Als Deutscher in den USA

8. März 2017 @

Heute:   Alle Jahre wieder

Was soll man machen, wenn man nicht schon wieder über Donald Trump reden will? Man redet übers Wetter. Hat zumindest mein Nachbar vorgeschlagen. Der verfolgt die Eskapaden des neuen US-Präsidenten wie einen dieser leicht kasperigen Heinz Rühmann-Filme aus den 30er Jahren. Quax, der Bruchpilot, zum Beispiel. „Gebt ihm nur genug Seil“, sagt mein Nachbar düster, „dann hängt er sich irgendwann selbst auf.“

Andreas Kraatz spricht übers Wetter – Foto: AK

Es ist aber auch irgendwie – ich weiß nicht.

Der neue Präsident überschlägt sich schon fast mit dem Heraushauen neuer Dekrete. Als würden sie ihn morgen abholen, weil er gar nicht der Präsident ist. Oder als hätte ihm der Arzt gesagt, er habe nur noch drei Monate zu leben. So habe ich mir immer einen Pegida- oder AfD-Anhänger vorgestellt, der plötzlich regieren muss, weil alle anderen schlechten Joghurt gegessen haben und im Krankenhaus liegen. Eine Bekannte, eigentlich eine sehr seriöse Doktorandin der politischen Wissenschaften, ergeht sich zur Zeit in Weltverschwörungstheorien, dass einem ganz schwindlig wird.

„Ich sage Dir, da stimmt was nicht“, raunt mein Nachbar mir plötzlich verkniffen zu und händigt mir eine Kräuterzigarette aus. Er sieht aus wie einer dieser GIs aus den Kriegsfilmen der 40er, kurz vor dem Angriff. Wir rauchen einen Moment lang schweigend und warten auf die Bimmelbahn. Als sie durch ist, sieht mein Nachbar leicht glasig auf und sagt: „Irgendjemand muss was machen. Käffchen?“ Naja, warum eigentlich nicht.

Wir fläzen uns wenig später in seiner Wohnung aufs Sofa und warten auf das Ende der Amtszeit von Präsident Trump. Als zwanzig Minuten lang in dieser Richtung nichts geschieht, atme ich hörbar aus. „Nichts“, sage ich. Das Pfeifen des Teekessels reißt mich aus meinen schwammartigen Gedanken. Nach einer Tasse wirklich horriblen Kaffees mache ich mich schließlich aus dem Staub. Ich dachte immer, gerade Mexikaner würden einen prima Wachmacher hinkriegen. Von meinem Nachbarn höre und sehe ich vorerst nichts mehr.

Noch ist alles in den Wolken, was Trump wirklich will – Foto: AK

Er taucht ein paar Tage später wieder auf, völlig zerzaust und leicht orientierungslos – also eigentlich wie immer. „Was passiert?“, frage ich nach. „Nee, nee, alles in Ordnung. Ich hab‘ nur das ganze Wochenende mit irgendwelchen langhaarigen, verlausten Satanisten abgehangen und gesoffen.“ „Geil“, rufe ich begeistert. „Heavy Metal Festival?“ Mein Nachbar schüttelt den Kopf. „Mein Bruder und seine Freundin sind zu Besuch gewesen.“ Ich hatte schon gedacht, Homeland Security hätte ihn verschleppt. Wenn man den News aus Europa glauben kann, laufen die Folterkeller der Trump-Regierung ja bereits auf Hochtouren. Und dazu rennt alles brennend im Kreis und reißt dabei die Arme hoch.

Es wird langsam anstrengend.

Ach ja, Winter ist ja auch noch. Das ist die Jahreszeit, in der man hier im Januar in Shorts und T-Shirt zur Arbeit geht, und zwar nachts! Während der letzten zwei bis drei Wochen hatten wir 15 bis 20 Grad plus. Schnee? Kein Gedanke. Aber ich will mich nicht beklagen. Immer wenn’s hier kalt war, ist was am Auto kaputt gegangen. Das muss ja auch nicht sein. Ich hätte 2016 in jeder Auto-Talkshow auftreten können. Der Moderator hätte das Bauteil nennen können, ich hätte genickt und nur gesagt: „Ist mir auch schon weggeflogen.“ Also drücken Sie mir die Daumen. Vielleicht geht’s ja dieses Jahr mal gut.

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