Als Deutscher in den USA

25. Juli 2016 @

Heute:   Weinverkauf

SEHNDE-NEWS.DE. Nach langem, hartem Kampf im örtlichen Parlament, den lokalen Medien und, da bin ich mir völlig sicher, in den Haushalten des Staates Tennessee ist ein Durchbruch historischen Ausmaßes erzielt worden: In den Supermärkten der Region gibt es seit kurzer Zeit diverse Weine zu kaufen. „Wir werden eine Nation haltloser Säufer und Spieler!“ riefen daraufhin Einige (Zechen und Zocken leben hier seit jeher dicht beieinander). „Prösterchen!“ konterten die Befürworter und kauften noch schnell ein paar Rubbellose.

Also, wenn Sie zum Urlaub machen nach Tennessee kommen, können sie sich für das notwendige Startgas mit Sprit aus dem Supermarkt versorgen.

Jetzt gibt's Wein auch im Supermarkt - und das ist eine Revolution - Foto: AK

Jetzt gibt’s Wein auch im Supermarkt – und das ist eine Revolution – Foto: AK

Doch halt, so einfach ist die Sache nun doch wieder nicht. Es gibt natürlich Regeln. Wo kämen wir sonst hin, wir sind schließlich nicht in Deutschland. Wein gibt’s von 8 Uhr morgens bis um 23 Uhr abends – nicht wundern, hier gelten andere Öffnungszeiten. Wer also zwingend um 7 Uhr 45 mit dem Saufen anfangen muss, hat schlechte Karten. Um Mitternacht nochmal schnell nachlegen geht auch nicht. Irgendwas ist ja immer. Aber weiter. Sonntags gibt’s auch nichts und Feiertage, wie der 4.Juli oder Weihnachten, ist auch Sense.

Ich wollte mal nach Ende meiner Nachtschicht um 4.53 Uhr ein Pülleken Vino kaufen und wurde behandelt, als hätte ich nach Tierpornos gefragt und dabei mit meinem unkontrollierbaren Alkoholismusproblem geprahlt. „Um diese Zeit verkaufen wir keinen Wein“, zischelte der Mitarbeiter des Marktes angewidert, so als wäre meine schlichte Frage das Eingeständnis, dass ich in meinem Keller nackte Frauen anketten würde, um sie zum Putzen und Kochen zu missbrauchen.

Aber werfen wir doch mal einen Blick auf das Angebot. Amerikaner, oder sagen wir mal, die hiesigen Südstaatler, lieben es offenbar exotisch. Ständig wird ein an sich ganz anständiger Rot- oder Weißwein mit irgendwas gemischt: Beeren, Gewürze, exotische Früchte oder was weiß ich noch. Da ergeben sich bisweilen erschreckende Kombinationen, mit denen man vielleicht lieber den Hund waschen sollte. Oder die Tischplatte abbeizen. Die Preise sind auch eher exotisch. Dafür kriegt man kaum eine Pulle unter 1,5 Liter. Naja, wer säuft, der sündigt nicht.

Tja, ich gebe es ungern zu, aber wir sind mal wieder auf der Autobahn in die Hölle. Irgendwann legalisieren sie hier bestimmt, wie damals in Colorado, den Konsum von Pott. Oder Weed, wenn Sie den englischen Terminus Technicus bevorzugen.

Nur wenn Sie sich mal so richtig abschießen wollen, müssen Sie jetzt noch in den guten alten Schnapsladen, wo der unrasierte Besitzer im fleckigen Unterhemd auf Kundschaft wartet und sich mit der abgesägten Schrotflinte am Rücken kratzt, während er sich eine Portion fettige Buffalo Wings einpfeift. Oh, halt, das ist ja mein Nachbar.

Aber das ist mal wieder eine ganz andere Geschichte.

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