Als Deutscher in den USA

6. Mai 2017 @

Heute:   Tornado-Season

Ich frage mich das ja schon eine ganze Weile. Also das mit der Besiedlung von Tennessee. Warum Leute an einen Ort umziehen, der von seltsamen Spinnen wimmelt oder wo einen merkwürdige Krankheiten auffressen. Oder bizarre Einsiedler. Je nach dem, was zuerst kommt. Es wird ja bestimmt nicht so gewesen sein, dass da irgendwelche Pilger in England gesessen haben, Kekse knabbernd sozusagen, und sich dann mit ihren Gürtelschnallenhüten wichtig zunickend gesagt haben: „Hey, hier ist uns das zu lahm, ziehen wir doch an einen Platz, der so abartig Mist ist, dass keiner hin will. Ich denke da an Giftschlangen, eklige Insekten und Durchgeknallte, die in den Wäldern hausen und, äh, so Dinge tun mit Ziegen und, naja, ihr wisst schon.“ „Aber das Wetter muss auch voll beschi.. sein“, wirft dann noch einer ein und alle applaudieren und schlagen sich gut gelaunt gegenseitig krachend auf die Schultern.

Tennesee ist schon gewöhnungsbedürftig, meint Andreas Kraatz – Foto: AK

„Da kommt schon wieder so eine Busladung Idioten“, brummt dann nur wenig später Indianerhäuptling „Grüner Zweig“ missmutig seinem Medizinmann „Aspi-Rin“ zu. „Wollen wir sie gleich am Strand alle machen, wie diese Wikinger damals?“, fragt Aspi-Rin zurück und ergänzt: „Busse werden übrigens erst in 300 Jahren erfunden, Häuptling.“ Grüner Zweig winkt ab. „Meine Mutter meint, wenn wir die Typen nicht füttern, gehen sie von alleine wieder weg“, sagt er nachdenklich. „Deine Mutter ist sehr weise“, bestätigt der Medizinmann. „Auch wenn sie ständig versucht, Hühnersuppe mit den Ohren zu essen.“ Am Strand tritt derweil ein Pilger in einen frischen Haufen Bärenkot. „Herrlich!“, ruft er begeistert aus. „Herrrrrlich!“ Die beiden Ureinwohner drehen sich um und gehen kopfschüttelnd davon.

Tja, so war das 16-Hundert-Hömmsendrömsen. Oder auch nicht. War ja keiner von der BILD dabei. Ja, das Wetter hier. Ich dachte immer, die Iren würden sich ständig beklagen, weil es immer regnet. Oder stürmt und schneit. Oder alles drei auf einmal. Dann ist mir aufgefallen, dass ich offenbar genau dahin gezogen bin, wo sie dieses Scheißwetter erfunden haben. Die jetzigen Monate, also März, April und vielleicht noch dieser Mai sind „Tornado-Saison“. Da stürmt und pfeift es, dass es nur so kracht. Wenn nicht die Sonne scheint und es 30 Grad Plus sind. Das wäre dann morgens zwischen 9 Uhr und 10 Uhr 30. Danach gibt’s etwas Sturm mit Hagel in Golfballgröße und fliegenden Dachziegeln, so von 10 Uhr 45 bis Mittag, gefolgt von Schneesturm und geteiltem Roten Meer zum Nachtisch. Abends ist dann Sibirien mit minus 20 Grad

Hier gibt es ganz spezielles Weter – Foto: AK

Meine Frau hat mir mal ganz stolz erzählt, dass die Hochhäuser in Nashville alle erdbebensicher sind. Wenn’s rumpelt, wackeln die nur kurz und alles ist wieder gut. Was war ich froh, als ich das gehört habe. Sogar gegen Meteoriteneinschläge gibt’s was: Auf dem höchsten Wolkenkratzer der Stadt, genannt das „Batman Building“ haben sie kürzlich einen gigantischen Tennisschläger installiert, der im Bedarfsfall von John McEnroe oder Boris Becker bedient werden soll. Sie sehen also, es kann uns gar nichts passieren. So, jetzt muss ich mal wieder nach der Wohnung sehen, hier hat es nämlich gerade etwas geregnet und das Wasser steht knapp vor dem 2. Stock. Zeit, die Schlauchboote aufzublasen und die Schwimmwesten anzulegen. Schönen Frühling schon mal!

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