ENAS-Fahrradwerkstatt über die Stadt hinaus bekannt – viele Ideen auf Lager

1. März 2016 @

SEHNDE-NEWS. Es ist wieder Donnerstag, Fahrradausgabe bei der ENAS-Fahrradwerkstatt in Rethmar auf dem Gelände des Bundessortenamtes (BSA). Gegen 16 Uhr ist schon ein großer Andrang vor der Garage, die die Werkstatt und die Ausgabe beherbergt. Rund 150 Fahrräder müssen vorbereitet werden, um die Neuankömmlinge in Höver damit auszurüsten. So werden die Asylbewerber mobil und können die umliegenden Sehnder Ortsteile erreichen.

Mehr als 70 Personen wollten am Donnerstag ein Fahrrad haben - Foto: JPH

Mehr als 70 Personen wollten am Donnerstag ein Fahrrad haben – Foto: JPH

In der Garage herrscht noch große Hektik, die Leiterin der Einrichtung „Hotel Zur Linde“ von der AWO in Höver, Franziska Burbulla, ist ebenfalls in Rethmar und schraubt an den Drahteseln in ihrer Freizeit. Insgesamt 17 Personen der ENAS sind da, um die Räder fahrbereit zu machen, zu prüfen, auszugeben und zu registrieren.

Ein Problem gibt es derzeit: „Wir haben in der Werkstatt wenig Platz zum Arbeiten“, erklärt Karl-Heinz Reinsch. „Deshalb mussten wir Platz schaffen und einige Räder anderweitig unterbringen. Aber das keinesfalls draußen, denn da setzt erstaunlicherweise sofort der ’natürliche Schwund‘ ein“, schmunzelt er. Doch das war leichter gesagt als getan, denn die freie Garage nebenan durften die Helfer nicht nutzen – „muss frei bleiben“, da die Stadt Sehnde dort Mieter sei, nicht ENAS, hieß es in einer Mail. Also wieder ausräumen, draußen abstellen im Fahrradständer.

Leider muss ein Teil der Fahrräder nun außerhalb aufbewahrt werden - Foto: JPH

Leider muss ein Teil der Fahrräder nun außerhalb aufbewahrt werden – Foto: JPH

Nun steht die Werkstatt wieder voll und draußen wartet die „Kundschaft“ schon längere Zeit. Es wird kalt, die von ENAS-Mitarbeitern mitgebrachte Heizung wird angeschaltet und die inzwischen rund 70 Fahrradinteressenten dürfen rein. Dann stellt sich raus, dass sie in der Mehrzahl gar nicht aus Sehnde sind. „Da scheint sich die Arbeit von uns rumgesprochen zu haben“, so Sven Lurz, Mitarbeiter bei ENAS. „Es sind nicht die ersten Interessenten von auswärts. Unsere Arbeit ist wohl in der Gegend einmalig.“ Die heutigen Asylbewerber kommen sogar aus Hildesheim – dürften eigentlich gar nicht hier sein und bekommen auch keine Räder aus dem Pool. „Die gehen nur an Sehnder Asylbewerber“, erklärt Reinsch. Da der Andrang groß ist, die Ausgabe an externe Interessenten aber nicht geklärt werden kann, da niemand ans Telefon zu bekommen ist, wird der Bürgermeister selbst „alarmiert“.

Der Bürgermeister Carl Jürgen Lehrke (vo.li.) musste mit Karl-Heinz Reinsch und Franziska Burbulla (2./3.vo.v.li.) die Situation erklären und für Verständnis sorgen - Foto: JPH

Der Bürgermeister Carl Jürgen Lehrke (vo.li.) musste mit Karl-Heinz Reinsch und Franziska Burbulla (2./3.vo.v.li.) die Situation erklären und für Verständnis sorgen – Foto: JPH

Er erscheint rund zehn Minuten später und erläutert den „Hildesheimern“ die Sachlage – über Dolmetscher. Das entspannt die Situation, die Asylbewerber aus der Nachbarstadt treten den Heimweg ohne Fahrrad an, die aus Sehnde bekommen einen verkehrssicheren, geprüften und bei der Polizei registrierten Drahtesel. „Mit diesem Ausgabeverfahren ist sichergestellt, dass niemand mit den gespendeten Fahrrädern eine Handel treiben kann“, erklärt Lurz das Verfahren. Schließlich sind die Räder alles Spenden, die die ENAS-Mitarbeiter in der ganzen Region abholen und hier wieder auf Vordermann bringen.

Und das ist nicht nur einmalig, sondern auch ausgesprochen erfolgreich, wie der Nachmittag gezeigt hat. „Wir haben noch viele andere Ideen“, sagt Reinsch. „Die wollen wir gerne in absehbarer Zeit umsetzen.“ So soll hier auch eine kleine Tischlerei entstehen, ein Café und noch einiges – wenn die Bürokratie doch nur schneller arbeiten würde. Noch sind die ENAS-Mitarbeiter nämlich bis in die Haarspitzen motiviert – und das darf nicht bröckeln.

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