Erster Nachwuchs bei den bedrohten Nordafrikanischen Rothalsstraußen

25. September 2015 @

Zum ersten Mal gibt es Nachwuchs bei den vom Aussterben bedrohten Nordafrikanischen Rothalsstraußen im Erlebnis-Zoo Hannover. Sieben Küken pickten sich zwischen dem 13. Juni und 23. Juli nach je 42 bis 43 Tagen Brutdauer in der Brutmaschine aus den großen Eiern. Nachdem sie die ersten Wochen hinter den Kulissen unter der Aufsicht von Huhn Lieselotte das Laufen und Picken gelernt haben, erobern sie nun ihr Gehege am Sambesi.

Rothals-Elternpaar mit einem Ei im Juni 2015 – Foto: Zoo Hannover

Rothals-Elternpaar mit einem Ei im Juni 2015 – Foto: Zoo Hannover

Die Küken sind „Generation Eins“ nach der erfolgreichen Mission „Eierklau für den Artenschutz“ im Jahr 2011, bei der Zoologen des Erlebnis-Zoo 24 Eier der bedrohten Vogelart aus dem marokkanischen Nationalpark Souss Massa importierten. Die Eier wurden hier in der Brutmaschine ausgebrütet, die geschlüpften Strauße auf Zoos in Deutschland und England verteilt, um einen Bestand in Europa aufzubauen – als Botschafter, um Zoobesucher für die Nordafrikanischen Rothalsstrauße zu begeistern und auf ihre Bedrohung aufmerksam zu machen.

Ursprünglich war der große Laufvogel mit dem imposanten roten Hals über fast den gesamten Nordafrikanischen Raum verbreitet. Intensive Bejagung, Wilderei und letztlich auch politische Unruhen haben den Bestand der freilebenden Tiere stark vermindert. In freier Wildbahn gibt es nur noch wenige Hundert Nordafrikanische Rothalsstrauße, die meisten von ihnen im südlichen Tschad.

Am 27. März 2015 legte die vor vier Jahren als Ei importierte Straußenhenne das erste Ei in eine Sandkuhle im Gehege am Sambesi, 26 weitere folgten. Weil das norddeutsche Wetter mit Kälte und Regen im Frühjahr keine guten Voraussetzungen für eine Naturbrut bot, wurden die Eier in der Brutmaschine ausgebrütet. Und weil das erste Küken allein, das heißt ohne Geschwister schlüpfte, gab es Huhn Lieselotte. Es nahm das Küken unter seine Fittiche und brachte ihm und den nachfolgenden Küken bei, wie man Nahrung aufpickt und Wasser trinkt. Obwohl die „Küken“ Lieselotte mittlerweile um ein Vielfaches überragen, gehört das Huhn immer noch zur Familie.

Jungvögel auf der Anlage am Sambesi mit "Leihmutter" Huhn Lieselotte am 24. September – Foto: Zoo Hannover

Jungvögel auf der Anlage am Sambesi mit „Leihmutter“ Huhn Lieselotte am 24. September – Foto: Zoo Hannover

Da das Elternpaar so fleißig war, befinden sich noch weitere Eier in der Brutmaschine, vier Küken sind gerade erst geschlüpft. Der erste Nachwuchs des hannoverschen Brutpaares ist ein großer Erfolg für das Europäische Erhaltungszuchtprogramm (EEP) für Nordafrikanische Rothalsstrauße, das im Herbst 2011, nach gelungener Mission „Eierklau“, von der European Association of Zoos and Aquaria ins Leben gerufen wurde. Zoomitarbeiterin Biologin Maren Frerking führt das Europäische Zuchtbuch und sieht in dem orgelpfeifengroßen Nachwuchs einen Strauß Hoffnung: „Es geht darum, den Zoo-Besuchern diese Vögel, ihre spannende Biologie und ihren Lebensraum näher zu bringen und darauf hinzuweisen, dass man etwas tun muss. Der Nordafrikanische Strauß könnte sonst bald verschwunden sein – wie schon der Arabische Strauß, der Mitte des letzten Jahrhunderts ausgerottet wurde.“

Der Nachwuchs der Strauße erkundet zurzeit bei trockenem Wetter immer vormittags zwischen 10 und 12 Uhr sein Gehege.

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