Als Deutscher in den USA

31. März 2016 @

Heute: „The“ Donald (Trump)

Ich habe ja lange mit mir gehadert, ob ich was zu Donald Trump, in den USA auch „The Donald“ genannt, und seiner Kandidatur als Anwärter für das Amt des Präsidenten sagen soll und ja, so kompliziert muss man das umschreiben, denn Trump wird ja unter Umständen im nächsten Schritt erst als Kandidat der Republikaner bestätigt und nicht gleich automatisch Anführer der freien Welt, auch wenn die europäische Presse das bisweilen so darstellt: „Trump will Atomkrieg“, „Wahnsinniger Baulöwe will Kaiser der Welt werden“, „Splitternackte Stripper tanzen für Wahlsieg des Superpimps“, „Trump entwirft Phantasieuniformen für Privatarmee“, „Blaupausen für Folterkeller im White House gefunden“, naja, sowas halt.

Donald Trump ist in den USA als "Großsprecher" und "Showtalent" angesehen - Foto: JPH

Donald Trump ist in den USA als „Großsprecher“ und „Showtalent“ angesehen – Foto: JPH

Ich kann die Verwirrung gut verstehen, denn das amerikanische Wahlsystem ist ziemlich kompliziert. Ich bin fast froh, dass ich nicht wählen darf. Selbst in der superkonservativen Partei der Republikaner gibt es eine Anti-Trump- Bewegung, aber bewerten Sie das nicht über. Im Vorwahlkampf hauen alle so sehr aufeinander ein, das man glauben könnte, sie wären in verschiedenen Parteien.

Aber: There’s no business like show business – und wenn es später um die Wurst geht, stehen sie wieder Schulter an Schulter, wie Kim-Jung-Dumm und das nordkoreanische Volk. Die eine Krähe hackt der anderen kein Auge mehr aus, denn jetzt geht es um den Wahlsieg. Bis dahin rumpelt Trump eben wild in der Gegend herum und tritt so vielen Leuten wie möglich auf die Füße.

In den traditionellen Fernsehdebatten hat er bisher allerdings etwas blass ausgesehen, aber das hat ihm nicht unbedingt geschadet. Seine Fans haben nämlich auch keinen Plan, was in Washington so vor sich geht. Für sie sind Kongress und Senat nur eine Ansammlung aalglatter Anzugträger, die ausschließlich daran arbeiten, das eigene Bankkonto zu sanieren und das Land zu ruinieren.

Das Donald Trump selbst ein millionenschwerer Unternehmer ist, vergessen sie dabei oftmals. Im Zweifelsfall wird Vernunft eben durch griffige Slogans ersetzt. Denken Sie nur an die AfD und „Merkel muss weg!“ oder den Norbert Blüm-Klassiker „Die Renten sind sicher“.

Aber, auch das sei hier noch einmal erwähnt: Fast alle Präsidenten kommen aus reichen Familien oder führen zumindest ihren Wahlkampf auf Spendengeldsäcken sitzend. Die Bushs, die Obamas, die Reagans – alle waren oder sind mehr als nur wohlhabend. Das hat den USA schon den Ruf eingebracht, eine Oligarchie geworden zu sein, weil einige wenige Reiche das Land regieren und nicht mehr das „Volk“.

Nun ja, genauso könnte ich sagen, Deutschland sei eine „Parteien-Oligarchie“ in der das Volk auch nichts zu sagen hat, besonders jetzt, wo das Land unter der Knute der GroKo keucht, aber wie das so ist: Es kommt immer darauf an, wer sowas sagt. Wahlkämpfer sind ja immer auch Propagandisten, da kann man schon mal gut gelaunt 50 Prozent abziehen, bei AfD und Pegida in der Regel etwa 98,5 Prozent.

Diesen Beitrag und andere von Andreas Kraatz gibt es auch als Podcast - einfach auf's Bild klicken - Foto: AK

Diesen Beitrag und andere von Andreas Kraatz gibt es auch als Podcast – einfach auf’s Bild klicken – Foto: AK

Aber wir waren ja bei „The Donald“. Was passiert jetzt eigentlich, wenn Trump wirklich Präsident werden sollte? Wird dann eine Mauer um Mexiko gebaut? Kommen alle Moslems nach Guantanamo Bay, oder schlimmer sogar, nach Bielefeld? Wird unkontrolliert in der Gegend herumgefoltert werden? Stellt der Ku-Klux-Klan den Vizepräsidenten? Wer das behauptet, versteht nichts von den Vorgängen in Washington.

Trump ist, genau wie alle anderen Präsidenten vor ihm, extrem abhängig vom Wohlwollen der Lobbyisten, die Politik nicht in Büros, sondern in Whirlpools und an den Bars von Hotels betreiben, den Vertretern der Wall Street und natürlich Kongress und Senat. Haben die politischen Gegner dort die Mehrheit, wird das Regieren schwer. Nicht umsonst hat es in der Vergangenheit einen „Government lock-down“ nach dem anderen gegeben.

Dann liegt erstmal alles brach, alle staatlichen Einrichtungen machen dicht und alles wartet darauf, ob sich Präsident und Opposition irgendwann mal einigen. Bis dahin gibt’s keine Rente, keine Sozialhilfe, die Nationalparks und Museen machen dicht und die Beamten werden nicht bezahlt. Nur die Abgeordneten kriegen weiter ihre Diäten. Weil das in der Vergangenheit sehr oft passiert ist, sind Washingtons Politiker mittlerweile so beliebt wie ein Pickel am Hintern.

Wie gesagt, das kann Trump zum Vorteil werden, denn er ist von der offiziellen Politik und ihren Folgen relativ unbeleckt. Als Lobbyist – naja, das ist eine andere Geschichte. Also, wer jetzt vor Angst schon nicht mehr schlafen kann – es ist noch nichts entschieden. Trump ist nicht nur „business man“, sondern auch „Showstar“. Er hat eine Ader für die Bedürfnisse der Massen und spielt hemmungslos auf der Klaviatur der Gefühle, so dumpf sie auch sein mögen. Im Zweifelsfall müssen sogar Angela Merkel und die europäische Flüchtlingskrise für seine Interessen herhalten. Der Mann ist eine Nervensäge, ja, aber bisher glücklicherweise noch nicht mehr als das.

Diese und weitere Geschichten gibt es wie immer auf dem Blog “Rock Bottom” von Andreas Kraatz direkt zum Anhören.

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