Als Deutscher in den USA

11. Januar 2017 @

Heute:  Das neue Jahr ist da – in Tennessee

Meine Frau drehte sich von ihrem Keramikthermometer auf dem Balkon zu mir und seufzte. „Zwanzig Grad plus, ist das zu glauben? Wir haben Januar! Ich ruf‘ den Gouverneur an.“ Das macht sie immer, wenn sie mit einem unlösbaren Problem konfrontiert wird. Irgendwie ja doch irgendwie obrigkeitsgläubig. Auf der anderen Seite der Leitung nimmt deshalb auch keiner mehr ab. „Caller-ID“ heißt das Zauberwort. Und wenn doch, hat der Regierende immer eine Ausrede. Erst gestern hat er behauptet, er müsse seinen Faltenroller einphasen und hätte gerade keine Zeit. Dazu wurde im Hintergrund albern gekichert.

Hier leben spezielle Menschen – Foto: AK

Im Fernsehen sagt der Wetterfritze gerade: „Wenn Ihnen das Wetter in Nashville nicht passt, dann kommen Sie doch in 15 Minuten wieder.“ Sehr passend. Hier werden einem morgens wegen der Kälte drei Zehen amputiert und nachmittags kriegt man einen Sonnenbrand. Heute sind zum Beispiel 20 Grad plus und Freitag rutscht das Quecksilber auf Minus 6. Ich habe mich ja, glaube ich, schon mal dazu geäußert, warum Leute überhaupt nach Tennessee eingewandert sind. Ich wette, die haben sich gesagt: Hey, hier tritt uns die Natur so richtig in den Hintern, hier gibt’s Giftschlangen, eklige Spinnen, deren Biss einem die Füße auflöst, das Wetter ist dauernd Bullshit, juchhuh, hier bleiben wir!

Wer so denkt, dem gefällt wahrscheinlich auch, wenn er mit einem Blecheimer auf den Kopf gehauen wird. Hier gibt’s in Tennessee ja dann noch die Geschichte einer Kannibalenfamilie, die im frühen 19. Jahrhundert die Gäste ihrer Herberge erst abgemurkst, dann knusprig gebraten und später serviert haben sollen. Gekriegt haben sie die nie. Die Nachfahren betreiben heute ein BBQ in Memphis. Das passt irgendwie. Und irgendwo in der Nähe lebte sowas wie die Hexe Schrumpeldei, die sogar Thomas Jefferson das Gruseln beigebracht haben soll. Tennessee ist wirklich was Besonderes. Und ich hab‘ immer gedacht, im Süden wäre das Wetter warm, der Winter kaum erwähnenswert und alle Spinner lebten in Kalifornien. Wenn’s nächstes Mal an der Tür klingelt, steht bestimmt einer mit ’nem Blecheimer davor.

Tennessee ist schon gewöhnungsbedürftig, meint Andreas Kraatz – Foto: AK

Die vorwiegend liberalen Medien, also die, die den Demokraten nahestehen, sind ja zur Zeit in Alarmbereitschaft. Den Grund kennen Sie natürlich: Es geht um Donald Trump. Am 19. Januar wird er vereidigt, am 20. isser dann offiziell der neue Präsident der USA. Wussten Sie eigentlich, dass der Herr deutsche Vorfahren hat? Sein Opa ist aus dem Taunus (glaube ich) nach Amerika gekommen. Und hier ist mal ein kleines Party-Schmankerl zum Weitererzählen: Der ganze Trump-Bohei wäre keiner, wenn die kaiserlich-deutschen Behörden Trump’s Opa die Wiedereinreise nach Deutschland erlaubt hätten. Der Alte war hier nämlich gründlich gescheitert, hatte die Schnauze voll und wollte zumindest zuhause sterben. Leider hatte er sich nicht ordnungsgemäß abgemeldet und deshalb … tja. Musste er eben hier bleiben. Hat ja dann aber doch noch irgendwie geklappt und alle waren erleichtert.

Und dann ist ja tatsächlich noch Schnee gefallen. Das ist jedes Jahr der Moment, in dem die Bewohner von Nashville komplett den Verstand verlieren. Autofahrer benehmen sich plötzlich so, als wären sie ihr gesamtes vorheriges Leben nur Tretroller auf dem Rummel im Skooter gefahren. In den Supermärkten gibt es kaum noch Brot und Milch, weil dies aus irgendeinem unerfindlichen Grund als „DIE“ Grundnahrungsmittel bei Schneefall angesehen werden. Alles andere gibt es weiter in Hülle und Fülle. Das hat mir in 15 Jahren keiner erklären können. Tja, was noch? Die Nach-Weihnachts-Depression klingt langsam ab und alle freuen sich auf Valentinstag. Das ist zwar erst am 14. Februar, aber was soll’s: Der frühe Vogel fängt den Wurm. Was soll man machen…

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