Keine Autodiebe erwischt – aber zahlreiche andere Funde

30. Oktober 2017 @

Zu einem Großeinsatz war die Polizei in der Region Hannover vergangenen Woche in den Nächten von Montag auf Dienstag und von Dienstag auf Mittwoch im Ostbereich der Region aktiv. In beiden Nächten wollten die Beamten der Polizeidirektion Hannover, die um Kräfte aus der Polizeiinspektion (PI) Mitte, der PI Garbsen, dem Zentralen Kriminaldienst, dem Zentralen Verkehrsdienst und der Zentralen Polizeidirektion sowie von Kräften aus Göttingen unterstützt wurden, den Autodieben und –einbrechern aus dem Osten den Fluchtweg abschneiden und gleichzeitig Erkenntnisse über die Strukturen gewinnen.

An der Kontrollstelle unter der A 2 an der B 443 war reger Betrieb – Foto: JPH

Um den professionellen Auto- und Teiledieben auf die Spur zu kommen und die Szene in den Griff zu bekommen, hatte die Beamten unter Federführung der Ermittlungsgruppe (EG) Kfz des Zentralen Kriminaldienstes (ZKD) Hannover auf der B 443 unter der Brücke der A 2 in Lehrte und auf der B 65 bei Höver am Blumengroßmarkt zwei stationäre Großkontrollstellen aufgebaut. Um gleichzeitig den Fahndungsdruck auf den übrigen Strecken nach Osten zu erhöhen, waren zeitgleich mehrere mobile uniformierte und zivile Streifenteams auf und rund um die Kontrollorte eingesetzt.

Der Einsatz war ein Schritt, um den stetig zunehmenden Fahrzeugdiebstahl in Niedersachsen und der Region Hannover in den Griff zu bekommen. Wie Polizeisprecher Andre Puiu mitteilte, verschwanden bundesweit rund 19 000 Autos, was einen Schaden von zirka 290 Millionen Euro verursacht. Von dieser Zahl stammten 1342 Autos aus Niedersachsen und davon wiederum 752 aus der Region – womit hier der Schaden in etwa siebenstelliger Höhe liegt. Dabei sind die Diebe gut organisierte Banden, Puiu zufolge meistens aus Polen oder Litauen, die „arbeitsteilig“ zu Werke gehen. „Einer spät aus, einer knackt den Wagen, der Dritte fährt ihn weg und ein Vierter kümmert sich um den Verkauf“, so der Oberkommissar. Bei den ebenfalls auf der Aufgabenliste der Kontrolleure stehendem Teilediebstahl, also Multifunktionslenkräder, Airbags, Radioanlagen oder Navis, sind die Vertriebswege sogar bis Asien erkennbar. Der Monat Oktober wurde für die Kontrollen gewählt, weil er laut Puiu „ein sehr aktiver Monat ist und hier pro Woche 14 Komplettdiebstähle zu verzeichnen sind“ – was sich auf zwei Autos pro Tag schnell berechnen lässt. Zwar fiel die Zahl der Autodiebstähle für Niedersachsen 2016 leicht, doch die Region Hannover war davon nicht betroffen.

KHK Weilandt (re.) und  Kommissaranwärter Wieling waren auf Drogensuche an dem Opel – Foto: JPH

Dabei stehen nicht nur Neuwagen der gehobenen Klasse auf dem Zettel der Diebe, sondern auch Familienfahrzeuge wie Sharan, VW T 4 und 5 oder Wohnmobile bis hin zu VW Caddys und alten Fahrzeugen – vornehmlich wohl zur Ersatzteilegewinnung.

„Ein Großteil der Angehaltenen hat für die Maßnahmen der Polizei hier Verständnis“, sagte der verantwortliche für den Einsatz bei der PI Burgdorf, Kriminalhauptkommissar Frank Bührmann. Natürlich sind die Einsätze wegen der Rigorosität, mit der die Autodiebe vorgehen, auch sehr gefährlich für die Beamten. „Nachts ist die Bedrohung hoch. Licht, Eigensicherung und schusssichere Weste sind dabei unerlässlich. Heute sind wir da natürlich sensibilisierter als sonst“, sagt Kriminalkommissar Andreas Weilandt, der mit dem Kommissaranwärter aus der Polizeiakademie, Joshua Wieling Fahrzeuge an der B 443 kontrollierte. Und seine Kollegin auf der B 65, Polizeikommissarin Nora Gabor sagte um 2 Uhr morgens: „Gestern um diese Zeit war hier auf der B 65 mehr los. Bislang haben wir wenig gefunden.“ Die Boxen für fünf Personenwagen sind meistens leer, denn die B 65 Richtung Sehnde wird kaum befahren. Aber auch sie bestätigt, dass die Bürger für die Kontrollen Verständnis zeigen.

An der Kontrollstelle von Kommisarin Nora Garbor auf der B 65 war Mittwochmorgen nicht viel los – Foto: JPH

Auch wenn die eigentliche Zielgruppe in diesen beiden Nächten nicht ins Netz der Polizei ging, lässt sich die Bilanz trotzdem sehen: Sechs Fahrer standen unter dem Einfluss von Alkohol oder Drogen und weitere zwei waren nicht im Besitz einer gültigen Fahrerlaubnis. Bei drei Personen beschlagnahmten die Fahnder geringe Mengen Betäubungsmittel. Ein Fahrzeug wurde genutzt, obwohl dafür kein Versicherungsschutz bestand. Darüber hinaus stellten die Einsatzkräfte vier Fahrräder sicher, die offenbar aus Diebstählen stammen und nach Osteuropa gebracht werden sollten. Während der Kontrollen konnten die Beamten zusätzlich noch 749 Verkehrsordnungswidrigkeiten, davon 741 Geschwindigkeitsverstöße, aufnehmen – 33 Fahrtverbote sind dabei zu erwarten.

Andererseits sind die Diebe auch gut organisiert und haben sicher beim Transport der Diebesware nach Osten Scouts vorherfahren, die oft durch mehrere Antennen auf dem Fahrzeug und ausländischer Fahrzeugnummer erkennbar sind.

Der Leiter des Einsatz- und Verkehrsdezernats der Polizeidirektion Hannover, Uwe Lange, resümierte abschließend: „Auch wenn wir in den beiden Nächten kein gestohlenes Fahrzeug festgestellt haben, hat sich die personalintensive und akribisch ausgearbeitete Kontrollaktion aus unserer Sicht gelohnt. Daher werden wir auch zukünftig derartige Maßnahmen vornehmen, um Straftätern zu vermitteln, dass sie jederzeit und überall mit Kontrollen rechnen müssen.“

Kommentare gesperrt.

© 2019 Sehnde-News.