Als Deutscher in den USA

25. November 2016 @

Heute:   Der Untergang

Also, ich muss mich erstmal bei Ihnen entschuldigen. Ich habe mich seit dem letzten Mal etwas rar gemacht, aber das hatte natürlich auch einen Grund. Oh, nein, nein, die Miete ist bezahlt. Strom auch. Wir müssen uns nicht mehr in der Buschreihe hinter dem Haus verstecken. Alles gut soweit. Ich wollte vielmehr das Ergebnis der Präsidentenwahl abwarten. Es war aber auch ganz schön spannend: Wer würde das Rennen machen? Ich hatte ja eher mit Hillary Clinton gerechnet, aber ich war ja auch davon überzeugt, dass die Sozialdemokraten die ersten freien Wahlen nach dem Untergang der DDR gewinnen würden. So kann man sich täuschen.

Andreas Kraatz sinniert über den neuen Präsidenten - Foto: AK

Andreas Kraatz sinniert über den neuen Präsidenten – Foto: AK

Donald Trump hat sich aber auch Einiges aufgeladen: Installierung der Folter als legitimes Mittel der Wahrheitsfindung, die „Große Mauer von Mexiko“ und natürlich diverse nukleare Scharmützel mit allen Staaten, die ihm nicht passen. Zudem werden ja jetzt offensichtlich wieder Sachen salonfähig, die seit Abraham Lincoln etwas vernachlässigt worden sind: Dreiste Lügen, und zwar diese bewusst verblasenen Unwahrheiten, um Andersdenkende zu diskreditieren und nicht etwa die, die einem so aus Versehen rausrutschen. Dann wäre da noch offener Rassismus, unter dem alle leiden werden, die anders sind als – tja, wer eigentlich? Trump? Besorgte Bürger?

Oh, und nicht zu vergessen, hemmungsloser Sexismus. Frauen begrabschen und beleidigen ist wieder salonfähig. Moslems unterliegen ab jetzt einem Generalverdacht, Terroristen zu sein. Dann wird’s noch gegen die „Lügenpresse“ gehen, überhaupt gegen diese ganzen korrupten Medien, das kennt man ja schon, und mal sehen, was sonst noch so kommt. Von Internierungslagern für illegale Ausländer ist schon die Rede, es weiß zum Glück noch keiner, wie das bezahlt werden soll, aber das muss ja kein Hinderungsgrund sein. Obendrauf gibt’s noch die Stärkung der Armee und die Abschaffung der gerade eingeführten Gesundheitsreform.

Vielleicht kommt’s aber auch ganz anders. Angeblich soll es ja gravierende Unterschiede zwischen dem geben, was so ein amerikanischer Politiker während der Wahlkampagne sagt und dem, was er dann tut. Vielleicht sieht sich Trump ja auch mal die Prozentzahlen der Wahlbeteiligung an. Wenn es stimmt, was ich vor ein paar Tagen gelesen habe, haben 47 Prozent der Wahlberechtigten auf alle Kandidaten gepfiffen und sind einfach zuhause geblieben. Um die 25 Prozent der Wähler wollten Hilly, ein paar Figuren mehr unseren Donald. Das kann man kaum eine breite Basis nennen. Bei George W. Bush sah es ja ähnlich aus.

Noch ist alles in den Wolken, was Trump angeht - Foto: AK

Noch ist alles in den Wolken, was Trump angeht – Foto: AK

Europa ist nach den Wahlen genau so gespalten wie die USA. Die Rechtspopulisten haben durch Trumps Sieg eine enorme Testosteron-Spritze verpasst bekommen und lassen die Muskeln spielen. Die deutsche Regierungsmannschaft ergeht sich in Tiraden gegen den kommenden Präsidenten oder oberlehrert herum. Was all diese Herrschaften vergessen, ist, das Trump sich einen Dreck um Europa schert. Die NATO hält er für überflüssig und eigentlich freut er sich nur darauf, Wladimir Putin zu treffen. Die beiden sind offenbar schon jetzt „best buddies“.

Kurioserweise gibt es allerdings in der Tat noch eine Chance, Donald Trump den Einzug ins Weiße Haus zu verwehren. Dazu müssten die Wahlmänner des „electoral college“ Mitte Dezember doch noch gegen den 70-jährigen stimmen. Das können sie, denn erst dann wird das Ergebnis offiziell. In der Vergangenheit ist das allerdings nie wirklich passiert. Tja, es gäbe dann natürlich noch das „impeachment“. Wenn der Präsident zu viel Scheiße baut, wird er von einer Sonderkommission rausgeworfen. Richard Nixon ist seiner Amtsenthebung zuvor gekommen und zurückgetreten, bei Bill Clinton hat es nicht geklappt.

Mein Schwiegervater hat Clinton deswegen immer „Teflon-Präsident“ genannt. Ach ja, es gab schon erlesene Sumpfblüten auf dem Präsidentensessel. Ob nun wirklich gleich im Februar ein Atomkrieg ausbricht? Tut mir leid, keine Ahnung. Ich bin eher davon überzeugt, dass die Welt in vier Jahren noch da sein wird und zwar heil. Vielleicht ist Trump ja auch nur ein eine Blase voll warmer Luft. Sowas merken die Leute ja immer schnell. Die Mauer zwischen den USA und Mexiko soll ja zukünftig nun schon teilweise aus Metallzäunen bestehen. Was aus dem Rest wird? Schau’n mer mal.

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