Als Deutscher in den USA

15. April 2016 @

Heute:   Oscar

Naja, das war ja mal wieder eine Woche. Dauernd ist was passiert. Natürlich war’s nicht so, als hätte ich im Alleingang eine Kathedrale im Garten bauen müssen, aber trotzdem. Zuerst ist mal wieder wie jedes Jahr unser Auto abgekackt. Eben noch stolzer Buickfahrer und jetzt zwei Tonnen Schrott vor der Haustür. So schnell kann das gehen. Meine Theorie ist ja, dass sich aller Krampf, der sich im Laufe des Jahres so ansammelt und gleichmäßig verteilt, bei unserer Familie ausschließlich im Januar und Februar ereignet. Irgendwie ist das schon seit Jahren so.

Den Beitrag von Andreas Kraatz gibt es auch als Podcast. Aufs Foto klicken - Foto: AK

Den Beitrag von Andreas Kraatz gibt es auch als Podcast. Aufs Foto klicken – Foto: AK

Januar und Februar stinken total ab und ab März geht das Leben normal weiter. Dann ist Frühling, alles knospt, die Vögel grölen und die Laune steigt. Veronika, der Spargel wächst eben. Ähem. Einziger Lichtblick im Februar ist mein Geburtstag, oder besser, war, denn seit ich die Fünfzig überschritten habe, feier’ ich auch nicht mehr so dolle. Irgendwie geht das alles nicht mehr so wie früher mit Zocken, Durchmachen, Vollrausch und dann ab zum Fischmarkt.

Also schön, ja, Sie haben Recht, das wäre von Nashville auch ein bisschen weit, aber Sie verstehen schon. Heute enden meine wilden Partys meist nach dem ersten Glas Wein mit einem Nickerchen auf dem Sofa, während der Fernseher friedlich dazu flimmert.

Da kamen mir die „Oscars“ ein paar Tage später gerade richtig. Die waren ja im Vorfeld bereits eifrig diskutiert und kritisiert worden, weil kein schwarzer Filmschaffender, sei es nun ein Schauspieler, Regisseur oder was weiß ich noch für irgendwas nominiert war.

Tja, werden Sie jetzt vielleicht schlingelhaft einwerfen, dann waren die eben diesmal nicht so gut, „better luck next time“, aber damit räumen Sie hier natürlich nichts ab. Schon kreiste also die Rassismus-Keule und wer konnte, duckte sich. Wer was dazu sagte, hörte sich besser betroffen genug an.

Viel Landschafts gab's um den Trapper herum - Foto: AK

Viel Landschafts gab’s um den Trapper herum – Foto: AK

Überhaupt waren die Oscars dieses Jahr so politisch wie nie: Wer nicht irgendwas zu den Wahlen („Trump muss weg“), der globalen Erwärmung („Wir ham ja gar keinen Schnee mehr gefunden“) und natürlich zum Thema Rassismus abschoss, gehörte nicht dazu. Ich bin bei sowas ja immer eher misstrauisch. Den „Oscar“ hat die Filmindustrie schließlich irgendwann in den 20er und 30er Jahren nur erfunden, um die Schauspieler von der Gewerkschaft fern zu halten. Das wäre nämlich schlecht fürs Geschäft gewesen. Und die sind plötzlich politischer als die Politiker in Washington? Also wirklich.

Hollywood soll ja nur aus diesen ekligen Liberalen bestehen, was ja sowieso schon voll unamerikanisch ist. Dass die dann plötzlich auch noch lauter Afro-Amerikaner anheuern – wer das glaubt, glaubt auch, dass AfD und Pegida Horte der Demokratie sind.

Well, wie auch immer – alle drei Minuten betrat also ein schwarzer Schauspieler, Filmemacher oder sonst wer die Bühne und vertröpfelte Betroffenheit, aber natürlich alles im Rahmen. Nach 45 Sekunden begann das Orchester zu spielen, Zeit abzuhauen, egal, ob man nun Morgan Freeman oder Kevin Hart heißt. Aber ganz am Ende gab es dann noch was zum Freuen: Leonardo di Caprio bekam für seine Darstellung eines frierenden Trappers den Oscar für den besten Schauspieler – seinen ersten.

Endlich, werden sie da alle weltweit gerufen haben, wurde ja auch Zeit. Hollywood verbindet eben. Wer weiß, vielleicht macht Spielberg sogar einen Film draus. Mit Meryl Streep als Angela Merkel und di Caprio als Frauke Petry.

Diese und weitere Geschichten gibt es wie immer auf dem Blog “Rock Bottom” von Andreas Kraatz direkt zum Anhören.

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