Als Deutscher in den USA

26. März 2016 @

Heute: Neues Jahr, neues Glück

Am ersten Januar des Jahres, noch leicht beschwiemelt von den vergorenen Fruchtsäften der vergangenen Nacht, hatte ich mich zu der Aussage verstiegen, das 2016 mein Jahr werden würde. Ja. Dieser Zug ist inzwischen leider abgefahren.

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Die Zahl signifikant negativer finanzieller Großereignisse in meinem Haushalt ist inzwischen so sehr angestiegen, dass wir bereits die Flucht in einen karibischen Zwergstaat erwogen haben, um Piraten zu werden. Den jüngsten und bis jetzt auch so ziemlich kostspieligsten Begeisterungssturm löste wieder einmal unser vor drei Jahren gebraucht gekaufter Wagen aus amerikanischer Produktion aus. Jener tiefblaue Buick der Firma GM hatte uns bereits in der Vergangenheit geldmäßig viel Freude bereitet.

Neue Vorderachse plus Einbau für 400? Null Problemo. Controller für die Steuerung der Zündabfolge für rund 600? Her damit, was kost‘ die Welt! „Ist besser als eine monatliche Rate für irgend so eine japanische Gurke“, sagte meine Frau laut, um mein geräuschvolles Schluchzen zu übertönen, während ich die Schecks ausstellte. Damals haben wir viel von diesem pappigen hiesigen Weißbrot gegessen, weil’s billig war und den eher „Toter-Hamster-im-Mund“ Geschmack der Tütensuppen aufsaugte.

Nun ja, wie gesagt, das war vor ein paar Jahren. Im Februar dieses Jahres nun, kurz bevor ich das Auto zum US-TÜV bringen konnte, machte die Familienschaukel ein paar blubbernde Geräusche, stieß weiße Rauchwölkchen aus wie in einem John Wayne Western und zeigte plötzlich ein Fahrverhalten wie ein Ford Model „T“ von 1922.

„Das kostet“, murmelte ich nachdenklich. „Wird schon nicht so schlimm sein“, meinte meine Frau, als ein paar vierschrötige Gesellen die Karre später auf den Abschleppwagen luden. In der Werkstatt knallten wenig später die Sektkorken. „Das kriegen wir schon wieder hin“, tröstete mich der Chefmechaniker, während er mit einem Silbermesser aus dem Zarenschatz von Alexander II. Beluga-Kaviar auf einen handgeschöpften Wasserkräcker häufte. Dazu spielte ein extra eingeflogenes Streichquartett der Staatsoper Pjöng Jang Variationen von Matthias Reim.

Nach einer wirklich beeindruckenden japanischen Teezeremonie krächzte ich schließlich entkräftet: „Wieviel?“ Der Mechaniker stellte sein Wachtelei-Parfait à la Bourgogne zur Seite und nippte etwas Chateau Rothschild aus einem Waterford Kristallpokal von Queen Victoria. Er zückte eine vierseitige Liste und gab sie mir.

„1800 Dollar?!“ kreischte ich hyperventilierend. Der Mechaniker zuckte nur mit den Schultern und entnahm dem Bauchnabel einer ziemlich unbekleideten jungen Dame, die vor ihm auf dem Schreibtisch lag, etwas Delphin-Sashimi. „Na schön“, gab ich schließlich nach. „Wenn er dann wieder fährt.“ „Wir rufen Sie an“, sagte der Mechaniker bei einem Schwenker Courvoisier. „Bretzel?“ fragte er noch. „Echt belgisch.“

Autoreparatur in den USa ist teuer - und nicht immer gleich erfolgreich - Foto: AK

Autoreparatur in den USa ist teuer – und nicht immer gleich erfolgreich – Foto: AK

Ich lehnte dankend ab und machte mich davon. Ein Kollege fiel mir ein. Der hatte mir mal gesagt, dass es nur zwei Dinge gäbe, die einem das Leben schwer machten, und zwar Häuser und Autos. Wie wahr. Ein paar Tage später kam der versprochene Anruf. Das Auto war fertig. Mein Bankkonto auch. Wenn es dann nur wenigstens gefahren wäre, das Auto. Der Motor hatte weiter Würfelhusten und alles war beim Alten. „Ach, das ist nur ein Krümel Rückstand von der Reparatur“, erklärte der Mechaniker, zog ein paar Kabel und drückte ein paar Knöpfe. „Alles klar“, sagte er.

Alles klar, dachte auch ich in derselben Nacht auf der Autobahn als ich zusah, wie ein paar andere Vierschröter den toten Buick auf den Abschleppwagen hievten. Ich plante bereits den Mord an meinem Mechaniker, sah dann aber von unkontrollierter Gewalt ab. Man hört ja so manches über die hiesigen Gefängnisse.

„Was ganz Harmloses“, sagte der Mechaniker zwischen zwei Bissen Gruyere mit Cherry-Tomaten. „Ist nur knapp 300 Dollar. So’n Controller. Passiert andauernd.“ Er bot mir ein Wachtelbrüstchen auf Toast an. Tja, was sollte ich machen? Ich schrieb also noch einen Scheck.

Dem Auto traue ich mittlerweile so weit, wie ich ein Schwein schmeißen kann. Und eines kann ich Ihnen sagen: Wenn noch was passiert, fahre ich die Kutsche in den Wald und fackle sie ab, Umweltschutzbestimmungen oder nicht. Danach gibt’s einen Eimer Kaviar.

Diese und weitere Geschichten gibt es wie immer auf dem Blog “Rock Bottom” von Andreas Kraatz direkt zum Anhören.

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