Sehnde-News im Gespräch mit Martin Kind

14. April 2018 @ 0 Kommentare

Der Präsident von Hannover 96, Martin Kind, hatte zu einem Gespräch nach Großburgwedel eingeladen, bei dem er freimütig über alle Fragen rund um den hannoverschen Verein und die Bundesliga sprach. Dabei wurde über Themen wie die anstehende Mitgliederversammlung und die Entwicklung der Mannschaft genauso gesprochen, wie über den Fortgang bei der 50+1-Regelung. So sagte der Klubchef…

Martin Kind sprach zu allen anstehenden Fragen – Foto: JPH

…zur Mitgliederversammlung am kommenden Donnerstag in der Swiss Live Hall:
Wir sind dieses Mal professioneller vorbereitet als beim letzten Mal. Wir erwarten dieses Mal bis zu 1500 Mitglieder, davon vielleicht 500 bis 600 aus der Fan-Szene. Dabei wollen wir bei der Versammlung den Schwerpunkt deutlich auf den Amateur- und Breitensport legen. Wir wollen dessen Bedeutung und Attraktivität betonen und die Veranstaltung zu einem Pflichttermin für alle Mitglieder machen,  auch wenn Wahlen erst 2019 wieder anstehen.

…zum Satzungsänderungsantrag für die Mitgliederversammlung:
Dem vorliegenden Satzungsänderungsantrag ist aus Sicht des Vorstandes nicht zuzustimmen. Wir haben eine entsprechende Empfehlung gegeben, denn die Annahme würde eine Übertragung der Entscheidungsbefugnis auf die Mitgliederversammlung bedeuten. Damit müsste die Versammlung mindestens einmal wöchentlich tagen, um alle Beschlüsse zu fassen – und es würde ein Ende der bisherigen Struktur von Hannover 96 bedeuten. Auch was Haftung, Umsetzung von Beschlüssen und Verantwortlichkeiten betrifft. Aber für eine Satzungsänderung ist nicht umsonst die hohe Hürde einer Zweidrittelmehrheit vorhanden. Und die werden die Antragsteller realistischer Weise nicht erreichen.

…zu den Ultras im Stadion und der Fankultur:
Wir sind weiter für Gespräche offen. Die Podiumsdiskussion neulich mit den Vertretern der 96-Fanclubs war aus unserer Sicht eine gute Veranstaltung. Dass hinterher auf dem Fanszenetreffen von einer ‚Alibi-Veranstaltung‘ die Rede war, finde ich überraschend und ungewöhnlich. Außerdem sprechen wir von einer ‚Minderheit‘, die die Bühne HDI Arena benutzt. So muss man sich überlegen, dass beim Werder-Spiel 49 000 Zuschauer im Stadion waren, davon 5000 aus Bremen und rund 1000 aus der ‚Ultra-Szene‘. Dann bleibt noch die Mehrheit von 43 000, die gegen Bremen eine Super-Stimmung schafften. Unter diesem Aspekt diskutieren wir Lösungen für die kommende Spielzeit 2018/2019. Wir brauchen ein Stadion, das hinter uns steht. Gerne spreche ich jede Woche einmal zwei Stunden mit den Fans, aber für die neue Saison ist Klarheit erforderlich – im Interesse der Mehrheit.

…zum Abstieg 2016:
Der Abstieg war berechtigt und auch das Ergebnis teurer Fehlentscheidungen. Die einzige Lösung war danach der sofortige Wiederaufstieg. Ich wollte kein Risiko eingehen, denn der Umsatz in der Zweiten Liga brachte ein Minus von 50 Prozent. Deshalb mussten unbedingt die Leistungsträger erhalten bleiben. Und dann kam noch der teure Abschied von Trainer Daniel Stendel und Manager Martin Bader dazu, sowie deren Ersatz durch Trainer Andre Breitenreiter und Manager Horst Heldt. Diese Entscheidung war notwendig, und ich war davon überzeugt, dass wir handeln mussten, um unser Ziel nicht zu gefährden. Das hat sich zum Glück bestätigt. Insgesamt haben wir 12 Millionen Euro Verlust gemacht in der Zweiten Liga!

Es war ein spannendes Gespräch unseres Redakteurs Jörg-Peter Hellerling mit Martin Kind. Am Ende hieß es „alles Gute für 96“ – Foto: JPH

…zur aktuellen und kommenden Saison:
Wir haben in der Hinrunde mehr erreicht als erwartet. Das waren gute Trainerarbeit und überwiegend gute Transferentscheidungen. Dann die Rückrunde mit fünf Niederlagen in Folge, doch die Mannschaft hat einen guten Charakter und Vertrauen verdient – das hat sie gegen Bremen dann auch bewiesen. Und das Jahr war bisher ein gutes für 96 mit einem Zuschauerschnitt von 45 bis 47 000 Besuchern pro Spiel. Aber wir sind noch nicht ganz sicher weiter in der 1. Liga. Ein Sieg und ein Unentschieden werden sicher noch gebraucht.
Die Spielzeit 2018/2019 wird für uns nicht leichter, doch es wird einen Umbruch geben. Wir müssen die Qualität steigern. Klaus und Sane werden uns verlassen, Wolf ist bereits weg. Wir werden deshalb alles, was wir an Transfergeldern bekommen, wieder investieren und die Einsparungen dazurechnen. Aber bis dahin muss die Frage zum Thema ’50+1′ geklärt sein.

…zu 50+1 und der DFL:
Bei der 50+1-Regelung bin ich nach wie vor optimistisch. Unser Antrag ist ruhend und soll ergebnisoffen diskutieren werden. Unser Haushalt setzt sich derzeit aus TV-Rechten, Sponsoren- und Besuchereinnahmen zusammen. Wir können den Haushalt 2019 über die Umsatzseite nicht erhöhen, das geht nur über eine Kapitalerhöhung. Dafür muss aber die 50+1-Regelung klar sein. Denn dann könnten noch zwei weitere hannoversche Kapitalgeber zu den vier bestehenden dazukommen.

…zur 20-jährigen Erfolgsgeschichte „Hannover 96“:
Als wir im Verein begonnen haben lag die Mitgliederzahl unter 2000; jetzt ist sie bei mehr als 21 000. Davon sind rund 4000 aktive Sportler und sehr viele Fördermitglieder. Diese Fördermitgliedschaften haben dem Verein seit 2004 rund 8 Millionen Euro eingebracht. Wir investieren jetzt rund zehn Millionen Euro in den Neubau des Mitgliederzentrums an der Stadionbrücke, haben in den vergangenen 20 Jahren rund 100 Millionen Euro in die Infrastruktur investiert – und spielen 15 Jahre in der Ersten Bundesliga. Der ‚E.V.‘ ist heute eine Erfolgsgeschichte. Es gab eine tolle Entwicklung im Breitensport, wir haben Top-Abteilungsleiter, die alle ehrenamtlich arbeiten. Zukünftig wollen wir den Amateurfußball und den Frauenfußball ausbauen. Aber 96 ist nicht nur ‚Fußball‘, sondern hat eine enorme Bandbreite. Und der Grundlagenvertrag sichert langfristig diese Vereinsaktivitäten.

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