1842 Tiere von 177 Arten – Inventur im Zoo

13. Januar 2017 @

Am Ende jedes Jahres stehen Zoomitarbeiter mit Klemmbrett und Stift ausgestattet vor den Gehegen und zählen; dann steht die jährliche tierische Inventur an. Ergebnis für das Jahr 2016 nach tagelanger Zählung: Im Erlebnis-Zoo Hannover leben 1842 Tiere von 177 Arten.

Marcel Rehse zählt mit einem Abacus die Schafe und Ziegen – Foto: Zoo Hannover

Nicht jede Tierart ist bei der Inventur so kooperativ wie die Rüsselriege im Dschungelpalast. Die Elefanten stellen sich zum Appell auf und lassen sich seelenruhig zählen – nur die am 22. und 23. Dezember geborenen Jungtiere wuseln noch umher. Die Präriehunde verstecken sich in ihren Höhlen, die Kuhreiher fliegen durcheinander und anstatt sich durchzuzählen zu lassen, tauchen die Karpfen einfach ab. Trotzdem: Von der Antilope bis zum Zebra wird jedes Tier notiert, eine Bestandsaufnahme ähnlich wie im Supermarkt – nur eben quirliger.

Weil sie pausenlos unterwegs sind, werden manche Tierarten nach ausgeklügelten Methoden geschätzt, wie der Vogelschwarm im Urwaldhaus oder die Goldfische in den Wassergräben vor den Tieranlagen. Die freifliegenden Vögel werden an ihrer Futterstelle stundenlang beobachtet. Die Anzahl der dort pickenden Vögel wird später hochgerechnet.

Die Ameisen zu zählen, die bergauf-bergab durch ein meterlanges Röhrenlabyrinth krabbeln, wäre eine echte Sisyphos-Arbeit, daher wird das Volk der Blattschneider-Ameisen als ein Tier gezählt – obwohl es natürlich tausende Individuen sind.  Erheblich einfacher ist das Zählen bei den Flusspferden: Die sechs Dickhäuter einschließlich Jungtier „Pumeza“ liegen dösend im Wasser und halten gähnend still.

Die Zahlen vergleichen die Zoomitarbeiter schließlich mit ihren Aufzeichnungen des gesamten Jahres. Jeden Tag halten die Tierpfleger schriftlich fest, ob ein Tier geboren, verstorben, weg- oder zugereist ist. Die täglich ermittelten Zahlen werden von den Zoologen erst handschriftlich in das Tierbestandsbuch eingetragen und dann in den Computer übernommen. Das Ergebnis der Jahresabschlusszählung wird schließlich mit den Computeraufzeichnungen verglichen. Fehlt ein Tier, wird nochmal gezählt.

Markus Köchling vermisst das Flusspferd Himba „im Becken“ – Foto: Zoo Hannover

Im Vergleich zum Vorjahr „fehlen“ einige Tiere und Arten: Für den Bau der neuen Themenwelt Afi Mountain, die im Sommer 2017 eröffnet werden soll, wurden die Vögel der Watvogelanlage an andere Zoos abgegeben oder wurden bis zur Eröffnung der neuen großen Afrika-Voliere in anderen Einrichtungen untergebracht. So gab es Ende 2016 genau 219 Tiere und 21 Arten weniger in Hannovers Zoo. Zur Eröffnung von Afi Mountain werden dann neue Bewohner erwartet, die Anzahl der Tiere wird damit wieder auf rund 2000 steigen. Es ziehen unter anderem Brazza-Meerkatzen, Rußköpfchen, Moorenten, Sandregenpfeifer und die beeindruckenden Kampfläufer mit Prachtgefieder ein. Zwei weitere schwergewichtige Zuwächse werden im Januar und April erwartet: Die Jungtiere der Elefantenkühe Manari und Sayang, mit denen die vierköpfige Rüsselrasselbande im Dschungelpalast komplett wird.

Der Abschluss der tierischen Inventur ist der lückenlose Jahresbericht, den die Kuratoren in mühevoller Kleinarbeit zusammenstellen. Dieser Jahresbericht wird an den Niedersächsischen Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz sowie an die Gesellschafter des Zoos und an das Veterinäramt übermittelt. Auf diese Weise ist  jedes Tier vom Wellensittich bis zur Giraffe „aktenkundig“.

Doch bei der tierischen Inventur wird nicht nur gezählt: Vergleichswerte und wissenschaftliche Erkenntnisse ergeben sich auch aus dem Wiegen und Messen. Die Zahlen geben Aufschluss über die Entwicklung der Tiere. So ist das größte Tier die Giraffenkuh Juji mit 4,50 Metern Höhe, das schwerste Tier ist natürlich der Elefantenbulle Nikolai, der 5,5 Tonnen auf die Waage bringt – und ihm steht als kleinstes Tier eine Blattschneider-Ameise gegenüber – sie ist nur 0,3 Zentimeter lang. Der hannoversche „Zoo-Methusalem“ ist übrigens der Schimpanse Max: er ist 52 Jahre alt.

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