„Helfen statt gaffen“: Info-Veranstaltung zum Urlaubsauftakt an der A2

22. Juni 2017 @

Heute starten in Niedersachsen – wie in den kommenden Tagen noch in vier weiteren Bundesländern – die Sommerferien. In den nächsten Wochen ist daher mit deutlich mehr Verkehr insbesondere auch auf den niedersächsischen „Problem-Autobahnen“ zu rechnen. Deshalb hat das Niedersächsische Ministerium für Inneres und Sport und seine Kooperationspartner im Bereich Verkehrssicherheit den Ferienanfang in Niedersachsen am Mittwoch zum Anlass genommen, gemeinsam an die Öffentlichkeit zu appellieren, auch bei den oft stressigen und langen Autofahrten wachsam für die Notsituationen anderer zu bleiben.

Innenminister Boris Pistorius begrüßte die Medien und zahlreiche Schaulustige auf der Rastanlage zu der Veranstaltung – Foto: JPH

„Wer schon einmal eine Panne hatte oder an einem Unfall beteiligt war, weiß wie wichtig es ist, schnell und effektiv Hilfe zu bekommen“, so der Niedersächsische Minister für Inneres und Sport, Boris Pistorius zu der Aktion auf der Rastanlage Lehrter See Nord. „Die Aktion ‚Helfen statt gaffen‘ steht dabei für zahlreiche Möglichkeiten, mit denen wirklich jeder in Notfällen schnell helfen kann. Einfache aber effektive Maßnahmen sind etwa das Absetzen eines Notrufes, die Einleitung von Erste-Hilfe-Maßnahmen oder einfach die richtige Bildung der Rettungsgasse nach dem Motto ‚linke Spur links, alle anderen rechts‘.“ Vollkommen inakzeptabel ist es dagegen, wenn für Handyaufnahmen und zur Befriedigung der Sensationsgier Rettungskräfte behindert und beschimpft werden. Mit der Aktion „Helfen statt gaffen“ kooperiert das Niedersächsische Innenministerium, neben der Polizei Niedersachsen und dem Landesfeuerwehrverband Niedersachsen, mit dem Niedersächsischen Ministerium für Wirtschaft, Arbeit und Verkehr, der Johanniter-Unfall-Hilfe, dem ADAC Niedersachsen/Sachsen-Anhalt sowie der Landesverkehrswacht Niedersachsen.

Gemeinsam wurde ein Film erstellt, in dem der Minister, Vertreter der einzelnen Kooperationspartner sowie persönlich Betroffene ihre Erlebnisse in derartigen Situationen schildern. Sie appellieren eindringlich an jede Verkehrsteilnehmerin und jeden Verkehrsteilnehmer, im Notfall aktiv zu „Helfen“ statt lediglich zu „gaffen“ oder zu „filmen“. Der Film wurde erstmals an diesem Morgen vom Info-Truck des ADAC abgespielt, der nun damit auf Reisen geht und zeigt, Entschlossenheit, Hilfsbereitschaft und Rücksichtnahme können lebensrettend sein. Auch das Gaffen auf der Gegenfahrbahn kann schwerwiegende Folgen haben – von einem weiteren Stau bis hin zur Schaffung von Unfallsituationen dort.

Oft wird auch der Hubschraubereinsatz durch unvernünftiges Verhakten behindert, meint Bernward Franzky, Vorstand für Verkehr im ADAC Niedersachsen/Sachsen-Anhalt: „Ist ein Rettungshubschrauber im Einsatz, geht es zumeist um Leben und Tod. Umso schlimmer finde ich es daher, dass auch diese Einsätze immer häufiger behindert werden. Egal ob auf der Autobahn oder im Wohngebiet, ein Helikopter braucht ausreichend Platz zum Landen, ein Mindestabstand von 50 Metern muss sein.“

Alle beteiligten Organisationen stehen hinter dem Motto „Helfen statt gaffen“ – Foto: JPH

Um einmal zu zeigen, wie viel Platz die Rettungskräfte an einem unfallort benötigen, haben an diesem Vormittag die Freiwillige Feuerwehr Lehrte, die Johanniter Unfallhilfe und die Polizei einen Unfall mit Personenbergung für die Medien nachgestellt. Dabei galt es, einen eingeklemmten Fahrer aus einen Unfallfahrzeug zu bergen und die Unfallstelle zu sichern. Kommentiert wurde die Bergungsszene dabei von Ärztlichen Leiter Rettungsdienst Deutschland, Dr. Wolfgang Hagemann aus Lingen. Die Lehrter Feuerwehrmänner und -frauen kommen aufgrund ihres Einsatzgebietes häufig bei Verkehrsunfällen auf der A2 und A7 zum Einsatz. Das Team kennt die Auswirkungen unvorsichtiger und rücksichtsloser Verhaltensweisen im Straßenverkehr also aus erster Hand. 2016 wurden sie für ihre beindruckende Arbeit mit dem „Magirus Award“ als Feuerwehr-Team 2016 ausgezeichnet.

Auch der Regionsbrandmeister Karl-Heinz Mensing bestätigt die besondere Belastung der Lehrter Freiwilligen mit den Unfällen. „Lehrte hat sicher rund 30 Einsätze im Jahr auf den beiden Autobahnen“, so Mensing. „Da kommen vielleicht nur noch Garbsen und Barsinghausen mit.“

Karl-Heinz Banse, Präsident des Landesfeuerwehrverbandes Niedersachsen, appelliert an alle Autobahnfahrer: „Es hilft uns und allen Beteiligten, wenn wir unsere Aktivität auf die Hilfe für die Betroffenen konzentrieren können, und nicht noch zusätzliches Personal zum Absperren oder gar Fernhalten von Gaffern einsetzen müssen.“

Die Lehrter Feuerwehr zeigte mit der Polizei und den Johannitern die Rettung einer eingeklemmten Person – Foto: JPH

Der Landtagsabgeordnete Hans-Joachim Deneke-Jöhrens aus Lehrte verfolgte die Arbeiten der Retter ebenfalls und wies im Gespräch nochmals darauf hin, dass man für die A 2 dringend eine Lösung benötige, damit sich der Verkehr von Ost nach West entzerrt. Dazu muss ein tragfähiges Verkehrskonzept erstellt werden, das auch den Lückenschluss in der A 39 berücksichtigt.

Tatsächlich hat der Lastwagenverkehr extrem zugenommen, so dass sich zwei LKW-Spuren sicher auszahlen würden, meint der Leiter des Geschäftsbereichs Hannover des Landesamtes für Straßenbau und Verkehr, Friedhelm Fischer. Seinen Angaben zufolge bewältigt die A 2 rund 25 000 Lastwagen pro Tag – und Fischer fügt hinzu: „Würde man die A 2 einen Tag zumachen, gäbe das einen Stau von Lastwagen von hier bis Polen, also rund  350 Kilometer.“

Und so wünscht Minister Pistorius den Urlaubern eine gute Fahrt und setzt hinzu: „Insbesondere empfehle ich allen Urlaubern, entspannt und ohne Eile zu fahren.“

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