo konnte das gesamte, rund fünfstündige Videomaterial erst Monate später im Rahmen des Ermittlungsverfahrens einsehen. Selbst die Staatsanwaltschaft erhielt das vollständige Material erst Mitte Juni. Statt der angeblich ständigen Drangsalierung mit Elefantenhaken sind über Stunden Szenen der Herde mit den Tierpflegern auf den Außenanlagen, nebst Training auch mit Streicheleinheiten und Belohnungen zu sehen. „Wir haben immer betont, auch gegenüber Report Mainz, dass es bereits seit 2013 keine Elefantenshows mehr im Zoo Hannover gibt“, so Casdorff. „Nirgendwo wird mit Elefantenshows geworben. Wir belustigen unsere Besucher nicht, sondern informieren sie bei der täglichen kommentierten Fütterung über die Biologie der Elefanten, ihre Bedrohung im Freiland, den Lebensraumverlust – und wie man beim Schutz der bedrohten Art helfen kann“, stellte Casdorff klar.

Auch die Regionsfraktion der CDU begrüßte umgehend die Einstellung. So teilte der Fraktionsvorsitzende und Lehrter Abgeordnete Bernward Schlossarek mit: „Endlich ist diese unsägliche Schmutzkampagne gegen den Zoo beendet. Die CDU-Fraktion war immer der Überzeugung, dass die vorgebrachten Vorwürfe gegen den Zoo jeglicher Grundlage entbehren. Hier ging es um die Profilierung einer kleinen Gruppe auf Kosten des Zoos. Mit dem Masterplan 2025 hat die Region gemeinsam mit dem Zoo Hannover bereits die Weichen für eine erfolgreiche Zukunft gestellt.“

In absehbarer Zeit werden die Dickhäuter auch eine Indoor-Laufanlage bekommen und dort spielen können – Foto: Erlebniszoo Hannover

Auch der Regionspräsident und Vorsitzender des Zoo-Aufsichtsrats Hauke Jagau zeigte sich erleichtert: „Damit ist klargestellt, dass die Behauptungen der Organisation Peta gegen den Erlebnis-Zoo falsch sind. Ich hatte von Anfang an den Eindruck, dass der Vorwurf absurd ist. Wer den Zoo kennt, weiß dass für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ihre Arbeit nicht Beruf, sondern Berufung ist.“ Die Kampagne gegen den Zoo sei für die Beschäftigten eine starke emotionale Belastungsprobe gewesen, fügte er hinzu. Gleichzitig dankte er auch den Besucherinnen und Besuchern, die dem Zoo in den schwierigen Zeiten die Treue gehalten haben.

Auch Casdorff stellte die Intention von Peta, einen angeblichen Missstand aufzuklären, infrage. Anstatt die vermeintlich so schockierenden Verhältnisse in der Elefantenhaltung in Hannover sofort zu melden, habe Peta das Material erst ein halbes Jahr nach der Aufnahme vorgelegt, erklärte der Zoo-Geschäftsführer.  Zudem hat sich der Zoo in den vergangenen Wochen mit allen Aspekten seines Elefantenmanagements, von der Ausbildung der Mitarbeiter über die Trainingsinhalte bis zu den Arbeitsabläufen, kritisch auseinandergesetzt. So wurden sämtliche veterinärmedizinischen Unterlagen und Tagessprotokolle geprüft. „Wir schauen bei unseren Untersuchungen auch auf die zurückliegenden Jahre“, so Casdorff. Daneben wurden externe Fachleute hinzugezogen: Professoren der Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover hatten sich gleich nach Bekanntwerden der Vorwürfe ein Bild von der Herde gemacht. Elefanten-Experten des europäischen Zoodachverbandes EAZA waren vor Ort und haben sowohl die Herde als auch den Umgang der Pfleger mit den Tieren begutachtet.

„Wir sind durchaus selbstkritisch und haben bereits Veränderungen vorgenommen. Auch aus den Gesprächen mit der EAZA und Kollegen, die ebenfalls Elefanten halten, haben wir Anregungen übernommen“, so Casdorff. Regelmäßige Fortbildungen der Mitarbeiter werden durch internationale Experten ergänzt, die Trainingspläne der Elefanten angepasst. Zukünftig wird es nur noch Übungen mit klarem tiermedizinischem, tierpflegerischem oder bildendem Hintergrund geben. Die Übungen zur Tierbeschäftigung, die möglicherweise beim Betrachter zu Missverständnissen führen, werden nicht mehr durchgeführt.

Betrachtet man die Szenen aus dem Peta-Videomaterial im Gesamtkontext, wird deutlich erkennbar, dass die Aneinanderreihung der kurzen Sequenzen beim Peta-Video und dem Report Mainz-Beitrag eine manipulative Wirkung haben. „In voller Länge vermittelt das Videomaterial einen ganz anderen Eindruck“, so Casdorff. Neben einer deutlich vergrößerten Außenanlage soll es voraussichtlich ab 2021 auch noch eine großzügige Laufhalle geben, die den Elefanten auch in der kühleren Jahreszeit viel Auslauf und Beschäftigung bietet. Alle anstehenden Umbaumaßnahmen werden so ausgeführt, dass zukünftig die Voraussetzungen für eine Haltung der Elefanten im „protected contact“ gegeben sind.

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