NABU kritisiert lapidaren Umgang mit illegaler Greifvogelverfolgung

28. März 2017 @

Am 27. März 2007 – also vor zehn Jahren – ereignete sich denkwürdiges. Das Niedersächsische Umweltministerium, das Niedersächsische Landwirtschaftsministerium, der BUND Niedersachsen, die Landesjägerschaft Niedersachsen, die Niedersächsische Ornithologische Vereinigung, die Arbeitsgemeinschaft Adlerschutz Niedersachsen sowie der NABU Niedersachsen unterzeichneten die „Hannoversche Erklärung gegen illegale Verfolgung von Greifvögeln in Niedersachsen“. Doch was als Meilenstein zum Schutz der Könige der Lüfte gefeiert wurde, entwickelte sich schnell zum Papiertiger.

Oft werden Greifvögel vergiftet, aber in Niedersachsen daraufhin nicht untersucht – Foto: JPH

Neben der Schutzwürdigkeit der Greifvögel wurde in der „Hannoverschen Erklärung“ auch auf die Konsequenzen bei Nichtbeachtung hingewiesen. Wörtlich heißt es „Die Verfolgung ohne staatliche Ausnahmegenehmigung zum Beispiel mit Gift, Fallen und Waffen ist nach dem Jagdrecht und dem Naturschutzrecht eine Straftat, die mit empfindlichen Strafen bis hin zum Freiheitsentzug von fünf Jahren geahndet werden kann.“ Dr. Holger Buschmann, Landesvorsitzender des NABU Niedersachsen, erläutert: „Grundsätzlich ist der Staat verpflichtet, bei dem Verdacht auf das Vorliegen einer Straftat eine toxikologische Untersuchung in Auftrag zu geben. Dafür kann die Polizei zuständig sein. Da die Beamten aber mit dem Thema in der Regel nicht vertraut sind, kann sie diese Entscheidung den lokalen Ordnungsbehörden überlassen.“ Prinzipiell eine gute Idee, doch in Niedersachsen führt das laut NABU dazu, dass weder die Polizei noch die Ordnungsbehörden eine Untersuchung beauftragen.

Das „Komitee gegen Vogelmord“ und der NABU Niedersachsen unterstreichen anlässlich des 10. Jahrestages ihre langjährige Forderung nach einer Stabsstelle Umweltkriminalität nach dem Vorbild von Nordrhein-Westfalen. Zwingend ist zudem eine Handlungsanweisung für die Kommunen in Form eines Runderlasses wie in anderen Bundesländern mit der Anweisung zur toxikologischen Untersuchung von Greifvögeln bei begründetem Verdacht

So gab es unter anderem einen symptomatischen Fall in der Region Hannover. Bei Leveste wurden am 24. Februar 2017 in einem Gebiet, in dem im Frühjahr 2015 insgesamt sechs tote Greifvögel an einem Fleischköder gefunden worden waren, erneut zwei tote Mäusebussarde entdeckt. Einer war gerade verstorben, der andere stark verwest. Die Fundhäufung ist ein Hinweis auf eine mögliche Vergiftung. Die Polizei hat den Vogel sichergestellt und zur Analyse an das Veterinäramt abgegeben. Nach telefonischer Nachfrage wurde laut NABU von dort erklärt, dass der Vogel nur auf Vogelgrippe untersucht werden würde. Eine toxikologische Untersuchung sei nicht nötig und würde auch nicht bezahlt werden. Am darauffolgende Montag wurde seitens der Leitung des Veterinäramtes gegenüber dem NABU bestätigt, dass keine Veranlassung gesehen werde, eine toxikologische Untersuchung in Auftrag zu geben. Für den Fall aus 2015 wurde trotz mehrfacher Nachfrage durch den NABU Barsinghausen nie ein Analyseergebnis mitgeteilt. Vermutlich wurden auch diese Tiere bereits nicht untersucht.

Alexander Heyd, Geschäftsführer des „Komitee gegen den Vogelmord“, erklärt „Andere Bundesländer gehen mit einem positiven Beispiel voran und machen vor, wie effektiver Greifvogelschutz aussehen kann. In Nordrhein-Westfalen gab es seitens des Umweltministers einen Runderlass, der die Chemischen Veterinär- und Untersuchungsämter (CVUA) anweist, Wildvögel mit Vergiftungsverdacht auf Staatskosten zu analysieren. Die Ergebnisse erhalten automatisch der Finder und das Umweltministerium.“ Die gleiche Regelung gibt es bereits in Baden-Württemberg. In Bayern gibt die Vogelschutzwarte in Garmisch-Partenkirchen solche Vögel automatisch zur Analyse an die Universität München.

Der NABU Niedersachsen fordert daher mit Nachdruck:

  1. kurzfristig: einen Runderlass, wie in anderen Bundesländern, mit der Anweisung zur toxikologischen Untersuchung von Greifvögeln bei begründetem Verdacht.
  2. kurzfristig: einen Ansprechpartner im Ministerium, der im Zweifel Schützenhilfe gegenüber unwilligen Veterinärämtern geben kann.
  3. mittelfristig: eine Stabsstelle Umweltkriminalität nach dem Vorbild von Nordrhein-Westfalen.

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