Als Deutscher in den USA

19. Januar 2017 @

Heute:  Am Rande des Wahnsinns

Es wird immer lustiger. Oder sagen wir mal besser, man weiß schon gar nicht mehr, wo man sich noch verstecken soll. Freitag wird der neue Präsident vereidigt und je näher das Datum rückt, desto größer wird die Anzahl derer, die Donald Trump nicht nur nicht als „ihren Präsidenten“ ansehen, sondern auch noch zu einem privaten Untergrundkrieg bereit sind, um dem Neuen das Leben schwer zu machen.

Wie wird es mit Trump, überlegt Andreas Kraatz – Foto: AK

Jetzt hat ja sogar ein angeblicher britischer Ex-Geheimdienstler (was sich irgendwie so anhört, als hätte er das „Dschungel-Camp“ verloren), also, der Herr hat „wichtige Dokumente“ aus Russland veröffentlicht, aus denen glasklar hervorgehen soll, dass Trump sich in Moskauer Hotels mit diversen einheimischen Mädels vergnügt habe. Was da nun genau passiert ist und ob es wirklich passiert ist, weiß irgendwie keiner. Vielleicht hier nur der Hinweis, und der geneigte Leser möge mir die gezielt provozierende Ferkelei verzeihen: Bei „Erziehung und Natursekt“ darin geht es nicht unbedingt immer um Pädagogik und ökologischen Weinanbau. Aber wie gesagt, nichts Genaues weiß man nicht. Kein Wunder, dass Trump angefressen ist.

Hinzu kommt noch, dass eigentlich keiner aus Trumps Regierungsmannschaft den Direktiven des Chefs zu folgen scheint. So hat der designierte Außenminister auf den Einwurf des neuen Präsidenten, dass die Chinesen alle doof seien, schon mal geantwortet, dass man das ja nun auch nicht so pauschal sehen könne. Der Verteidigungsminister mit dem schönen Spitznamen „Mad Dog“, ein alter Marines Haudegen, findet die NATO durchaus klasse, was Trump nun überhaupt nicht einsieht, weil das alles Geld kostet.

Oh, und die bekannte Mauer nach Mexiko, um illegale Einwanderer ab- und aufzuhalten, sollen nun doch erst einmal die amerikanischen Steuerzahler bezahlen. Wir freuen uns darauf. In Deutschland können Sie schon mal CNN auf Dauerschleife legen und dazu „Lustig, lustig, trallalalala, bald sind hier die Populisten da“, singen. Sind ja bald Wahlen. Tja, Sie lachen. Noch. Konrad Adenauers Zitat „Was schert mich mein Geschwätz von gestern“ ist wieder hoch aktuell. Das werden Sie bald öfter hören – und zwar weltweit. Wir leben derzeit im Irrenhaus, und die Patienten verteilen die Medikamente.

Aber weiter. Sonst fange ich hier noch an, zu weinen.

Es war eines der hehren und aufrichtigen Ziele der Obama-Administration, eine faire und allgemeine Gesundheitsversicherung zu schaffen. Das mag Ihnen nicht viel bedeuten, denn Sie leben ja in einem Land, in dem jeder krankenversichert ist, sogar, wenn er oder sie arbeitslos ist. Hier war das bisher anders, denn kein Arbeitgeber ist verpflichtet, jemanden zu versichern. Das Gesundheitssystem von Uganda hat mehr drauf, wenn Sie mich fragen.

Wie auch immer, das Ergebnis war und ist nicht perfekt, aber das sind die Pilotprojekte von Visionären ja selten. Auf jeden Fall hatte jeder Zugang zu einer erschwinglichen Versicherung. Das wird nun einfach in die Tonne getreten, ohne eine Alternative im Ärmel zu haben. Es wird auch bedeuten, dass praktisch über Nacht rund 10 Millionen Amerikaner ohne Gesundheitsversorgung da stehen werden. Wieder mal. Von denen sind übrigens jede Menge Trump-Fans gewesen. Schön, wenn einem der eigene Messias so richtig in den Hintern tritt.

Ab jetzt haben die Lautsprecher das Wort – Foto: JPH

Nun mag es noch Hoffnung geben: Vielleicht ist Trump ja wirklich nur eine Marionette Moskaus oder sogar einer dieser Schläfer, die dann per Telefonanruf „geweckt“ werden und dann anfangen, massenhaft Mist zu bauen. Gab’s mal einen geilen Film mit Charles Bronson drüber. Hieß „Telephone“. Da rief dann immer so ein russischer kalter Krieger seine ahnungslosen Hypnotisierten in Amerika an und die trieben dann allerlei Unfug, bis ihnen Charles Bronson auf die Schliche kam. Wenn man zwölf ist, findet man sowas eben klasse.

Oder möglicherweise kann Trump den Druck nicht aushalten.

Immer auf dem qui vive sein, wie so ein südamerikanischer Diktator, das schafft auch nicht jeder. Da sind schon die ganz Harten plötzlich sehr weich geworden. Und wirklich jeder US-Präsident ist im Amt ergraut. Schauen Sie mal genau hin. Der Job macht einen fertig. Obwohl Barack Obama ja den Posten doch irgendwie als obercoole Socke verlassen wird. Und an seine Frau Michelle werden die Amerikaner bestimmt auch lange denken. Ob Melania Trump da mithalten kann? Von der sieht man seit ihrer geklauten Michelle Obama Rede hier auch nix mehr.

Es bleibt mal wieder spannend.

Hier sagen sie ja zu einer Sache, die mehr als voll in die Hose gegangen ist, sie sei ein „train wreck“. Und was machen wir? Wir stoppen, halten den Verkehr auf und glotzen. Aber: Solange, und hier blicke ich mal wieder auf Deutschland, also, solange gewisse Kreise glauben, Facebook sei die reale Welt und ein Krimi im Fernsehen die Wahrheit und solange der Alu-Hut noch richtig sitzt, bleibe ich weiter sorglos.

Also: Willkommen in der neuen täglichen „Benny Hill Show!“

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