Als Deutscher in den USA

30. August 2016 @

Heute:  Trumpets und andere Flöten

Nein, er macht es einem nicht leicht, ihn zu mögen. Donald Trump, der Präsidentschaftskandidat der Republikaner, würde sogar in Deutschland als rüpelhaft gelten, und wir lassen schließlich jedem alles durchgehen. Ausländische Despoten giften uns an? Aber bitte doch. Innenpolitisches Kasperle-Theater? Facebook Haters und Twitter-Trolle? Her damit! Riesendemos in deutschen Großstädten zur Unterstützung von … ach, was soll’s, die Liste wird zu lang.

Der Wahlkampf in den USA läuft - Foto: JPH

Der Wahlkampf in den USA läuft – Foto: JPH

Wir waren ja außerdem bei Donald Trump. Die großen Partei-Treffen hierzulande sind vorbei, jetzt wissen wir voran wir sind. Oder doch nicht? Teile der Republikaner versuchen immer noch, Trump loszuwerden. Was hat er auch wieder alles angestellt: Militärveteranen und deren Eltern beschimpft, Mütter mit Babies lächerlich gemacht und, und, und … man könnte glatt vergessen, dass die Demokraten auch noch da sind. Beide Parteitage waren übrigens brunzlangweilig, aber das nur am Rande.

Hillary Clinton hat ja zur Zeit ihre ganz eigenen Probleme: Verschwundene und offenbar wichtige E-Mails, Wahlfälschung und angeblich die Planung eines Mordkomplotts. Gegen wen? Das wissen wahrscheinlich nicht mal die Republikaner. Aber das ist hier im Wahlkampf auch nicht nötig. Da haucht die Wahrheit mal eben kurz ihr Leben aus und keiner merkt’s. Nach Hillies einzigem nennenswerten Konkurrenten Bernie Sanders fragt auch keiner mehr. Womit wir wieder beim Mordkomplott wären. Whatever.

Das Problem ist ja eigentlich, dass es genau genommen gar keinen Kandidaten für das Oval Office gibt, den die Wähler da gerne sehen würden. Es wird anscheinend ein Jahr für Notlösungen. Wer den Einmarsch der mexikanischen Armee in Washington verhindern will, wählt Trump. Wer den Untergang der USA will und Satan als Herrscher der Welt favorisiert, wählt eben Hillary Clinton. So einfach ist das. Trump-Gegner machen Witze über seine Frisur, Trump-Fans tragen dafür T-Shirts mit dem Aufdruck: „Hillary for Prison“. Warum, ist dabei völlig mumpe.

Die Welt als Zeichentrickfilm in Schwarz-Weiß. Wie hat hier mal einer gesagt: „Als ich klein war, haben mir meine Eltern immer gesagt, dass hier jeder Präsident werden kann. Ich beginne, das zu glauben.“

Andreas Kraatz blickt auf die Kandidaten fürs Präsidentenamt - Foto: AK

Andreas Kraatz blickt auf die Kandidaten fürs Präsidentenamt – Foto: AK

Aber es ist ja noch lange nicht zu Ende. Politische Beobachter haben angeblich gesehen, dass der Pressesprecher von Donald Trump einmal am Tag zum Weinen in einen geheimen Raum verschwindet, in dem die schalldichten Wände jeden noch so lauten Schluchzer verschlucken. Wenn er dann wieder heraus kommt, geht’s wieder für eine Woche. Bis zum nächste Eklat. Oder bis das Valium alle ist. Viele freuen sich direkt schon auf die ersten Auslandsbesuche eines künftigen Präsidenten Trump.

Oh, wussten Sie eigentlich, dass, sollte Hillary Clinton die Wahl gewinnen, es das erste Mal wäre, das ein Präsident ins White House einzieht, der dort Sex mit einem anderen Präsidenten hatte? Und das Trump, würde er Präsident, in ein Haus einzieht, aus dem zuvor eine schwarze Familie vertrieben worden ist? Tja, es kommt immer auf die Sichtweise an. Noch ist ja Zeit. Die ersten Hillary-Werbespots sind hier schon vor ein paar Wochen angelaufen. Darin erscheint sie als die Retterin der amerikanischen Jugend.

Das dürfte Donald Trump besser hinkriegen. Ich sehe ihn schon in Fantasieuniform an der amerikanisch-mexikanischen Grenze stehen und mit Erich Mielke und Walter Ulbricht eine Mauer bauen, die von der mexikanischen Regierung auch noch finanziert wird. Welcome to the jungle, Baby. Hollywood lässt grüßen.

Kommentare gesperrt.

© 2019 Sehnde-News.