Als Deutscher in den USA

21. Februar 2017 @

Heute:    Verwirrung in Nashville

„Na, wie kommt die Mauer voran?“, grinse ich meinen Nachbarn frech an, als ich mal wieder mit Gasthund „Snoopy“ vor die Tür gehe. Ich machte den Wuffi los und schickte ihn zum illegalen Einwanderer fangen in die Büsche. Da lauerten sie nämlich immer. Man konnte nachts sogar ihre gierigen kleinen Äuglein leuchten sehen. Da hockten sie nun und warteten darauf, meine Käsecräcker und die Dosenwurst zu klauen. Sagt jedenfalls der Präsident, und der muss es ja wissen, sonst wäre er ja nicht Präsident, oder? Sonst könnte das ja jeder Mitropa-Aushilfsschaffner machen. Der Hund verschwand im Unterholz und bellte fröhlich. Wenn wir Glück hatten, würden wir den Vierbeiner in zwei- bis drei Tagen wiedersehen.

Andreas Kraatz blickt auf die Mauer im Süden- Foto: AK

„Die Mauer steht doch schon, Cabron“, unterbrach mich mein Nachbar. „Im Kopf von deinem Präsidenten, eh?“ „Das ist nicht mein Präsident“, erwiderte ich leicht beleidigt. „Der heißt Jens-Karl Steinbeißer und wird von allen geliebt, jawohl.“ Ich fragte mich einen kurzen Moment, ob mir mein Nachbar diese dreisten Lügen abkaufen würde. Dann fielen mir aber Donald Trump und seine fröhliche Schar im Weißen Haus ein. Ha, was da in der letzten Woche wieder geflunkert wurde! Es war so dreist, dass sich bereits einige berufsmäßige Trickbetrüger in Rente gemeldet hatten. „Kann man nicht toppen“, erklärten sie vor der Presse. „Und außerdem haben sie uns einen Job in der Regierung angeboten.“ Hoffentlich im Büro des Pressesprechers. Die können Hilfe gebrauchen.

Mein Nachbar reichte mir eine Kräuterzigarette. „Gesunde Ernährung ist wichtig, gerade jetzt.“ Ich nahm sie und zog kräftig. „Bimmelbahn“, sagte ich kaum eine Minute später. Das Wort gefiel mir. „Bimm Bimm Bimmelbahn“, ergänzte ich. Die ganze Welt war so schön wie ein Ameisenmuskel. Irgendwie waren plötzlich alle politischen Sorgen passé. Worüber regten wir uns eigentlich auf? Die ganzen Populisten hielten endlich mal den Mund, und zwar aus zwei Gründen: Zum Einen setzt sich selbst bei den Rechten langsam die Erkenntnis durch, dass Herr Trump ein Windbeutel ist, und zum Anderen will keiner mehr zugeben, dass er den millionenschweren Krawallbruder gewählt hat. Es gibt mittlerweile eine Twitter-Gruppe, in der bisher 215 000 Trump-Wähler sich von ihrer Schuld reinwaschen wollen und Abbitte tun.

Trump’s politische Bilanz nach drei Wochen ist aber auch beeindruckend: Mexiko beleidigt, China angezickt, das Telefonat mit Angela Merkel war auch nicht so toll, Australien sauer – ich glaube, nur Japan hat noch keinen zwischen die Augen gekriegt. Jetzt wird —- „Hey, kannst Du mal mit Deinen Volksreden aufhören, du störst meine Meditation“, nölte mein Nachbar. Großer Gott, hatte ich das alles etwa alles laut gesagt? Auch das mit der Mauer? Dass Trump sich da ja ein paar Stasi-Schergen aus der ehemaligen DDR ausleihen könnte, einschließlich einigen Sachsen, so als Bonus? Die würden ihm da ein Ding hinknallen, das mindestens 40 Jahre hält, Minenfeld und Selbstschussanlagen inklusive. Oh. Jetzt weint bestimmt gleich wieder so ein „Wutbürger“. Naja, zum Glück ist das hier nicht Facebook.

Hier leben ganz spezielle Menschen – Foto: AK

Der Hund schießt plötzlich aus dem Unterholz, im Maul einen zerkauten Sombrero. Nur der liebe Gott würde wissen, wo er den her hatte. Hier gab’s ja viele hispanisch geleitete Gartenbauunternehmen, die sich gegenseitig das Wasser abzugraben versuchten. Wahrscheinlich hatte Snoopy nur die Kopfbedeckung eines geflohenen Rasenmähers gefunden. Oder einen Party-Shop überfallen. Hier gibt’s ja Spezialläden für alles. Mein Lieblingsgeschäft verkaufte alte Filme, alte CDs und alle möglichen „action figures“. Deswegen ließ mich meine Frau da auch nie alleine hin. Als es plötzlich wie aus Eimern anfing zu schütten, schulterte ich den Hund und wollte rein. Mein Nachbar hielt mich auf. „Die Sonne scheint und Du willst zurück in die vermuffte Bude?“

Ich seufzte. Das war ja wie bei Trump’s Amtseinführung. Da hatte es auch geregnet, aber der neue POTUS ignorierte die Wirklichkeit einfach und schuf alternative Fakten: „Gott hat es nicht auf den neuen Präsidenten regnen lassen.“ Dann hatten die Gäste bestimmt Angst vor seiner feuchten Aussprache. Die hielten nämlich alle Regenschirme in den Händen.

Kommentare gesperrt.

© 2019 Sehnde-News.