Internationaler Ermittlungserfolg gegen litauische Bande: „Airbag-Bande“ geschnappt?

21. Oktober 2015 @

Im Rahmen eines heute erfolgten Festnahme- und Durchsuchungseinsatzes haben Kräfte der Bundes- und Landespolizei sowie der litauischen Polizeibehörden die Mitglieder einer mutmaßlichen litauischen Diebes- und Hehlerbande an mehreren Orten in Deutschland und Litauen verhaftet. Dem Einsatz waren nahezu zweijährige Ermittlungen unter der Federführung der Staatsanwaltschaft Kiel vorausgegangen. Die Bande ist nach Angaben der Staatsanwaltschaft auch in Niedersachsen aktiv gewesen und soll unter anderem Lenkräder, Airbags und Navigationsgeräte gestohlen haben.

Hat die Bundespolizei die Airbag-Bande zerschlagen? - Foto: JPH

Hat die Bundespolizei die Airbag-Bande zerschlagen? – Foto: JPH

Gegen die Beschuldigten besteht nach Angaben der Staatsanwaltschaft Kiel unter anderem der Verdacht des schweren Bandendiebstahls sowie der gewerbsmäßigen Hehlerei. Die eingesetzten Beamten vollstreckten so in Norderstedt, Bremen, Bochum und Stuttgart mehrere Haftbefehle und Durchsuchungsbeschlüsse, die durch das Amtsgericht Kiel auf Antrag der Staatsanwaltschaft erlassen worden waren. Weiterhin vollstreckten Polizei- und Justizbehörden in Litauen zeitgleich Durchsuchungsbeschlüsse und EU-Haftbefehle. Insgesamt wurden hierbei in beiden Staaten acht Beschuldigte festgenommen und 25 Objekte nach Beweismitteln durchsucht. Zwei Beschuldigte konnten bereits in der Nacht in Bochum nach der Begehung von Diebstahlsdelikten auf frischer Tat gestellt werden. Bei ihnen wurden beispielweise zwei gestohlene Kraftfahrzeuge sowie mehrere entwendete Fahrräder sichergestellt, so die Staatsanwaltschaft. Zudem sind bei den Durchsuchungsmaßnahmen zahlreiche Navigationsgeräte, Diebeswerkzeuge sowie zwei Langwaffen gefunden worden.

Die Ermittlungen wurden durch die Kriminalpolizei Norderstedt initiiert, nachdem die dortigen Beamten bei der Verfolgung einer Vielzahl von Diebstahlsdelikten und Wohnungseinbrüchen Erkenntnisse über eine straff organisierte und arbeitsteilige vorgehende Tätergruppe gewonnen hatten. Im weiteren Verlauf der Ermittlungen stellte die Polizei nach eigenen Angaben fest, dass mehrere Bandenmitglieder ihre Aktionen in den Großraum Bremen verlagerten, um dort hochwertige Kraftfahrzeugteile aus auf der Schiene transportierten Neufahrzeugen auszubauen und mitzunehmen.

Wegen dieser Straftaten führte bereits die Bundespolizei Hamburg entsprechende Ermittlungen. Mit dem Ziel, die begangenen Straftaten nachzuweisen, die Arbeitsweise und Organisationsstruktur der Täter aufzudecken und durch die Zerschlagung der Bande schließlich weitere Taten zu unterbinden, bildeten Beamte der Kriminalpolizei Norderstedt und der Hamburger Bundespolizei eine gemeinsame Ermittlungsgruppe unter Leitung der Staatsanwaltschaft Kiel.

Festeinbaubare Navis, sauber verpackt, waren auch unter den aufgefundenen Geräten - Foto: BPolDirektion Hannover

Festeinbaubare Navis, sauber verpackt, waren auch unter den aufgefundenen Geräten – Foto: BPolDirektion Hannover

Nach der auf diese Weise erfolgten Intensivierung der Ermittlungen werden inzwischen der mehr als 20-köpfigen Bande etwa 600 Einzelstraftaten mit einem ermittelten Schaden von etwa 1,5 Millionen Euro vorgeworfen. Unter anderem sollen die Beschuldigten Schmuck, Bargeld, Navigationsgeräte, Kompletträder, Lenkräder mit Airbag sowie Komplettfahrzeuge gestohlen haben.

Die Ermittler deckten zudem eine strikte Arbeitsteilung der Bande bei den Taten auf. So sollen einige der beschuldigten Bandenmitglieder für die unmittelbare Ausführung der jeweiligen Diebstähle und den anschließenden Abtransport der Beute in versteckte Depots zuständig gewesen sein. Andere Beschuldigte wiederum sollen die Abholung dieser Wertgegenstände und den grenzüberschreitenden Weitertransport nach Litauen übernommen haben, wo die weitere Verwertung erfolgt sein soll.

Als wesentlicher Drahtzieher der Taten soll nach derzeitigem Ermittlungsstand der Staatsanwaltschaft ein 36-jähriger litauischer Staatsangehöriger fungiert haben, der bereits mehrfach sowohl in Deutschland als auch in Litauen wegen schwerer Diebstahlstraftaten in Erscheinung getreten ist. Dieser Beschuldigte, der heute in Litauen verhaftet wurde, soll offenbar nicht nur die in den Bundesländern Schleswig-Holstein, Bremen, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen und Baden-Württemberg agierenden Ausführenden der Diebstähle, sondern auch die Absatz- und Vertriebswege der gestohlenen Teile koordiniert haben.

Aufgrund der Spuren nach Litauen erfolgte eine enge und vertrauensvolle Zusammenarbeit mit den dortigen Strafverfolgungsbehörden. Insbesondere schlossen die Staatsanwalt Kiel und die zuständige Staatsanwaltschaft in Litauen einen Vertrag über die Einrichtung eines sogenannten „Joint Investigation Teams“ ab, der nach europäischem Recht eine erhebliche Vereinfachung der gegenseitigen Rechtshilfe zur Folge hat. Darüber hinaus ermöglichte die Vereinbarung die begleitende Teilnahme von deutschen Ermittlern an den in Litauen durchgeführten Ermittlungsmaßnahmen. Insgesamt waren 170 deutsche und 30 litauische Polizeibeamte sowie vier Staatsanwälte in beiden Staaten am Einsatz beteiligt.

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