Als Deutscher in den USA

11. Februar 2017 @

Heute:   Super Bowl

Es war mal wieder soweit. Oh, nein, nein, nicht was Sie denken. Der neue US-Präsident, dessen Name hier nicht genannt werden soll, hat ausnahmsweise mal nichts angestellt, was eine Sketch-Kanonade auf „Saturday Night Life“ rechtfertigen oder eine Artikel-Serie im „Rolling Stone“ notwendig machen würde. So, dass wäre dann geklärt. Also, es geht um den Super Bowl, die inoffizielle Weltmeisterschaft im American Football, die eigentlich nur hier und deshalb gar nicht – aber das hatten wir ja schon mal.

Andreas Kraatz blickt auf den Super Bowl zurück – Foto: AK

Ich habe dieses Jahr ja gedacht, irgendein Chinese hat sich den diesjährigen Titel ausgedacht: „Super Bowl Li“. Welcher Li? Chen Li? Li Peng? Kleines Ling Fu aus „Lucky Luke“? Aber es handelte sich natürlich nur um römische Zahlen. LI bedeutet 51, aber das wussten Sie natürlich und haben sich bestimmt schon gefragt, ob ich die falschen Medikamente genommen habe. Meine Tochter interessierte das diesjährige Endspiel herzlich wenig, denn ihr Team, die Pittsburgh Steelers, war schon vor zwei Wochen rausgeflogen. Seitdem zeigten ihre Mundwinkel scharf nach unten und für einige der Spieler hatte sie ziemlich unfreundliche Spitznamen, von denen „Fummelaugust“ und „Flachschippe“ noch die freundlichsten waren.

Mir war das Endspiel, wie all die Jahre zuvor auch, herzlich egal. 22 Mann hauen sich drei Stunden lang auf die Maske, dass die Schwarte kracht und gut ist. Ein Team gewinnt am Schluss und alle singen die Nationalhymne. Hipp Hipp Hurra. Ich finde die Werbung am Besten. Die ganzen Firmen hauen Millionen Dollar raus, um während des Super Bowls 60 Sekunden Sendezeit zu kaufen. Da waren in den letzten Jahren einige Goldkörnchen dabei, aber 2017? Hm, das Geld hätten sie mal lieber versoffen. Als ich mich dann genug gelangweilt hatte, linste ich durch den Türspion und hoffte, mein Nachbar würde auf der Treppe sitzen. Er tat.

Der Super Bowl ist eines der Top-Ereignisse in den USA – Foto: JPH

„Na, Cabron, alles bueno?“, fragte er. „Hauen sich die weißen Männer immer noch die Rübe ein?“ Ich setzte mich zu ihm, nickte und nahm die angebotene Kräuterzigarette. Nach ein paar kräftigen Zügen kam die Bimmelbahn und wir saßen grinsend auf dem viel zu kühlen Beton und fingen Flunkies. „Habt ihr eigentlich auch sowas wie den Super Bowl in Mexiko?“, fragte ich schließlich etwas schleppend. Der kleine Mann, der in meinem Kopf auf der Waldzimsel vor sich hin dröselte, ging mir langsam auf die Nerven. „Wir haben den Hyper Sombrero, Pendejo“, log mein Nachbar dreist. „Das wird mit einem eingefetteten Ferkel gespielt.“

„So wie in Urundi Bimbamba“, versuchte ich den Faden aufzunehmen. „Da machen sie das mit Kokosnüssen.“ „Quieken die auch, wenn man sie drückt?“, wollte mein Nachbar wissen. Ich verneinte. „Dann ist das caca“, nölte er. „Haste mal so ein eingefettetes Ferkel quieken hören? Da haste echt was verpasst.“ Er hörte sich fast lüstern an. Ich musste wirklich mal dringend im Handbuch der mexikanischen Perversionen nachsehen, ob das noch normal war. Ich quälte meinen unterkühlten Hintern von der Treppe und streckte mich. „Mal sehen, wer gewonnen hat“, murmelte ich. Hyper Sombrero und eingefettete Ferkel – also wirklich.

Bevor ich in meinem Apartment verschwand, hörte ich ein lautes Quieken. Es kam aus der Wohnung meines Nachbarn. Kopfschüttelnd ging ich nach drinnen. Sport macht mich irgendwie fertig.

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