Als Deutscher in den USA

10. Oktober 2016 @

Heute:  Rätselraten

SEHNDE-NEWS.DE. Wenn ich es nicht besser wüsste, würde ich fast sagen, Donald Trump, der ungeliebte Präsidentschaftskandidat der Republikaner, weilt nicht mehr unter den Lebenden oder hat zumindest nach irgendwohin das Weite gesucht. Man hört so gar nichts mehr von ihm. Irgendwie ist ihm nach dem fast unverschlüsselten Aufruf zum Mord an Hillary Clinton die Puste ausgegangen. Oder sein Pressechef hat sich endlich mal laut genug gefragt, wann der Boss mal die Fresse hält. Kann auch sein, das der Aufruf des Filmemachers Michael Moore gefruchtet hat und Trump sitzt jetzt weinend neben seiner Tochter Ivanka auf dem Sofa und bereut. Wirklich? Kaum. Der nicht.

Der Wahlkampf in den USA läuft - Foto: JPH

Der Wahlkampf in den USA läuft – Foto: JPH

Hillary Clinton dagegen schiebt langsam aber sicher einen Wahlwerbespot nach dem anderen in den Wahlkampf. Was ich bisher gesehen habe, war nicht unbedingt der Stein der Weisen, aber es könnte, ähnlich wie beim Seitenbacher Müsli, irgendwann Wirkung zeigen. Im ersten Spot der Demokraten gibt es Zusammenschnitte von Trumps Auftritten im Vorwahlkampf. Er schüttelt mit dem Kopf wie ein verrückt gewordener Mob, sagt andauernd „Fuck“ und verkündet, Feinde auch mittels nuklearer Einsatzmittel zum Besseren bekehren zu wollen. Ohne viel Zutun von Frau Clinton steht Trump plötzlich da wie ein gefährlicher Irrer, der weggesperrt gehört, weil er kleine Kinder frisst.

Im nächsten Spot sieht man nur Republikaner, die Trump alles Mögliche vorwerfen, mit dabei der Vorwurf, er habe den Untergang der Titanic herbeigeführt und das große Erdbeben von San Franzisco verursacht. Hilly Clinton ist nur am Anfang zu sehen. Die Politiker hier sagen ja immer in den Spots: „Ich bin XY und ich unterstütze diese Message“. Als wenn sich einer von denen hinstellen würde und dann sagt, dass das alles gequirlte … na, Sie wissen schon. Die Botschaft des Spots ist natürlich klar: „Keiner liebt dich und selbst die eigenen Bonzen finden dich Kacke.“ Sowas kann unter Umständen schmerzen.

Vielleicht hat Donald Trump auch einfach die Faxen dicke. So ein Präsidentenjob ist nämlich ganz schön anstrengend. Immer zum Schichtwechsel im Weißen Haus kommen „Vorher/Nachher“-Bilder der Amtsinhaber raus. Sie alle sind alt, grau und verbraucht, wenn sie das Oval Office hinter sich lassen. Der Job ist schon ein anderer Schnack als die vergleichbare Position in Deutschland. Joachim Gauck hat ja schon immer alt ausgesehen, da fällt das nicht so auf. Bei Angela Merkel allerdings geht so langsam die Patina ab. Zehn Jahre (oder mehr sogar) im Amt zeigen Folgen. Naja, wenn mir den ganzen Tag irgendwelche AfD-Fuzzis ins Gesicht schreien würden, sähe ich wohl auch so aus.

Andreas Kraatz sinniert über den US-Wahlkampf - Foto: AK

Andreas Kraatz sinniert über den US-Wahlkampf – Foto: AK

Aber ich hätte ja von den Angelegenheiten in Deutschland gar keine Ahnung mehr und sei außerdem ein Gutmensch, belehrte mich ob meiner Einwürfe zur Wahl in Meck-Pomm vor Kurzem ein Facebook-Freund. Gut, dass ich die sozialen Netzwerke seit je her als das nehme, was sie sind: ein Tummelplatz des Fantastischen. Ich kann mir allerdings selbst auch nicht mehr so ganz vorstellen, was echt ist, und was nicht. Das Leben im Netz ist kompliziert, oder wie es die „Frankfurter Schule“ um Jürgen Habermas bereits in den 60ern so wahr wie treffend formuliert hat: „Es gibt kein richtiges Leben im falschen.“

Möglicherweise ist das ja auch mit Trump passiert. Er hat den Scheiß im Internet plötzlich geglaubt und sich dann aufgelöst wie die böse Hexe des Ostens (oder war’s doch die im Westen?). Das wäre vermutlich für alle die beste Lösung. Früher war sowieso alles besser, oder war es, wie der Hamburger Radiomoderator John Mendt mal gesagt hat, einfach nur früher? Vermutlich.

 

 

Kommentare gesperrt.

© 2019 Sehnde-News.