Rennöfen aus der Eisenzeit im Kleinen Öhr – Erschließung geht weiter

9. Mai 2017 @

Das war eine handfeste Überraschung für alle Beteiligten: Bei den Erschließungsarbeiten für das Neubaugebiet „Kleines Öhr“ an der Billerbachstraße in Sehnde gegenüber des Sehnder Friedhofs wurden die Überreste von rund einem Dutzend eisenzeitlicher „Rennöfen“ entdeckt. In solchen etwa anderthalb Meter hohen kaminartigen Lehm- und Steinöfen wurden bereits vor rund 3000 Jahren Holzkohle und Raseneisenerz gefüllt und durch besondere Belüftungsschlitze Temperaturen über 1000 Grad erzeugt. Dadurch schmolz das Erz und floss in die sogenannte Renngrube (daher der Name Rennofen) zur weiteren Verarbeitung. Als Überrest blieb lediglich die schwarze Schlacke erhalten, auf die jetzt auch die Bauarbeiter am Kleinen Öhr aufmerksam geworden waren. Daraufhin informierte die beauftragte Baufirma die Denkmalsschutzbehörde. Derzeit untersucht ein Grabungsteam unter Leitung von Harmony Courtois das Gelände auf weitere Funde.

Die Rennofenfundstelle nach der Ausgrabung – Foto: H.-S. Strelow

Bislang sind in dem Neubaugebiet aber noch keine weiteren archäologischen Überreste zu Tage gefördert worden, die etwa auf eine frühere Siedlung an dieser Stelle hindeuten. Allerdings erinnerte Heinz-Siegfried Strelow vom Heimatbund Niedersachsen daran, dass nicht allzu weit nördlich von der Fundstelle, am Ramsberg südlich von Schacht Erichssegen an der Straße nach Lehrte, bereits vor längerer Zeit schon ein Rennofen entdeckt worden war.

Neben der gesicherten Fundstelle gehen die Arbeiten weiter – Foto: JPH

Die „Rennöfen“, seit der Eisenzeit bei den Kelten, Römern, Germanen und anderen Völkern in Anwendung, waren als Schmelztechnik bis etwa zum 12. Jahrhundert im Gebrauch, bevor sie dann durch modernere Verfahren, wie die „Stucköfen“, abgelöst wurden (siehe auch wikipedia). Die Sehnder Stadtverwaltung erwartet gegenwärtig für die Erschließung des Kleinen Öhrs keine wesentliche Verzögerung, da man bislang lediglich rund 30 Kleinteile gefunden habe. Nur für den eigentlichen Fundbereich könnten sich „ein paar Wochen Verzögerung“ ergeben, doch auch das sei bislang nicht sicher. Die Erschließung des übrigen Bereiches gehe neben der Fundauswertung weiter.

 

H.-S. Strelow/JPH

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