Eine neue Wohnung für Adebar in Sehnde

30. Dezember 2015 @

Jetzt ist Sehnde um ein Wohnungsangebot reicher. Die Wohnung allerdings liegt in rund acht Metern Höhe, hat etwa 1,7 Quadratmeter Wohnraum und verfügt weder über Treppe noch Lift. Das ist nicht ungewöhnlich, soll sie doch nur einem ganz speziellen Mieter als Heim dienen: dem Weißstorch. Als „Vermieter“ fungieren dabei die Jägerschaft Bolzum, der NABU und der Realverband, „Schirmherr“ ist die Firma K+S Baustoffrecycling GmbH, die die nahegelegene Halde betreibt .

Deutlich ist die weiße Farbe zu sehen, die Benutzung vortäuscht - Foto: H. Deters-Eickemeyer

Deutlich ist die weiße Farbe zu sehen, die Benutzung vortäuscht – Foto: H. Deters-Eickemeyer

Dienstagmorgen rückten neben Gerd Lehrke aus Bolzum, dem Initiator der Aktion, auch noch Gerald Lehrke, Manfred Langeloh, und Henning Busch mit Sohn Marvin an, um die vorbereitete Nistanlage aufzustellen. Dafür war schweres Gerät erforderlich: Teleskoplader und Gabelstapler mussten mitgebracht werden, um den acht Meter hohen Mast mit dem darauf befestigten Nestansatz aufzurichten. Dafür hatte Ingo Bartelt, Betriebsleiter der Anlage, extra die Zufahrt geöffnet, damit die Storchenfreunde an den kleinen Naturschutzbereich von Besitzer Gerd Lehrke auf das K+S-Gelände fahren konnten.

Dort war alles bestens vorbereitet. Der Mastfuß war schon betoniert, der Mast, ein ehemaliger Strommast, wurde eingefügt, verschraubt und angehoben. Lediglich etwa eine halbe Stunde brauchten die Männer dafür, dann war das neue Angebot an Adebar aufgerichtet.

Dann stand das neue Nest in acht Metern Höhe - Foto: Deters-Eickemeyer

Dann stand das neue Nest in acht Metern Höhe – Foto: H. Deters-Eickemeyer

„Hier ist ein Feuchtgebiet, das auch für Störche bestens geeignet ist, wie der Storchenbeauftragte der Region, Dr. Reinhard Löhmer, uns versichert hat“, erklärt Gerd Lehrke, dem die Idee mit dem Nistplatz schon vor einigen Jahren gekommen war. „Hier ist Wasser, Graureiher kommen hierher, der Kaliberg wird renaturiert und so hoffen wir, dass ein Storchenpaar sich hier ansiedelt.“ Die Zahl der Störche hat sich in der Region Hannover in letzter Zeit deutlich erhöht, aber bislang steht das nächstgelegene Nest in Arpke. Da Störche jedoch standorttreu sind, sind geeignete Nistplätze für die vergrößerte Population immer gern gesehen. Damit die Neuankömmlinge das Nest als nutzbar bewerten, hat sich das „Team Storchennest“ auch dafür etwas einfallen lassen. So wurde ein Weidekranz mit Gras gefüttert auf die Plattform des Mastes montiert und „geweißelt“ – so gaukelt die Optik dem Ankömmling, immer der Storchenmann, vor, dass das Nest bereits benutzt worden sei und deshalb geeignet ist.

Mit dem Werk zufreiden sind Gudrun Keller, Marvin Busch, Herbert Deters-Eickemeyer, Gerd Lehrke, Manfred Langeloh und Henning Busch (v.li.) - Foto: JPH

Mit dem Werk zufrieden sind Gudrun Keller, Marvin Busch, Herbert Deters-Eickemeyer, Gerd Lehrke, Manfred Langeloh und Henning Busch (v.li.) – Foto: JPH

„Das Material für die Anlage war aus anderen Projekten noch vorhanden“, erläutert Lehrke. „Das obere Gestell ist von Wolfgang Losse in Bolzum befestigt worden. Und die Stadtverwaltung hat sich mit 250 Euro Zuschuss am Nest beteiligt. Die Idee selbst haben wir mit Herbert Deters-Eickemeyer vom NABU schon länger diskutiert. Aber vor zehn Jahren hätte der Storchenbeauftragte die Anlage noch nicht empfohlen.“ Auch der NABU ist erfreut über die Initiative: „Gerade auf der örtlichen Ebene zeigt sich oft, wie gut die Jägerschaft und der NABU gemeinsam für den Naturschutz arbeiten. Daher ist diese Initiative besonders begrüßenswert“, so Eick von Ruschkowski, Mitglied der Geschäftsleitung des NABU-Bundesverbandes, der ebenfalls in Bolzum wohnt.

Dabei ist diese Anlage nur für den Weißstorch geeignet, denn sein Verwandter, der Schwarzstorch, ist deutlich scheuer. „Der Weißstorch lässt sich von dem Verkehr hier auf der Anlage nicht beeindrucken“, sagt Bartelt. „Der Schwarzstorch wäre dagegen sofort weg.“ Sollte sich ein Storchenpaar für Sehnde als Wohnort entscheiden, wäre es zudem auf der eingezäunten Anlage vor allzu neugierigen Besuchern gut geschützt und der Naturschutzbereich Lehrkes am Teich böte ihm beste Lebensmöglichkeiten. Also bleibt nur abzuwarten, ob sich im März ein Storchenmann für das neue Angebot entscheidet – mietfrei, versteht sich – ist ja kein Lift da.

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