Mario Bartkowski aus Sehnde startet im Treppenmarathon

20. April 2017 @ 0 Kommentare

Der „Sächsische Mount Everest Treppenmarathon“ ist eine seit dem Jahr 2005 existierende Extremsportveranstaltung auf der Spitzhaustreppe in Radebeul-Oberlößnitz. Am 22. April 2017 fällt der Startschuss für die nunmehr 13. Austragung. Einem Bericht der Deutschen Ultramarathon-Vereinigung zufolge wird dieser Lauf zudem als „der schwerste und größte Extremtreppenlauf der Welt“ bezeichnet. Insbesondere die 39 700 zu bewältigenden Stufen definieren das Ereignis als Treppenlaufwettbewerb zu einem „Ultra-Treppenlauf“. Zusätzlich werden in Radebeul von den internationalen Teilnehmern aus bisher 13 Nationen in bis zu 24 Stunden des Laufes die Höhenmeter des namensgebenden Mount Everests absolviert, also 8848 Höhenmeter in 100 Runden; die kommen zu der dabei zurückgelegten Strecke eines Ultramarathons von 84,4 Kilometer hinzu. Dieser Ultra-Marathon „zum Dach der Welt“ wird als 24-Stunden-Lauf veranstaltet.

Mario Bartkowski beim Marathon in Kiel – Foto: Privat

Für manche Extremsportler liegt der Mount Everest demzufolge in Sachsen. Diejenigen Teilnehmer, die also innerhalb von 24 Stunden 100 Mal die Spitzhaustreppe im Radebeuler Weinberg hoch und runter laufen, haben 39 700 Treppenstufen, 8848 Höhenmeter sowie zwei Marathons am Stück geschafft – ohne Atemgerät und Eispickel, symbolisch den Mount Everest bestiegen. Das bedeutet zum Beispiel 69 Mal den Kölner Dom rauf und runter zu laufen. Dabei kann nicht jeder an dem Lauf teilnehmen, es ist vielmehr eine Bewerbung notwendig, die dann zur Starterlaubnis führt – wenn die Qualifikation stimmt.

Am Wochenende wird der Parcours über die Spitzhaustreppe am Elbhang Extremsportlern und Enthusiasten das Gefühl der Strapazen und die Euphorie geglückten Gipfelsturms vermitteln. „Für viele ist der Mount Everest eine unerreichbare Herausforderung“, sagte einmal der Organisator des Radebeuler Treppenmarathons, Ulf Kühne, und fügte hinzu: „Der Mount Everest Treppenmarathon sei was für Sportler mit ‚einem gewissen Hang zum Verrückten'“.

Gegen 16 Uhr machen sich Sonnabend im sächsischen Elbtal 85 zugelassene Alleingänger sowie 25 Dreierseilschaften, also Teams bestehend aus drei Läufern, auf dem Weg. Darunter ein Weltmeister im Treppenlaufen, ein mehrmaliger Weltrekordinhaber, viele Berglaufspezialisten aus der Schweiz und Österreich und weitere Spitzensportler der Ultramarathon-Szene aus mehreren Ländern – ein internationales Spitzenfeld. Die meisten Läufer stärkten sich auf dem Weg nach unten mit Obst, Kuchen oder Nudeln.

Bei einem Sechsstunden-Lauf startete Bartkowski als Hot Dog Verkäufer – Foto: Privat

In zwei Tagen ist es also soweit. Mario Bartkowski, 40 Jahre, mit dem ersten Marathon im Jahr 2011 hat eine Starterlaubnis für dieses Jahr erhalten und wird dann mit dem Zug nach Oberlößnitz reisen. Er wird vor solchen Veranstaltungen von Familie und Freunden immer gefragt, warum er sich so etwas „Beklopptes“ antue. Aber er gehört zu den Menschen, die Herausforderungen wie diesen nicht abgeneigt sind, und sie wie ein Luffaschwamm aufsaugen und genießen, trotz aller Strapazen. Vermutlich ach, weil er tatsächlich einen gewissen Hang zum Verrückten besitzt.  So lief er den Berliner Mauerweglauf, 160 Kilometer um Berlin herum (SN berichtete) http://www.sehnde-news.de/?p=88156 oder der Wohltätigkeits-Ultramarathon von Göttingen zum Harzer Brocken. „Ich nehme immer mal wieder gern an verrückten Läufen teil. Im Vorjahr habe ich mich beispielweise überreden lassen, Teilnehmer eines Weltrekordes zu werden, nämlich den Kettenmarathon-Weltrekord-Versuch beim Münster am 11. September 2016. Es ging darum, zusammen mit knapp 80 Läufern an einer Eisenkette gekettet die Distanz von 42,195 Kilometer zu laufen“ berichtete Bartkowski. „Oder ich wurde einmal gefragt, ob Ich mir vorstellen könne, während einer kompletten Marathon-Distanz Hot-Dogs an die übrigen Mitläufer zu verkaufen – natürlich in voller Montur verkleidet und dabei noch eine Würstchenbude vor mir her schiebend.“

Auch bei der „Brocken Challenge“ war er dabei – Foto: Privat

Auch bei diesem Treppenlauf gibt es eine kleine Besonderheit seit Beginn der Austragung: Diejenigen, die die 100 Runden innerhalb des Zeitlimits schaffen, werden damit belohnt, dass der Name auf dem „Gipfelkreuz der Treppe“ verewigt wird. Der Sehnder Starter hat für sich entschieden, alles dafür zu tun, dass sein Name ebenfalls dort verewigt wird. Reinhold Messner wurde einmal gefragt, warum er den Mt. Everest bestiegen habe. Die Antwort lautete: „Weil es ihn gibt“ – und deshalb hofft Bartkowski auch auf einen solchen Erfolg in Sachsen.

Anfang April 2016 war er auf dem Weg mit dem Zug zu einer Marathon-Veranstaltung in Osnabrück. „Da war es morgens noch sehr dunkel, und so habe ich eine leere Konservendose übersehen, die auf der Sehnder Bahnhofstreppe quer lag. Ich bin ausgerutscht, gestürzt und habe mir das rechte Wadenbein gebrochen. Ich habe ein halbes Jahr pausiert, und mich dann wieder an die ersten Marathon-Veranstaltungen gewagt“, erinnert sich Bartkowski vor seiner Abreise. „In den Wochen vor dem Treppenlauf habe ich nun regelmäßig auf besagter Sehnder Bahnhofstreppe trainiert. Die hat jedoch lediglich zirka 15 Stufen. Um den Mangel an Stufen zu kompensieren, habe ich zusätzlich in Treppenhäusern mein Trainingspensum abgespult“, so der Läufer. Ob es sich gelohnt und Bartkowski die 100 Runden absolviert hat, wird sich am Sonnabend zeigen.

Anzeige

Hinterlassen Sie eine Antwort.

Spam-Schutz: Bitte lösen Sie folgende Aufgabe * Time limit is exhausted. Please reload CAPTCHA.

© 2017 Sehnde-News.