Als Deutscher in den USA

3. Januar 2017 @

Heute:   Prosit Neujahr

Tja, nun ist es soweit, 2016 haut in den Sack. Na, endlich, höre ich Sie sagen. Mal ehrlich: Würden Sie noch einen einzigen toten Rock – oder Filmstar ertragen? Einen einzigen jener idiotischen Facebook-Kommentare zum Thema Politik, die eine Bildungsferne signalisieren, die in etwa der Entfernung zwischen Erde und Mars entspricht? Reichsbürger, Erdscheibler und Rektal-induzierte-Bleiche-Fans?

Ach was, hinfort damit!

Wie wird 2017, überlegt Andreas Kraatz – Foto: AK

2016 ist vorbei. Fest steht nur, dass Deutschland wohl nie von Außerirdischen angegriffen werden wird. Stellen Sie sich mal vor, die armen Schweine landen in Sachsen. Universelle Sprachübersetzer funktionieren nicht, die Einwohner sind so zänkisch, dass niemand etwas mit ihnen zu tun haben will. Die kleinen, grünen Männchen hauen ja sofort wieder ab. Aber – da wollten wir ja gar nicht hin.

Wir wollten ja über 2017 reden.

Ich denke, wir sollten den Blick nach vorn richten. Hoffnung verbreiten. Schließlich sind ja auch noch Wahlen in Germany. Ich bin überzeugt, die politische Diskussion wird sachlich und faktenorientiert sein, ähnlich der politischen Debatte hierzulande. Donald Trump ist ja nur deshalb Präsident geworden, weil er immer die Wahrheit gesagt, nie gelogen oder dazu aufgerufen hat, seine Konkurrentin zu erschießen. Jetzt haben wir den Salat. Vielleicht ersticht er sich ja irgendwann beim Mittagessen. Die Hoffnung stirbt schließlich zuletzt.

Hillary Clinton soll ja jetzt öfters nachts mit einer halbleer gesoffenen Flasche Jack Daniels durch Washington torkeln und Obszönitäten schreien. Wieder eine Karriere perdu. Das Leben ist bisweilen ungnädig. Nun warten ja alle hier darauf , das Trump seine Wahlversprechen wahr macht: Mauer hoch an der mexikanischen Grenze, Volksgerichtshof für Hillary Clinton, Zungenküsse mit Putin und allgemeine Paranoia. Trump will ja Mexiko für seine Mauer bezahlen lassen, aber es scheint, als wenn die nicht so recht wollen.

Nun, wir werden sehen.

Vielleicht ist ja der ganze Populistenkram schon bald wieder Geschichte und wir werden im Café sitzen und zusehen, wie Frauke Petry mit fünf Blagen im Schlepptau und drei weiteren im gebrauchten Kinderwagen an unserem Tisch vorbeiwatschelt. Nix mehr mit Politik. „Die dämonische Schönheit“, würde ich dann sagen und mein Nachbar so: „Wohl eher Daisy Duck.“ Und wo wohl Trump endet, wenn er voll verkackt? Fort Levenworth? Guantanamo? Auch hier werden wir wohl eher abwarten und Tee trinken müssen. Im Land kann er jedenfalls nicht bleiben. Sonst verhaut ihn noch einer.

Noch ist alles in den Wolken, was Trump angeht – Foto: AK

Der einzige Mensch, der sich bei dem ganzen Tohuwabohu ein Loch in den Bauch freuen dürfte, ist der scheidende Präsident Obama. „Michelle“, so wird er seiner Frau beim abendlichen Dominospiel verraten, „ich bin ja so froh, dass der ganze Kasperkram vorbei ist. Jetzt können wir uns in Hawaii an den Strand legen und die ganze Trumperei vergessen.“ Michelle wird darauf eine Doppelsechs legen und erfreut aufseufzen und ihren Mann fragen: „Noch Lobster, Schatzi?“ Und Barak wird ein Schlückchen Pinot Grigio schlotzen und ihr gutgelaunt zuprosten.

Zumindest stelle ich mir das alles so vor.

Das wird mein 2017, auch wenn ich mir das mit meinem Nachbarn erstmal so hinrauchen muss. Vielleicht sitzen wir ja bald am Tisch und fragen uns: „Trump? Le Pen? Petry? Wer waren die denn nochmal? Ihnen, liebe Leserinnen und Leser, wünsche ich bis dahin schon mal ein gutes Neues Jahr, mögen alle ihre Träume wahr werden und alle Ihre ach so guten Vorsätze schnell vergessen sein.“

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