Als Deutscher in den USA

2. Dezember 2015 @

Heute: Das Ende ist nahe

Es ist mal wieder soweit – Halloween ist rum und Thanksgiving steht vor der Tür (Erntedankfest wäre ein deutsches Beispiel). Überall verstecken sich bereits die Truthähne und picken wild auf Reporter ein, die sich wie immer um diese Jahreszeit, auf wunderbare Weise auf allen möglichen Truthahnfarmen finden, um die potenziellen Opfer zu zählen. Ich will nicht lügen, auch in unserem Kühlschrank wird bald wieder so ein leckerer Riesenvogel liegen und nur darauf warten, gebraten zu werden.

Den Beitrag von Andreas Kraatz gibt es auch als Podcast, einfach auf's Bild klicken - Foto: AK

Den Beitrag von Andreas Kraatz gibt es auch als Podcast, einfach auf’s Bild klicken – Foto: AK

Familien kommen nach langer Trennung wieder zusammen und, je nachdem wie viel Alk im Spiel ist, auch bisweilen in die Abend News. Es ist jedes Jahr das Gleiche, und deshalb möchte ich Ihnen heute einmal den “Day After“ vorstellen – den sogenannten „Black Friday“.

Wenn also Thanksgiving vorbei ist, beginnt ganz offiziell die Holiday Season. Sollten Sie also Post aus den USA bekommen, auf der Season Greetings steht – jetzt wissen Sie warum. Wenn sich Deutsche am Heiligabend entspannt zurücklehnen und sich auf zwei weitere Feiertage
freuen, ist hier schon wieder alles vorbei. Die Geschenke sind ausgepackt und die Verwandtschaft sitzt wieder im Zug nach Hause.

Aber ich eile voraus, hier in den USA muss ja immer alles rubbeldiekatz gehen. Das färbt ab. Wir waren ja bei „the Day After“. „Schwarzer Freitag“ heißt das Ganze also und ist ein phänomenaler Kaufrausch, der bereits morgens um Vier beginnt und erst dann endet, wenn alle zu schwach oder pleite sind, um noch mehr zu kaufen.

Stellen Sie sich mal Sommer- und Winterschlussverkauf auf Crack vor und am gleichen Tag, dann haben Sie’s. Manche Leute halten diesen Freitag sogar für legalen Sex in der Öffentlichkeit. Geltendes Recht scheint außer Kraft gesetzt zu sein und manch Kaufbegeisterter wurde schon mit einem Baseballschläger am Eingang zum Einkaufszentrum erwischt. Echte hardcore shopper campieren übrigens schon nachts vor den Läden, um die besten Superschnäppchen wie Plastikmäuse aus Litauen oder schlecht sitzende Unterhosen aus Taiwan zu ergattern.

Bereits kurz nach der Öffnung der Konsumtempel sind natürlich die besten Angebote weg. Danach bieten Kaufhäuser windige Superfinanzierungsangebote an, die dann dazu führen, dass Millionen Amerikaner einen Tag später weinend vor ihrem 100 Zentimeter Big Screen TV auf dem Designer Sofa von Gucci sitzen, und nicht wissen, wie sie für den ganzen Kram blechen sollen. Ich bin ja mittlerweile davon überzeugt, dass ich bei all den special offers irgendwann einmal dafür bezahlt werde, wenn ich so eine Waschmaschine nach Hause schleppe.

Shopping ist jetzt in - Foto: AK

Shopping ist jetzt in – Foto: AK

Oh, und wer nicht bezahlen kann, dem wird der ganze Kram eben einfach wieder abgeholt. Mein Nachbar musste zum Beispiel im letzten Jahr sein vergoldetes U-Boot und den Zeppelin aus chinesischer Seide wieder zurückgeben, weil er mit den Raten hinterher war. Das ist hier nämlich auch so ein Trick: Man kauft eine Couch und zahlt für zwei Jahre nur die blanke Rate ohne Steuern und Zinsen. Nach zwei Jahren muss dann allerdings alles voll berappt sein, oder jene Steuern und Zinsen werden obendrauf geknallt. Das würde sogar den Weihnachtsmann ruinieren. Aber hier springen sie auf sowas voll an, denn es ist ja ein Sonderangebot. Die Couch will natürlich auch keiner zurück, denn inzwischen hat der Hund bereits zweimal draufgepupt und das Baby einmal quer drüber gereihert.

Mein Nachbar hatte im letzten Jahr noch einen ganz anderen Holiday Plan: Da seine gesamte Verwandtschaft aus der alten Heimat zu Thanksgiving angerückt war, schickte er sie einfach zum Shoppen und um sie loszuwerden, erzählte er der Polizei am Telefon, die Truppe wäre illegal hier, um die Läden leer zu klauen. Leider waren die Beamten zu schnell und hatten ihn gleich mit abgeschoben, legal hier oder nicht.

Naja, ich bin überzeugt, dass sich das schnell wieder aufklärt. Mein Nachbar hat ja lange genug laut Spanisch fluchend mit seiner Green Card herumgefuchtelt. Bis er also wieder da ist, von mir Happy Thanksgiving und ansonsten Heidewitzka, Herr Kapitän!

Diese und weitere Geschichten gibt es wie immer auf dem Blog “Rock Bottom” von Andreas Kraatz direkt zum Anhören.

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