Als Deutscher in den USA

4. Mai 2016 @

Heute:   Hund im Knast

Unser Hund war im Knast. Naja, also nicht wirklich, nicht wahr, mehr so in Quarantäne, weil er eine Nachbarin gezwackt hat, als sie ihren eigenen Fido vor den Haifischkiefern unseres Pudelmixes beschützen wollte. Ist ja auch eigentlich nicht viel passiert und die komplett blutverschmierte Wand neben dem Apartment hat ein netter Nachbar quasi sofort geputzt. Ich dachte einen kurzen Moment lang, ich bin wieder in Stuttgart.

Neues aus den USA von Andreas Kraatz- Foto: AK

Neues aus den USA von Andreas Kraatz- Foto: AK

Vielleicht hatte ihn ja die Gebissene in der Hand, weil er irgendwas angestellt hat oder bei Vollmond immer nackt auf dem Rasen tanzt, was weiß ich. Auf jeden Fall war alles einsfixdrei quietschsauber und eigentlich hätte jetzt auch alles gut sein können, wenn – ja, wenn die besagte Nachbarin im Krankenhaus nicht was von einem „Hundebiss“ gefaselt hätte. Das Weichei war nämlich sofort in die nächste Notaufnahme gerannt. Und leider müssen die Ärzte so einen Biss melden, so ähnlich wie wenn einer mit drei Löchern in der Brust reinkommt, „Aua“ sagt und dann umfällt. Schusswunde eben. Oder Biss. Man fühlt sich fast wie Machine Gun Kelly.

Dann ging plötzlich alles sehr schnell. Eine Stunde nach der blutrünstigen Attacke rief die Polizei an, um den Hund abzuholen und ins Tierheim zu verschleppen, wo er dann – aber daran wollten wir lieber nicht denken. Stattdessen riefen wir unseren Tierarzt an, der Hundi erst mal für zehn Tage einbuchtete, um zu sehen, ob er tollwütig war. Irgendwie waren nämlich die Impfungen nicht ganz so up to date, wie der hiesige Gesetzgeber das so vorschreibt, aber, hey, sind Sie ohne Fehl? Also bitte. Dann werfen Sie wegen mir doch den ersten Hund. Die Welt liegt in Scherben, TTIP, Trump & Konsorten – man weiß gar nicht mehr, wogegen man zuerst demonstrieren soll, und dann nölt einer was von Impfungen.

Nun ja, auch dies ließ sich schließlich regeln. Die Nachbarin sehen wir nicht mehr ganz so oft, aber man kann eben nicht alles haben im Leben. Sie, also die werte Frau Nachbarin, hat mich übrigens mal gefragt, ob Angela Merkel Europa islamisieren will, wegen der Flüchtlinge und so, und Obama sei ja auch so ein Radikalislamist und überhaupt, und da muss ich dann ja doch mal sagen, dass Fifi vermutlich die Richtige gebissen … aber sowas darf man ja auch nicht sagen. Das endet ja auch hier immer vor Gericht. Oder in der Klapse.

Die Dame hat ja vor einiger Zeit immer die Falschparker vor unserem Haus mit Sticky Notes genervt, bis mal einer bei ihr geklopft hat und wissen wollte, ob sie sie noch alle Murmeln im Beutel hat. Ihren Mann haben sie ja mal ratzevoll in der Innenstadt verhaftet. Da hat ihn dann meine Tochter ins Besoffki-Register eingetragen. Die arbeitet jetzt nämlich beim Nashville Police Department. Auch aus dieser Ecke ist seitdem Ruhe. Wie das eben so ist: Manchmal kommt alles zusammen.

Der Hund war zur seiner eigenen Sicherheit in Quarantäne - Foto: AK

Der Hund war zur seiner eigenen Sicherheit in Quarantäne – Foto: AK

Töchterchen hat ja da bisweilen wirklich interessante Begegnungen. Drogen, Alkohol, zuviel Wahlkampf oder Musikkneipe, oder alles zusammen. Wir sind eben in Nashville, der Welthauptstadt der Country & Western Musik. Oh, vielleicht erinnern Sie sich: Vor genau sechs Jahren stand das gesamte Stadtzentrum von Nashville unter Wasser. Es hatte zwei Tage geregnet, als ob es demnächst verboten würde, und das hatten Kanalisation, Cumberland River und Deiche nicht ausgehalten. Ich war ja damals, 2010, auf dem Weg nach Deutschland und verbrachte rund zehn Stunden am Flughafen, um nach Chicago zu kommen. Es regnete so wild, dass wir alle dachten, wir säßen in einem Aquarium. Schauen Sie sich mal den Film „Sharknado“ an, dann wissen Sie, was ich meine. In Deutschland haben sie damals übrigens immer so einen losgerissenen Wohntrailer gezeigt, der die Autobahn runter gedümpelt ist. So kann man auch berühmt werden.

Und bevor Sie fragen: Nein, mein Nachbar hatte mit der ganzen Sache nichts zu tun. Der war mit einer Mariachi-Band auf Tour in Mexiko. Gerüchten zufolge soll er allerdings weniger Musik gemacht, als vielmehr die lokale Kräuterproduktion angekurbelt haben. Jeder wie er kann eben. Oder mit den Worten des unsterblichen Speedy Gonzales: „Andele, Andele, arriba, arriba!“

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