Klopfertrick, Handschellen im Sexshop – und ein Opfer mit Haftbefehl

27. Januar 2016 @

SEHNDE-NEWS. Eine Damenhandtasche schaute unter der Jacke eines 20-jährigen Mannes heraus – Grund genug für Zivilfahnder der Bundespolizei, ihn heute im Bremer Hauptbahnhof ein Stück zu begleiten. Der mutmaßliche Dieb verschwand in einem Sexshop. Hier folgte die peinliche Befragung und Durchsuchung durch die Beamten: Die Handtasche gehörte einer 42-jährigen Frau aus Aurich, frisch gestohlen, denn darin befand sich auch ihr Fahrschein für ihren Zug nach Norddeich; der war gerade abgefahren. So klickten echte Handschellen ohne Plüschapplikationen.

Wer kennt diesen SChmuck oder vermisst ihn? fragt die Bundespolizei - Foto: BPI Bremen

Wer kennt diesen SChmuck oder vermisst ihn? fragt die Bundespolizei – Foto: BPI Bremen

Die Bundespolizisten telefonierten mit dem Zugbegleiter und ließen die Frau im Zug ausrufen, damit sie nicht wegen Schwarzfahrens zur Anzeige gebracht wurde. Damit man ihr die Tasche mit dem nächsten Zug nachsenden könne, solle sie in Oldenburg aussteigen. Das tat die Dame und war zunächst überglücklich über den Fund: In Bremen hatte ein Unbekannter an ihre Zugscheibe geklopft und sie abgelenkt, während ein Mittäter ihre Tasche stahl – eben der „Klopfertrick“.

Bundespolizisten sind zuweilen sehr gründlich, eine Eigentumsübergabe abzusichern. Gegen die Frau, selbst Opfer eines Diebstahls, lag ein Haftbefehl wegen Diebstahls vor: 15 Tage Freiheitsstrafe, ersatzweise eine Restzahlung von 60 Euro. Das Geld hatte sie nicht, als sie Bundespolizisten in Oldenburg auf dem Bahnsteig festnahmen, aber ihre Tasche mit ihrer Geldbörse war ja im nächsten Zug aus Bremen für sie unterwegs. So beglich sie ihre Schuld und konnte nach Norddeich weiterfahren.

Zur gleichen Zeit war der 20-Jährige nicht gesprächig. Er stammt aus Libyen, hatte aber ein Foto eines italienischen Ausweises mit seinem Namen auf dem Handy gespeichert. Sechs verschiedene Aliasnamen lassen auf einen professionellen Taschendieb schließen, dessen „Vertriebswege“ noch ermittelt werden müssen, so die Bundespolizei.

In seiner Tasche stellten die Bundespolizisten zudem ein schwarzes Brillenetui mit Silberschmuck sicher. Mehrere Ringe, Broschen und Ohrstecker passen zueinander, aber weder auf seine Finger, noch in seine Ohren: Seine Ohrläppchen haben keine Löcher. Was bleibt, ist eine Strafanzeige und die Fahndung nach dem zweiten Täter des Klopfertricks … Die Bundespolizeiinspektion Bremen bittet um Zeugenhinweise zur Eigentümerin des Silberschmucks unter der Telefonnummer 0421/16 29 95.

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