Als Deutscher in den USA

29. November 2016 @

Heute:  Der lange Schatten von Halloween

Das Jahr nähert sich mit Riesenschritten seinem Ende und bald werden wir wieder auf dem Sofa sitzen, uns gegenseitig ungläubig ansehen und uns fragen, was der ganze Quatsch sollte. Wir hier haben dann einen neuen Präsidenten, oder eine Präsidentin, und werden, glaubt man den politischen Bloggern und Tweetern, entweder direkt in einen Atomkrieg schliddern oder zumindest in einer Zombie-Apokalypse enden. Was zuerst eintritt, hängt davon ab, ob letztendlich die nordkoreanischen Mädchenhändler oder die Illuminaten das Weiße Haus in Washington übernehmen.

Andreas Kraatz blickt auf Halloween und die Wahlergebnisse - Foto: AK

Andreas Kraatz blickt auf Halloween und die Wahlergebnisse – Foto: AK

Oder der Islam kommt, wie ja offensichtlich schon in Deutschland geschehen, an die Macht. Dann heißen alle Abdullah und müssen Burka tragen.

Glaubt man den Bloggern und Tweetern in der alten Heimat, wird das Land ja sowieso nur noch von Schwachköpfen, Zwangsmasturbanten und Leuten regiert, deren liebste Freizeitbeschäftigung Landesverrat und Seelenhandel ist. „Besorgte Bürger“ oder „Patrioten“, denen es in Muttis Einliegerwohnung beim Pornos gucken und Bier saufen zu langweilig geworden ist, latschen plötzlich mit Plakaten und Spruchbändern in der Gegend herum, fordern im Fernsehen offen die Rückkehr Adolf Hitlers und die Ermordung von demokratisch gewählten Volksvertretern.

Sie wollen rechtspopulistische Nationalisten an die Macht putschen, wie sie wohl tatsächlich nur dem verfaulten Muff der vergangenen DDR-Jahre entspringen konnten. Sie verstehen schon. Braun? Genau. Da ist der verkrachte Radiomoderator, der sich auf Facebook als „Kult Comedian“ bezeichnet oder die Hamburger Halbweltgröße, die plötzlich in kaum verständlichem Deutsch oder Englisch …

Aber, hey, halt erstmal, jetzt gerade wird mir was klar!

Das alles ist gar nicht wahr, denn: Es war ja Halloween, der gruseligste Tag des Jahres! Und wirklich: Wenn man genau hinsieht, dann erkennt man ganz klar, dass Donald Trump nur Heidi Klum ist, die mal wieder in ein total geiles Kostüm geschlüpft ist. Nordkorea ist eine neue Attraktion von Disney World und der kleine, dicke Junge, der da angeblich regiert, ist ein Komparse aus Atlanta, der von Time Warner bezahlt wird. In Wirklichkeit ist alles gut und was nicht gut ist, wird bald besser.

Hier in Nashville bauen sie ja zum Beispiel gerade an einem Vergnügungspark, der „German Democratic Republic 2.0“ (meine Anregung) heißen wird. Die Besucher zahlen 25 Mark Eintritt (können sie an der Kasse umtauschen). Im Park gibt’s weder was zu essen noch zu trinken, alle Attraktionen sind geschlossen und die Chancen, ohne Grund verhaftet zu werden stehen bei 56 Prozent. Den Amerikanern wird das gefallen, die stehen ja auf alles Deutsche, und ansonsten ist sowieso alles wie in Boston. Besondere Umstellung nicht erforderlich.

Trump will ja nach seiner Machtübernahme im Übrigen auch eine Mauer bauen, um die USA gegen Mexiko abzuschirmen, wo, wie er sagt, die „Bad Hombres“ leben. Ich glaube, sowas hat zuletzt Clint Eastwood in „Zwei glorreiche Halunken“ von sich gegeben. Aber: Hier zeichnet sich bereits schon die Idee für einen zweiten „theme park“ ab. Zum Thema „Hillary Clinton wird Präsidentin“ möchte ich an dieser Stelle abschließend kurz meinen Kollegen Steve zu Wort kommen lassen. In der Pause kamen wir ausnahmsweise mal auf Politik zu sprechen.

Gruselig die Frage, wer ist wo versteckt - Foto: JPH

Gruselig die Frage, wer ist wo versteckt – Foto: JPH

Aus keinem bestimmten Grund erwähnte ich Hillary, was bei dem eher friedlichen Steve zu einem urplötzlichen und unkontrollierten verbalen Gewaltausbruch ungeahnten Ausmaßes führte. Neben uns saß einer, der hatte 25 Jahre bei den US-Marines gedient und fünf Kriege komplett mitgemacht, wenn nicht sogar selbst verursacht. Dieser Kollege hielt sich völlig verschreckt die Ohren zu und schluchzte haltlos. Dann rannte er davon.

„Die Schlampe“, schrie Steve immer wieder, „diese verdammte Schlampe! Ich hasse sie! Ich hasse sie!“ Einen Moment lang hatte ich Sorge, das Steve einen Herzanfall erleiden würde. Er ist immerhin knapp 70. „Die Schlampe verwandelt Washington in ein Bordell!“, schnorchte und kreischte Steve jetzt und ich machte den Fehler zu fragen, warum. „Du bist ja nicht von hier, Mann, sonst würdest Du das nicht fragen“, kreischte Steve, „jemand muss die Alte zur Strecke bringen!“ Was Trump in einer seiner Reden ja bereits auch schon angeregt hatte.

Ich wollte Steve, alter Sack oder nicht, also gerade mit einem Fausthieb niederstrecken, als mir der Reißverschluss auf seinem Rücken auffiel. „Ach, komm‘ hör auf mit dem Scheiß“, lachte ich plötzlich. Steve fingerte nach dem Zipper und einen Moment später schälte sich mein Nachbar aus seinem täuschend ähnlichen Latexkostüm. „Wie hast Du mich erkannt?“ wollte er wissen. „Heidi Klum hat angerufen“, erklärte ich ihm. „Sie braucht Hilfe. Robert De Niro steckt irgendwie in seinem Hillary Dress fest. Frag‘ lieber nicht, ist eine lange Geschichte.“

Und so kam es, dass schließlich die Killer Clowns in Washington die Macht übernahmen. Und in Sachsen, aber das ist eine andere Geschichte. Und irgendwie auch unverständlicher, wegen des Dialekts und so.

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