Rücksicht nehmen auf heimische Wildtiere – Osterhasen werden geboren

23. März 2016 @

SEHNDE-NEWS. Im Frühjahr erwacht die Natur zu neuem Leben – im wahrsten Sinne des Wortes: Am 1. April beginnt die Brut- und Setzzeit vieler heimischer Wildtiere. Bis zum 15. Juli gilt damit die Anleinpflicht für Hunde im Wald und in der freien Landschaft (siehe auch gesonderten SN-Bericht). Die Jägerschaft Burgdorf bittet daher alle Naturfreunde und Erholungssuchende in den kommenden Wochen um erhöhte Rücksichtnahme beim Spaziergang in der freien Natur.

Der Feldhase ist jetzt wieder hochaktiv - Foto: Piclease (Bildrrechte Jägerschaft)

Der Feldhase ist jetzt wieder hochaktiv – Foto: Piclease (Bildrrechte Jägerschaft)

„Ob Rehkitz, Junghase oder Fasanenküken, die Natur gleicht im Frühjahr einer einzigen Kinderstube2, so Hans-Otto Thiele, Vorsitzender der Jägerschaft Burgdorf. „Rücksichtnahme ist also dringend erforderlich.“ Von den freilaufenden Vierbeinern gehe in dieser Zeit eine besondere Gefahr aus, denn nicht nur die Jungtiere, auch die Elterntiere seien mitunter stark gefährdet. Hochträchtige Rehe seien bei weitem nicht mehr schnell genug, um vor stöbernden Hunden fliehen zu können.

Aber auch für die Hundebesitzer gilt es, einiges zu beachten, denn die tierische Nachwuchspflege unterscheidet sich häufig deutlich von der des Menschen: Zum Schutz der Jungen werden diese tagsüber vom Muttertier häufig allein gelassen. Rehkitze, zum Beispiel, sind in den ersten Wochen nahezu geruchlos. In Verbindung mit der angeborenen „Ducken-und-Tarnen-Strategie“ sind sie so für natürliche Fressfeinde fast unauffindbar. Die Ricke erscheint nur zum Säugen, in der Zwischenzeit hält sie größeren Abstand.

Solch scheinbar verlassene Jungtiere sollten Spaziergänger auf keinen Fall anfassen oder gar mitnehmen. Das Jungwild nimmt bei Kontakt sofort den Menschengeruch an. Das zurückkommende Muttertier wird durch diesen Fremdgeruch sofort abgeschreckt – die Jungtiere werden so tatsächlich zu Waisen. „Falsch verstandene Tierliebe bewirkt in diesen Fällen leider allzu häufig das Gegenteil“, erläutert Presseobmann Oliver Brandt.

Auch indirekt können Hund und Mensch den tierischen Nachwuchs gefährden: Nähern sie sich ihrem Gelege, verlässt die Rebhenne ihr Nest mit Eiern oder jungen Küken, um den Feind abzulenken. Rabenvögel, wie Krähe oder Elster, merken sich diese Stelle – die ungeschützten Gelege sind dann eine leichte Beute.

„Auf den ausgewiesenen Wegen bleiben und unbedingt den Hund angeleint führen“, fasst Oliver Brandt die wichtigsten Verhaltensregeln für den Spaziergang in der freien Natur zusammen.

Die Hasen sind deutlich kleiner - Foto: JPH

Die Hasen sind deutlich kleiner – Foto: JPH

Für Spaziergänger lohnt es sich gerade um Ostern herum genauer hinzuschauen, nicht nur wegen der Ostereier: Von Natur aus dämmerungsaktiv, ist der Feldhase (Lepus europaeus), so der wissenschaftliche Name des Langohrs, jetzt zur Paarungszeit besonders aktiv – gerade auch am Tag. „Allen, die sich unsicher bei der Unterscheidung von Hase und Kaninchen sind, bietet sich jetzt die Chance Anschauungsunterricht zu nehmen“, ermuntert Oliver Brandt zu genauen Hinsehen in Feld und Flur. Wer genau hinschaut, kann die auffälligsten Unterscheidungsmerkmale deutlich erkennen: Zunächst sei der Feldhase um einiges größer als das Kaninchen und mitunter auch doppelt so schwer. Die deutlich längeren Ohren – „Löffel“ genannt – mündeten beim Hasen in eine gut erkennbare schwarze Spitze, Kaninchen hätten hingegen nur ein dünnen schwarzen Rand, nennt der Burgdorfer weitere Unterscheidungsmerkmale.

Auch in ihrer Lebensweise unterscheiden sich Hase und Kaninchen: Während Meister Lampe in der Feldflur lebt und sich als Ruhestätte nur eine Mulde scharrt, die sogenannte Sasse, legen Kaninchen weitverzweigte unterirdische Baue an. Große Unterschiede gibt es auch beim Nachwuchs: Die Junghasen kommen sehend und beharrt zur Welt, die Häsin legt sie versteckt ab. Kaninchen werden nackt und blind geboren, als Nesthocker verlassen sie in den ersten Lebenswochen nie den elterlichen Bau.

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