MHH–Ärzte und -Pflegepersonal werden zu Kriseninterventionshelfern

16. März 2016 @

Angst, Hilflosigkeit und Wut sind häufige Reaktionen verzweifelter Eltern, deren Kind wegen einer lebensbedrohlichen Erkrankung oder eines Unfalls auf der Intensivstation liegt. Die Medizinische Hochschule Hannover (MHH), der Verein „Kleine Herzen Hannover“ und das Pädiatrische Intensiv Netzwerk (PIN) haben zur besseren Betreuung der Angehörigen von herzkranken, schwerstkranken und verletzen Kindern auf Intensivstationen das einmaliges Projekt „Kriseninterventionshelfer im klinischen Einsatz“ ins Leben gerufen.

Ramazan Salman, Gabriele Heinen-Kljajic, Prof. Dr. Christopher Baum, Ira Thorsting, Hermine Nock, Dr. Michael Sasse, Prof. Dr. Hans-Carlo Kallfelz und Prof. Dr. Philipp Beerbaum (v.li.) bei der Vorstellung des Projektes – Foto: MHH/Kaiser

Ramazan Salman, Gabriele Heinen-Kljajic, Prof. Dr. Christopher Baum, Ira Thorsting, Hermine Nock, Dr. Michael Sasse, Prof. Dr. Hans-Carlo Kallfelz und Prof. Dr. Philipp Beerbaum (v.li.) bei der Vorstellung des Projektes – Foto: MHH/Kaiser

„Der Verein Kleine Herzen hat mit herausragendem ehrenamtlichen Engagement erreicht, dass Eltern und Angehörige herzkranker Kinder in dieser schweren Zeit verlässlich begleitet werden. Mit der Weiterbildung zum Krisenhelfer bekommen nun auch die enorm belasteten Ärzte, Krankenschwestern und Pfleger die notwendige Unterstützung. Ich begrüße es sehr, dass dabei ein besonderes Augenmerk auf die Bedürfnisse von Familien mit Migrationshintergrund gerichtet wird“, erklärte Gabriele Heinen-Kljajic, Niedersächsische Ministerin für Wissenschaft und Kultur zur Sehnderin Ira Thorsting, der Vorsitzenden des Vereins.

Das Ziel ist es, einen Teil der Ärzte, Pflegenden, Therapeuten, Psychologen, Absolventen der Pflegeschulen und Studierenden der MHH und der Kliniken des PIN zu Krisenbegleitern auszubilden, um der besonderen Belastungssituation von Angehörigen auf Kinderintensivstationen gerecht zu werden. Besonderes Augenmerk liegt dabei auf Patienten und ihren Angehörigen mit Migrationshintergrund; sie machen allein in der MHH etwa 40 Prozent aus. „Wir bemühen uns seit zehn Jahren, die psycho-soziale Betreuung von herzkranken jungen Menschen und ihren Angehörigen in der MHH zu verbessern. Das geht nur, weil dort jeder, vom Präsidium über den Professor bis zur Krankenschwester und den Therapeuten, unglaublich engagiert und offen für unsere neue Idee ist. Das Projekt Krisenintervention funktioniert nur im Team“, betonte Thorsting als Initiatorin des Projektes.

Zwei Pilot-Kurse mit insgesamt 30 Teilnehmern haben schon stattgefunden. Sie belegen das große Interesse in den beteiligten Kliniken und den hohen Druck, unter dem vor allem Ärzte und Pflegekräfte stehen. Angesichts der gerade zur Zeit großen Zahl an Patienten aus Migranten- und Flüchtlingsfamilien sind multikulturelle Aspekte besonders wichtig; darum wird das renommierte Ethno-Medizinische Zentrum Hannover in das Kursangebot einbezogen.

„Das Präsidium der MHH freut sich sehr, dass dieses wegweisende Projekt durch die Initiative unserer Mitarbeiter und der Stiftung Kleine Herzen entstanden ist und sich sehr erfolgreich weiterentwickelt“, hob MHH-Präsident Professor Dr. Christopher Baum hervor.

Über die bereits vorhandenen Strukturen des PIN soll in einem weiteren Schritt ein nachhaltiges Netzwerk von Kriseninterventionshelfern entstehen, um betroffenen Familien auch am Heimatort helfen zu können. Für die ersten drei Jahre werden Kosten von 200.000 Euro erwartet, die zum großen Teil von den „Kleinen Herzen“ finanziert werden und für die noch dringend Geldgeber gesucht werden. „Das pädiatrische Intensivnetzwerk ist ein weltweit einmaliges Projekt, das schwerstkranken Kindern in Norddeutschland die bestmögliche Behandlung ermöglichen soll“, sagte Dr. Michael Sasse, leitender Oberarzt der MHH-Kinderintensivstation und Initiator des PIN.

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