ANGEPRANGERT : Prison Slam in der JVA Sehnde

18. Januar 2017 @

Die in der Poetry-Szene gut bekannte Künstlerin Jessy James LaFleur hat in einem viertägigen Workshop „Poetry Slam & Spoken Word“  vom Montag, 9. Januar, bis Donnerstag, 12. Januar, mit Gefangenen der JVA Sehnde gearbeitet und ihnen das notwendige Rüstzeug für ihre Poetry-Vorträge gegeben. Zehn Gefangene nahmen an diesem Workshop teil, alle waren unbedarft und noch nie in der Rolle eines Dichters oder Performers. Es wurden Texte geschrieben und in der Runde vorgetragen, Bühnenauftritte mit Mikrophon geübt und Vorträge performt.

Die Künstlerin Jessy James LaFleur (re.) mit dem Gefangenen Ramazan G. (30), der am Ende den 2. Platz belegte, in der Vorbereitung auf die Abschlussveranstaltung – Foto: JVA Sehnde/M. Schmidt

Durch ihre offene, direkte und sympathische Art gelang es der Berlinerin, den Gefangenen Selbstsicherheit zu vermitteln und aus ihnen bühnenreife Akteure zu machen. LaFleur: „Die Teilnehmer haben großartig mitgemacht, in allen steckt ein großes Potential. Die ganze Gruppe hat viel investiert und zum Teil sogar nachts die Texte geschrieben.“

Der letzte Tag des Workshops am Donnerstag endete mit einer großen Abschlussveranstaltung: Unter großem Applaus des Publikums trugen dort die Gefangenen ihren Wettbewerb aus. Nicht nur die anwesenden Mitgefangenen, sondern auch zahlreiche Bedienstete der JVA Sehnde und Mitglieder des Vorstands des Fördervereins der JVA Sehnde, folgten gespannt den selbst geschriebenen Textvorträgen der Dichter und zollten dem Mut der Gefangenen, frei und unbefangen vor großem Publikum aufzutreten, großen Respekt.

G. Gebben, Psychologin in der JVA Sehnde, die diesen Workshop verantwortlich begleitet hat, zeigte sich bewegt von dem Ergebnis: „Ich bin tief ergriffen und total stolz auf die Teilnehmer.“ Was diese Gefangenen auf die Beine gestellt, wie viel Mühe und Ehrgeiz sie aufgebracht und sich sogar getraut hätten, persönliche Erfahrungen auf die Bühne zu bringen, sei für sie eine besondere Erfahrung. Das war offensichtlich Ansporn für sie selbst: Mit ihrer Performance „Spaghetti sind bunt“ beeindruckte sie dann die Runde und erntete dafür großen Applaus.

Als Sieger des Wettbewerbs ging schließlich Wissam N. hervor. Mit der Höchstwertung von 40 Punkten setzte er sich mit seinem Beitrag „Schnipp, schnapp – ab!“ gegen seine Konkurrenten durch und überzeugte durch sein souveränes Auftreten und der zum größten Teil sogar frei vorgetragenen Auseinandersetzung mit seinem höchstpersönlichen Erleben der eigenen Herkunftskultur: „Ich blicke auf und schaue nach vorn, was hinter mir war bleibt tief eingefroren. Das Wichtigste ist jetzt, stark zu bleiben, und einfach mit der Zukunft mit zu treiben.“

Aber auch die unterlegenen Beiträge begeisterten und bleiben sicher nachhaltig im Gedächtnis aller. Und das stimmt nicht nur die Akteure positiv. Das große Ziel der Künstlerin LaFleur ist, alle teilnehmenden JVA’en gegeneinander antreten zu lassen. LaFleur war mit ihrem Workshop bereits in den JVA’en Celle und Wolfenbüttel erfolgreich.

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