Besuch aus Afrika trifft auf Flüchtlinge in Rethmar

14. Oktober 2017 @

Ein Tag der Begegnung unter dem Titel „Treffen der Kulturen“ zwischen Ehrenamtlichen, nach Deutschland Geflüchteten und Besuchern der ELCSA (Evangelical Lutheran Church in Southern Africa) aus Johannesburg fand am Freitag, 6. Oktober, statt. Hintergrund des Treffens war der Besuch einer Delegation des Kirchenkreises Johannesburg West im Kirchenkreis Burgdorf.

Bereits Monate zuvor war dieses Treffen zwischen Anne-Cécile Blanc, Maria Myrach, Ezeldin Mohammed und Birgitta Wesselburg-Ewert von der Flüchtlingshilfe Sehnde und der Integrationskoordinatorin der Kirchengemeinde Ilten, Heige Kienle, vereinbart worden. Ziel waren die Begegnung und das „Voneinander lernen“ der unterschiedlichen Kulturen.

Besuch bekamen die Flüchtlinge in Rethmar aus Südafrika – Foto: Heige-Kienle

Im Vereinshaus der Flüchtlingshilfe Sehnde trafen sich so am 6. Oktober Geflüchtete, Ehrenamtliche, Mitglieder der Kirchengemeinden Ilten-Höver-Bilm und Lehrte sowie deren Besucher aus den Partnergemeinden Munsieville, Coronationville und Alexandra des südafrikanischen Kirchenkreises Johannesburg West.

Nach dem Eintreffen der afrikanischen Besucher und der Gäste aus den Kirchengemeinden begrüßten Heige Kienle und Birgitta Wesselburg-Ewert alle Anwesenden ganz herzlich. Beide sprachen Englisch, was an diesem Tag immer wieder zur Verständigung diente. Im Anschluss wurden die über 50 Besucher in fünf kleine Gruppen, bestehend aus Deutschen, Geflüchteten und Afrikanern, aufgeteilt. In jeder Gruppe befanden sich Moderatoren, die von Englisch ins Deutsche und von Arabisch ins Englische übersetzen konnten. So kamen bei Kaffee, Tee, Keksen und Obst überaus interessante Gespräche in Gang, in denen über Fluchtgründe, -erlebnisse, ehrenamtliches Engagement und die unterschiedlichen kirchlichen und staatlichen Formen des Umgangs mit Flüchtlingen geredet wurde. Die Teilnehmer bekamen die Gelegenheit, ihre jeweiligen Lebenssituationen zu beschreiben, Informationen und Standpunkte auszutauschen und auch, neue Perspektiven kennenzulernen.

In einer Gruppe erfuhren Deutsche und Geflüchtete zum Beispiel, dass es in Südafrika keine Asylbewerberleistungen gibt und Flüchtlinge dort ohne Arbeit oft zum Diebstahl gezwungen sind, um ihre Grundbedürfnisse zu befriedigen. Aus arabischen Ländern geflüchtete Frauen berichteten von ihren eingeschränkten Freiheitsrechten im Heimatland oder von ihrer Angst vor gewalttätigen Übergriffen. Ehrenamtliche des Flüchtlingshilfevereines und der Kirche erzählten von wunderbaren Begegnungen mit geflüchteten Menschen, die ihnen Freunde geworden seien.

Im Bundessortenamt in Rethmar war die Delegation zu Gast – Foto: JPH/Archiv

„Es ist schon ein kleines Wunder, dass aus diesem babylonischen Sprachgewirr, das wir hier vorfinden, wenn jeder in seiner Muttersprache redet, solche großartigen Gespräche und ein so informatives Miteinander entstehen können“, staunte Heige Kienle während der Diskussionsrunde. Neben Menschen, deren Muttersprache Deutsch, Kurdisch, Türkisch, Schwedisch, Französisch, Arabisch, Farsi, Somalisch oder Paschto war, kamen noch die Südafrikaner dazu, die etwa mit Zulu, Setswana oder Isixhosa aufgewachsen sind.

Ein absolutes Highlight des Nachmittages war ein kleines Konzert mit afrikanischen, englischen und deutschen Liedern. Mit Nick Duschek aus Lehrte und Buti Ferlizado aus Munsieville an der Djembe bekam das Ganze einen wirklich mitreißenden Rhythmus, zu dem vom dreijährigen Samir bis zur 68jährigen Matsie alle mitwippten und tanzten. Calvin Vilander, Pastor aus Coronationville, meinte schmunzelnd mit Blick auf Nick Duschek: „Dieser weiße Typ hier kann kein Deutscher sein. Der trommelt so gut, der gehört zu uns nach Südafrika…“

Zuguterletzt gab es ein gemeinsames Essen mit deutschen, arabischen, türkischen, afghanischen und kurdischen Köstlichkeiten. Nihal Aicho aus Syrien und ihre Schwestern koordinierten das tolle Buffet, das durch Beiträge vieler Gäste ergänzt wurde. Darunter waren Kartoffelsalate, Börek (Kartoffel-Schafskäse Taschen), Kisir (Bulgursalat) und Biryani (irakisches Reis-Hähnchengericht). Gegen halb sieben ging das „Treffen der Kulturen“ zu Ende, und alle waren sich einig: Das war ein sehr schöner und gelungener Nachmittag.

 Maria Myrach/JPH

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